Schweiz
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In der Bundesrats-«Arena» gibt Moderator Brotz den Schmutzli – und drischt auf alle ein

Der Puls steigt. In genau fünf Tagen sind Bundesratswahlen. Genau darüber wurde erneut in der SRF-«Arena» diskutiert. Und weil der 6. Dezember war, musste Moderator Sandro Brotz hin und wieder die Schmutzli-Rute schwingen.



Die SRF-«Arena» an diesem 6. Dezember fand zwar ohne Samichlaus statt, ein bisschen was vom Chlaustag spürte man aber trotzdem – doch dazu später. Thema war, wie bereits vor zwei Wochen, die immer näher rückenden Bundesratswahlen. Am 11. Dezember kommt es zur Wahl der Exekutive. So wie es aussieht, sind die Würfel bereits gefallen und es wird kaum zu einer Grünen Bundesrätin kommen. Nichtsdestotrotz trommelte Moderator Sandro Brotz die Elefantenrunde zusammen. Abgesehen von der Grünen Parteipräsidentin Regula Rytz waren alle Parteipräsidenten anwesend.

Rytz blieb der Runde fern, wurde aber bereits am Anfang mit einem Videobeitrag eingeblendet. Erstaunt sei sie, dass sie nicht zu einem Hearing der CVP eingeladen worden sei, äusserte sich die Grüne Bundesratskandidatin gegenüber SRF. Die CVP – sie spielt als Mittepartei die entscheidende Rolle wenn es um die Wahl von Rytz geht – glänzte vor zwei Wochen noch mit Abwesenheit. Doch dieses Mal nahm Parteipräsident Gerhard Pfister die Einladung an und stand Moderator Sandro Brotz Red und Antwort.

«Die Grünen haben einen legitimen Anspruch auf einen Bundesratssitz. Die Frage ist nur, wann», meint Pfister diplomatisch. Er sei immer der Meinung gewesen, dass man amtierende Bundesräte nicht abwählt. Deshalb habe man Rytz auch nicht zu einem Hearing eingeladen. Damit ist die Sache entschieden. Es müsste viel passieren, dass Rytz am nächsten Mittwoch genügend Stimmen erhält.

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Video: streamable

So wirkt auch der in den hinteren Reihen platzierte Balthasar Glättli, Co-Parteipräsident der Grünen, etwas angeschlagen. «Wir haben gekämpft. Aber es ging nie um Inhalte – es geht hier nur um eine reine Machterhaltungsübung», meint Glättli bissig, fügt aber hinzu: «Ich glaube aber immer noch an Überraschungen.»

Woher diese Stimmen denn kommen sollten, entgegnet Moderator Brotz schnippisch und wendet sich an FDP-Präsidentin Petra Gössi. Doch auch diese scheint Brotz wenig zu überzeugen, noch bevor Gössi ihr Statement, «Die Zauberformel hat uns sehr viel Stabilität gebracht» beenden kann, fährt er ihr etwas genervt über den Mund. Man fragt sich, ob Brotz gar selbst etwas gelangweilt von der Diskussion ist oder ob er getreu des 6. Dezembers einfach spontan in die Rolle des Schmutzlis mit der Rute schlüpfte.

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Denn auch mit dem SP-Chef Christian Levrat muss Brotz im Verlauf der Sendung schimpfen. «Sind sie hier drin jetzt der Moderator, Herr Levrat?», meint Brotz an den SP-Präsidenten gewandt, nachdem Letzterer von SVP-Chef Albert Rösti wissen wollte, ob dieser denn wenigstens eine andere Grüne-Kandidatur angehört hätte.

Rösti, der die ganze Sendung hindurch grinst wie ein Honigkuchenpferd, schüttelt den Kopf. «Wir hätten auch eine andere Kandidatur nicht angehört. In der Verfassung steht, dass alle Regionen der Schweiz in der Regierung vertreten sein sollen und mit einem Angriff auf den Tessiner Bundesratssitz von Ignazio Cassis missachten die Grünen die Verfassung», so der SVP-Parteipräsident.

Brotz, wieder etwas sanftmütiger unterwegs, nimmt den Ball auf. «Jetzt bewerten sie doch bitte alle einmal die Politik von Aussenminister Cassis», meint er in die Runde. Wenig überraschend kommt die beste Note aus dem Hause FDP. Auf Gössis Papier steht eine Fünf. «Ich würde aktuell niemandem im Bundesrat eine höhere Note geben und Bundesrat Cassis hat als Bürgerlicher im Aussendepartement eine schwierige Aufgabe. Aber er machte einen guten Job», so die Parteipräsidentin.

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Weniger begeistert von Cassis’ Schaffen sind Levrat und Glättli. Levrat straft Cassis politisches Schaffen mit einer Drei ab, Glättli mit einer Dreieinhalb. «Wir hatten bis anhin eine kohärente Aussenpolitik. Die Politik, die jetzt von Cassis betrieben wird, steht ganz klar im Bruch mit der Tradition der Schweizer Diplomatie», begründet Levrat seine ungenügende Note.

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Auf dieses Statement schaltet sich der noch immer strahlende Rösti ein und schlägt Levrat direkt ein Schnippchen. «Cassis macht einfach eine klar bürgerliche Politik. Und das passt der SP nicht», meint Rösti. «Aber stellen Sie sich einmal die Alternative vor, die SP hätte lieber Pierre Maudet für das Aussendepartement gehabt. Wäre das soweit gekommen, dann befänden wir uns jetzt mitten in einer Staatskrise.»

Spricht man über den Schweizer Aussenminister, ist die Debatte über das EU-Rahmenabkommen nicht weit. Das weiss auch Moderator Brotz und nimmt SP-Chef Levrat ganz zum Schluss bezüglich Rahmenabkommen in die Mängel. «Wann wird die SP brechen mit dem Lohnschutz?», will Brotz von Levrat wissen. Doch anstatt dass dieser antwortet, stellt er selbst Fragen. Worauf Brotz just wieder in die Rolle des Schmutzli fällt und meint: «Immer dann, wenn man keine Antwort weiss, stellt man selbst fragen. Glauben Sie mir, ich kenne dieses Spiel schon seit vielen Jahren.»

Unabhängig davon, wie sich der Bundesrat am kommenden Mittwoch zusammensetzen wird, über das EU-Rahmenabkommen wird auch in Zukunft noch viel gesprochen werden müssen. Und da würde auch eine Grüne Bundesrätin wie Regula Rytz kaum helfen, den direkten Weg aus der Sackgasse zu finden. So oder ähnlich würde jedenfalls das Fazit der jüngsten SRF-«Arena» lauten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • KOHL 08.12.2019 01:54
    Highlight Highlight Von mir aus können wir Cassis auch durch einen Stein ersetzen, Hauptsache der ist weg!
    • Gwdion 08.12.2019 13:23
      Highlight Highlight Vorzugsweise durch einen Stein aus dem Tessin, damit "alle Landesteile vertreten bleiben".
  • Dani S 07.12.2019 22:25
    Highlight Highlight Egal was bei den Wahlen rauskommt: es gibt eh nur Pest oder Cholera: Rytz ist mir trotz Grün zu farblos und zu nah an Glättli, Cassis zu pompös (z. B. im Privatjet nach Paris anstatt im TGV...) für das bisschen Wind, das er bisher gemacht hat. Ausserdem wird Parmelin nicht mal diskutiert, dabei wäre der überfällig zur Abwahl.
  • Toni.Stark 07.12.2019 19:30
    Highlight Highlight 2SVP, 1FDP, 1CVP, 1Grüne, 1SP, 1GLP deckt den Wählerwillen am Besten ab.
  • Yogi Bär 07.12.2019 19:04
    Highlight Highlight Ich stelle mir echt die Frage was Helene Obrist gesehen hat? War dies wirklich die Arena?
  • Quacksalber 07.12.2019 16:34
    Highlight Highlight Der grüne BR kommt erst, wenn sich das Einbinden der Grünen für die anderen lohnt; sprich wenn sie Referenden an der Urne anfangen zu gewinnen.
  • Das dritte Auge 07.12.2019 12:26
    Highlight Highlight Der grüne Bundesrattraum,
    ein Schuss in den Ofen, ganz CO2frei.
  • Gonzolino_2017 07.12.2019 11:56
    Highlight Highlight Sandro Brotz moderiert im Grundsatz Gut! Sein grosses Problem ist aber, dass man ihm seine eigene Meinung anmerkt und er diese in seinen Moderationen auch spürbar kundtut und das geht in einer Politsendung einfach nicht - da kann er sich noch so bemühen! Ausgewogen und sachlich ist gefragt - so wie er Gössi abgewaschen und stehen gelassen hat, ist einfach nur unverschämt und ich bin kein Gössi Fan!
  • Arneis 07.12.2019 11:20
    Highlight Highlight Ja, wir mussten ja auch warten, anno 1920.
    Es braucht wohl noch einen übleren Denkzettel in den kantonalen Wahlen.
  • rodolofo 07.12.2019 10:07
    Highlight Highlight Immer wieder lustig, wie die PolitikerInnen die Sachlage argumentativ so lange verdrehen, bis sie wieder mit ihren eigenen Machtansprüchen übereinstimmen...
    Petra Gössi: "Machtkartell? Wo sehen Sie ein Machtkartell? Die FDP unterscheidet sich doch in verschiedenen Punkten von der SVP und von der CVP!"
    Balthasar Glättli: "Ja, das ist richtig. Es gibt Unterschiede zwischen den bürgerlichen Parteien. Trotzdem bilden sie gemeinsam ein Macht-Kartell, damit sie den grünen Anspruch auf einen Bundesratssitz (notabene gemäss Zauberformel!) verhindern können."
    Darauf Pfister: "Ja, aber... usw."
  • MyPersonalSenf 07.12.2019 08:09
    Highlight Highlight Der letzte Satz bringts auf den Punkt. Genau so ist es..
    • RicoH 07.12.2019 12:55
      Highlight Highlight Der letzte Satz bringst auf den Punkt.

      "So oder ähnlich würde jedenfalls das Fazit der jüngsten SRF-«Arena» lauten."

      Genauso oder ähnlich ist es.
    • rodolofo 07.12.2019 13:09
      Highlight Highlight "So oder ähnlich würde jedenfalls das Fazit der jüngsten SRF-«Arena» lauten." ?
  • weissauchnicht 07.12.2019 03:03
    Highlight Highlight Herr Pfister, warum gibt es Gesamterneuerungswahlen, wenn man amtierende Bundesräte nicht am Ende einer Legislaturperiode ersetzen soll, sondern sowieso erst, wenn sie freiwillig zurücktreten?

    Dann seid doch ehrlich, und schlagt vor, die Bundesräte unabwählbar auf Lebzeiten zu wählen...
    • Gonzolino_2017 07.12.2019 11:51
      Highlight Highlight Es geht nicht darum, dass man Bundesräte per se nicht Bwählen darf/kann! Es geht darum, dass man „funktionierende„ Bundesräte nicht abwählen soll! Das Beurteilen von Funktionieren oder nicht, ist dabei nicht von der Meinung der Parteiinteressen abhängig und aktuell gibt es keinen Anlass zur Abwahl! Und nein, wir haben kein Koalitionssystem - genau deshalb wird nicht bei jeder politischen Verschiebung sofort das System angepasst - und ja, wir sind gut damit gefahren! Die Grünen sollen sich bewähren und in 4 Jahren das Resultat bestätigen - alles andere ist Zwängerei und Machtgehabe!
    • RicoH 07.12.2019 12:57
      Highlight Highlight Ist mir auch ein Rätsel, warum Bundesräte nicht abgewählt werden können/sollen. Bei Blocher ging das ja auch.
  • ralfre 07.12.2019 01:07
    Highlight Highlight Brotz hatte den Laden überhaupt nicht im Griff. So gut er die Rundschau moderierte, so schlecht gelingt ihm seine Rolle in der Arena.
    Aber im Ernst: Ich bin dafür, dass Brotz sich mal in der Politsatire versucht!
    • Silent_Revolution 07.12.2019 11:50
      Highlight Highlight Die Arena ist Politsatire.
    • Wendy Testaburger 07.12.2019 13:05
      Highlight Highlight Ob Brotz seinen Job gut oder schlecht macht kann ich nicht beurteilen, leider bin ich wenn ich ihn sehe zu sehr mit der Frage beschäftigt wie ein Mensch dermassen unsympathisch und von sich eingenommen sein kann.
      Ich weiss, nicht sehr fair von mir, aber bei Fernsehmoderatoren doch ein nicht zu unterschätzendes Kriterium.
    • Calvin Whatison 07.12.2019 13:54
      Highlight Highlight Dann sind wir ja schon zwei.👍🏻
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