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St. Galler Polizeikommandantin Barbara Reifler tritt überraschend zurück

St. Galler Polizeikommandantin tritt überraschend zurück

16.03.2026, 12:0716.03.2026, 14:18

Die St. Galler Polizeikommandantin Barbara Reifler hat ihren Rücktritt eingereicht. Sie trat ihr Amt erst im Dezember 2024 an. In den letzten Monaten gaben ein Abgang in der Polizeiführung sowie Verzögerungen bei einem wichtigen Bericht zu reden.

Barbara Reifler, designierte Kommandantin der Kantonspolizei St. Gallen, posiert fuer ein Portrait in der Notrufzentrale der Polizei, am Mittwoch, 11. September 2024, in St. Gallen. Barbara Reifler ue ...
Barbare Reifler trat ihr Amt erst im Dezember 2024 an.Bild: KEYSTONE

Barbara Reifler habe ihre Demission als Kommandantin der Kantonspolizei St. Gallen eingereicht, teilte der Kanton am Montag mit. Sie werde ihre Funktion per Ende Juni 2026 abgeben.

Bis zu ihrem Austritt führe sie die Kantonspolizei weiter und stelle gemeinsam mit der Geschäftsleitung eine geordnete Übergabe sicher. Die Regierung bedauere die Demission.

Barbara Reifler erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA: «Nach reiflicher Überlegung mache ich diesen Schritt, weil aus meiner Sicht zentrale Rahmenbedingungen fehlen für eine nachhaltige und wirksame Ausübung des Amtes.»

Regierungsrat spricht von offenen Führungsfragen

Die Ankündigung des Abgangs der Polizeikommandantin komme für ihn «sehr überraschend», erklärte Christof Hartmann (SVP), Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements des Kantons St. Gallen, gegenüber Keystone-SDA. Über die Beweggründe Reiflers sei er nicht informiert. Ein entsprechendes Gespräch habe nicht stattgefunden.

Bei der Kantonspolizei St. Gallen gibt es seit Monaten interne Spannungen. Hartmann bezeichnet es als «offene Führungsfragen». Nach dem unerwarteten Abgang von Christian Aldrey, Leiter des Kommandobereichs, sah sich die Regierung Mitte Januar mit einer Anfrage der Mitte-EVP-Fraktion des St. Galler Kantonsrats konfrontiert. Darin war von einer «stark gestörten Harmonie innerhalb des Kommandos» die Rede.

Die Regierung solle aufzeigen, wie die «aktuell wahrgenommene Unruhe sowie die Unsicherheit innerhalb des Korps» abgebaut werden kann. forderte die Fraktion. Die Antwort der Regierung steht noch aus.

Er habe deshalb mehrere Einzelgespräche mit Führungspersonen der Kantonspolizei geführt, erklärte Hartmann weiter. Schliesslich habe er eine externe und unabhängige Firma mit einer Führungsanalyse beauftragt. Erste Gespräche sollten am Dienstag starten. Am Montag erfuhr Hartmann von der Demission der Kommandantin.

«Moderne Führungskraft der jüngeren Generation»

Mit Reiflers Abgang kommt es nun erneut zu einem Wechsel in der Polizeiführung. Im April 2024 liess sich Bruno Zanga nach zwölf Jahren als St. Galler Polizeikommandant vorzeitig pensionieren. Bis die Stelle neu besetzt werden konnte, übernahm Christian Aldrey interimistisch das Polizeikommando.

Im folgenden Dezember löste ihn die damals 47-jährige Barbara Reifler als neue Polizeikommandantin ab. Sie leitete zuvor das kantonale Amt für Justizvollzug.

In der Mitarbeiterzeitschrift des Kantons St. Gallen wurde Reifler damals als «moderne Führungskraft der jüngeren Generation» bezeichnet. In einem Interview erklärte sie: «Speziell an der Kantonspolizei ist sicher, dass sie stark hierarchisch aufgebaut ist.»

Das habe historische Gründe. Die jüngere Generation würde sich jedoch stärker einbringen wollen. «Sie möchte nicht, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Ich hoffe, dass wir uns gemeinsam einem solchen Verständnis annähern können.»

Politik erwartet Sicherheitsbericht

In der Frühjahrssession gab es im Kantonsrat Kritik an Regierungsrat Hartmann, weil ein zentraler Bericht über die «Polizeiliche Sicherheit» weiterhin ausstehend ist. Mehrere Fraktionen verlangten, dass diese Vorlage für die nächste Session im Juni vorliegen muss und auch eine Totalrevision des Polizeigesetzes in Angriff genommen wird.

Die Indiskretionen und Personalführungsprobleme müssten von der Departementsleitung sofort gelöst werden, hiess es etwa. Man wolle sich nicht länger vertrösten lassen. Hartmann erklärte danach im Rat, dass «wir mit Hochdruck am Bericht arbeiten». (dab/sda)

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