Schweiz
SRF-Arena

In der SRF-Arena spricht SP-Politikerin Guy Parmelin auf seine Angst an

Die 24-jährige Anja Gada stellte in der «Arena» mehrfach Ansprüche an Bundespräsident Guy Parmelin.
Die 24-jährige Anja Gada stellte in der «Arena» mehrfach Ansprüche an Bundespräsident Guy Parmelin. bild: screenshot srf/arena

«Haben Sie nicht Angst?» SP-Emotionscheck für Parmelin in «Arena»

Die letzte «Arena» im Januar war so reich an Themen wie der Monat selbst. Eine SP-Politikerin aus Uster forderte Guy Parmelin mehrfach auf, Haltung gegenüber Trumps USA zu zeigen. Und wollte wissen, ob der Bundesrat den Aufstieg von Autokraten fürchtet.
31.01.2026, 06:0331.01.2026, 08:35
Yann Lengacher
Yann Lengacher

Selten dürfte ein bundesrätliches Präsidialjahr so ereignisreich begonnen haben, wie jenes von Guy Parmelin. Am ersten Januar brannte in Crans-Montana das «Le Constellation» nieder. Dutzende junge Menschen verloren ihr Leben. Nur zwei Tage später entführten die USA den venezolanischen Staatschef, Nicolas Maduro. Und überall: Trump, Trump, Trump. Da waren seine Grönland-Drohungen. Die unverhohlene Beleidigung von Bundesrätin Karin Keller-Sutter am WEF. Nun, zum Monatsende, liess der US-Präsident vor dem Iran eine riesige Armada zusammenziehen.

All das forderte den Bundespräsidenten. Ob als Redner bei der Trauerfeier in Martigny oder als Staatsmann am WEF. Über diese Themen und die Rolle der Schweiz in der Welt sollte er in der «Arena» mit diesen drei Jungpolitikerinnen und diesem Jungpolitiker reden:

  • Alessia Wehrli, 22-jährig und Präsidentin Jungfreisinnige Kanton GR
  • Anja Gada, 24-jährig und Co-Präsidentin SP Uster ZH
  • Sandra Schneider, 34-jährig und Grossrätin SVP/BE
  • Gregorio Aostalli, 26-jährig und Gemeinderat Junge Mitte Mendrisio TI

Doch zunächst musste sich Parmelin den Interviewfragen von Moderator Sandro Brotz stellen. Letzterer ging auf die diplomatische Krise zwischen der Schweiz und Italien ein, das gemeinsame Ermittlungen zu Crans-Montana forderte. Man müsse die italienische Position verstehen, gab sich Parmelin diplomatisch und sagte:

«Italien sieht dieses Drama durch italienische Gesetze. In der Schweiz haben wir Gewaltentrennung und Föderalismus.»

Als Vorwurf einer Einmischung seitens Italiens liess er seine Aussage nicht gelten. Der Bundespräsident wusste da womöglich schon, dass die Walliser Staatsanwaltschaft das Rechtsmittelgesuch aus Rom gutgeheissen hat und Italien nun bei seinen Ermittlungen zu Crans-Montana unterstützt. Die Meldung machte erst nach der «Arena»-Aufzeichnung die Runde.

Nächstes Thema. Parmelins Kompliment an Donald Trump. Am WEF sagte er zum US-Präsidenten, Davos ohne ihn sei kein richtiges Davos. «Würden Sie diese Aussage nochmals machen?», fragte Brotz. Parmelin bejahte und ergänzte sinngemäss, dass ein WEF mit Trump eine grössere Anziehungskraft entfalte als eines ohne ihn.

Parmelin verteidigt Vorgehen im Zollstreit

Im nächsten Segment kamen die amerikanischen Zölle zur Sprache. Hier bemängelte Anja Gada (SP) die aus ihrer Sicht buckelhafte Haltung der Schweiz gegenüber den USA und schaute in Richtung von Guy Parmelin. Das Muster sollte sich wiederholen.

«Jetzt schicken wir irgendwelche Wirtschaftsbosse mit Goldbarren und Rolex-Uhren ins Oval Office», sagte sie. Stattdessen müsse man gegenüber den zunehmend autokratischen USA eine Grenze ziehen, Haltung zeigen und die Demokratie verteidigen. Parmelin erwiderte: «Der Bundesrat hat versucht, eine pragmatische Lösung zu finden.»

Auch mit der Reaktion der Schweiz auf den Ukraine-Krieg war Gada unzufrieden, sprach von «aktivem Wegschauen». Kopfschütteln beim Magistraten. Einen gemeinsamen Nenner schien es zwischen den beiden nicht zu geben.

Aber irgendwann fragte die SP-Frau den Bundesrat, ob er angesichts des Aufstiegs von «Autokraten und Neofaschisten» keine Angst habe. «Ich bin sehr beunruhigt, wenn ich sehe, was in Nahost und in der Ukraine passiert», antwortete Parmelin mit leicht gerunzelter Stirn. Beide sind also besorgt, wenn auch aus anderen Gründen. Immerhin ein Nennerchen: Die Gefühlslagen sind verwandt.

Anja Gada: «Ich habe Angst»

Video: srf

Viele Themen, kein Problem

Crans-Montana, US-Zölle, der Ukraine-Krieg und sogar das EU-Vertragspaket: Themen, die alleine problemlos eine «Arena» füllen, mussten in gut 90 Minuten Sendezeit abgehandelt werden. Insofern passte die Sendung zum ereignisüberfüllten Januar.

Trotz der grossen Themenvielfalt fiel es den jungen Gästen nicht schwer, mitzureden. Alessia Wehrli (Jungfreisinnige) und Sandra Schneider (SVP) zeigten, dass sie die jeweiligen Standpunkte ihrer Parteien ebenso einwandfrei kennen wie ihre Diskussionspartnerin von der SP.

Zum Beispiel als es um das neue Vertragspaket zwischen der Schweiz und der EU ging. Wehrli wies darauf hin, dass man im Parlament genau prüfen müsse, ob die Umsetzung der Verträge zu mehr Bürokratie führt.

Alessia Wehrli: «Es ist wichtig, Klarheit zu schaffen»

Video: srf

Für Sandra Schneider von der SVP stellen die EU-Verträge derweil eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Schweiz dar.

Die Bielerin fiel als unaufgeregte Rednerin auf, die dennoch um keine klaren Aussagen verlegen war. Mit Blick auf die Zollpolitik von Trump sagte sie, dass die Schweiz sich auf sein Spiel einlassen müsse. Ausserdem solle der Bundesrat ebenfalls die Ellbogen ausfahren. Wie Trump.

Schneider: «Wünsche mir, Regierung wäre etwas mehr wie Trump»

Video: srf

Und Mitte-Gemeinderat Gregorio Aostalli? Er bemühte sich um Differenzierung und ging auch mal auf den geschichtlichen Kontext ein. Als Historiker ist er prädestiniert dafür. Die Argumente des Tessiners waren oft ausführlicher und teils weniger einprägsam als jene der Politikerinnen von links und rechts.

Dafür gelang es Aostalli, Guy Parmelin ein Nicken zu entlocken, und zwar mit folgender Aussage:

«Neutralität heisst nicht, dass uns egal ist, was ausserhalb der Schweiz passiert. Es bedeutet, dass wir niemanden bevorzugen, solange die Prinzipien der UNO-Charta respektiert werden.»
    DANKE FÜR DIE ♥
    Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
    (Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
    5 CHF
    15 CHF
    25 CHF
    Anderer
    Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
    Epstein-Files vom 30.01.2026
    1 / 8
    Epstein-Files vom 30.01.2026
    Auf Facebook teilenAuf X teilen
    Trump nennt Senator einen Loser – der schlägt zurück
    Video: watson
    Das könnte dich auch noch interessieren:
    Du hast uns was zu sagen?
    Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
    61 Kommentare
    Dein Kommentar
    YouTube Link
    0 / 600
    Hier gehts zu den Kommentarregeln.
    Die beliebtesten Kommentare
    avatar
    Barth Simpson
    31.01.2026 06:34registriert August 2020
    Ich musste umschalten, als ich Sandra Schneiders Worte 'etwas mehr Trump' gehört habe. Man muss sich nicht alles antun.
    8612
    Melden
    Zum Kommentar
    avatar
    banda69
    31.01.2026 06:47registriert Januar 2020
    Die Rechtspopulistin:
    "Ausserdem solle der Bundesrat ebenfalls die Ellbogen ausfahren. Wie Trump."

    Der Satz müsste lauten:
    "Ausserdem solle der Bundesrat ebenfalls die Ellbogen ausfahren. Ausser gegen Trump. Und Putin."

    Tell würde sich ob diesen Super-Eidgenossen im Grabe umdrehen.

    Wieso treten die Rechtspopulisten überhaupt im SRF auf? Sie wollen es doch weghaben?
    7329
    Melden
    Zum Kommentar
    avatar
    Alice36
    31.01.2026 07:09registriert Juni 2017
    Angst vor Autokraten? Das einzige wovor Parmelin Angst hat ist ein schlechter Jahrgang des Rebensaftes. Der Rest wird erst mal pragmatisch akzeptiert und beobachtet. Aussitzen nennt man das wenn man es sich dann leisten kann.
    5921
    Melden
    Zum Kommentar
    61
    Die Schweizer Einkaufsstrassen sind voll wie nie – warum Händler trotzdem jammern
    Die Schweizer Detailhändler rechnen mit einem schlechten Jahr. Doch aktuelle Daten zeigen: Nicht alle Branchen leiden. Für Lebensmittel geben die Menschen etwa mehr Geld aus, während Kleider-Läden darben. Die Gründe.
    Der Detailhandel leidet. Läden schliessen, Preise sinken, Flächen bleiben leer. Der Branchenverband Swiss Retail Federation teilte vor kurzem mit, die Umsätze seien 2025 unter jenen des Vorjahres geblieben – laut ersten Auswertungen um bis zu 1,3 Prozent. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Der tiefen Inflation, Reallohnerhöhungen und einem Preiskampf im Detailhandel stünden etwa höhere Prämien für die Krankenkassen gegenüber. Die Haushalte würden «auf die Ausgabenbremse treten». «Es bereitet uns Sorge», wird Direktorin Dagmar Jenni zitiert.
    Zur Story