Schweiz
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Toni Bortoluzzi (SVP/ZH) aeussert sich zum Risikoausgleich fuer Krankenkassen am Mittwoch, 4. Dezember 2013, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Bild: KEYSTONE

«Schwule sind fehlgeleitet»

Er ist einer, der nicht zurückkrebst. Doch wenn es um seinen verstorbenen schwulen Freund geht, wird Toni Bortoluzzi plötzlich nachsichtig

Erst äusserte er sich abschätzig über Lesben und Schwule. Jetzt doppelt er im SonntagsBlick kräftig nach: Toni Bortoluzzi. Nur einer ist anders: Sein verstorbener schwuler Freund, Sportmoderator Hans Jucker.



Für Toni Bortoluzzi, den 67-jährigen Schreinermeister aus Affoltern am Albis ZH, dient eine Beziehung nur der Fortpflanzung. Deshalb sollten Schwule und Lesben nicht die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Paare, findet er. 

«Es ist eine Neigung, die nicht dem Erhalt der Menschen dient. Homosexuelle sollen keine Familie bilden.»

Er poltere gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen,

«weil man versucht, homosexuelle Beziehungen einer Ehe gleichzusetzen, die der Fortpflanzung dient.»

Und überhaupt – man könne das alles ganz schön mit der Natur erklären:

«Allein mit Bienen geht es ja nicht. Es braucht Bienen und Blüten. Das ist die Natur.»

Deshalb folgert Bortoluzzi:

«Es ist nicht ideal für ein Kind, ohne eine Mutter und einen Vater aufzuwachsen.»

«Für eine ideale Erziehung braucht es beide Geschlechter.»

Toni Bortoluzzi geht auch nochmals darauf ein, was ihn an der Sängerin Conchita Wurst und am Kult um ihre Person so nervt:

«Wurst ist Teil der hochgejubelten gesellschaftlichen Fehlentwicklung, die ich anprangere.»

Conchita Wurst an einer Medienkonferenz in Zuerich am Freitag, 13. Juni 2014. Conchita Wurst wird am Freitagabend

Conchita Wurst am Freitag in Zürich. Bild: KEYSTONE

«Er oder sie steht für gesellschaftliche Dekadenz.»

Auf die Frage, ob er dieses Wochenende am Zurich Pride Festival teilnehmen und sogar mittanzen würde, hat er eine raffinierte Ausrede: 

«Das geht mit meinem Knie nicht, und ich nehme das nicht ernst.»

So weit, so gut. Doch, war da nicht etwas? Kennt Toni Bortoluzzi nicht selber Schwule? Eingermassen überraschend die Antwort:

«Zwei meiner besten Freunde waren schwul. Sie sind tot, auch wegen ihrer Neigung. Einer starb an AIDS. Der andere war ein schweizweit bekannter Mann …»

... und der SVP-Politiker verrät, wer gemeint ist: Sportkommentator Hans Jucker. Die beiden sassen gemeinsam im Gemeinderat von Affoltern am Albis. 

HANDOUT - ACHTUNG REDAKTIONEN - ZUM TOD DES SCHWEIZER SPORTREPORTERS HANS JUCKER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG - Der Schweizer Sportkommentator Hans Jucker, undatierte Aufnahme. (SF/Oscar Alessio) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Der Schweizer Sportkommentator Hans Jucker. Er starb am 19. Februar 2011.  Bild: SCHWEIZER FERNSEHEN SF

Bei einem Gemeinderatsausflug zur Grossen Scheidegg hätten alle Männer – wie es sich gehört – von der Jungfrau geschwärmt. Nur Hans Jucker nicht:

«Nur er sagte: ‹Ich nehme lieber den Mönch.›»

Ob das enge Verhältnis zu Hans Jucker nicht sonderbar sei, wird Bortoluzzi daraufhin gefragt. Doch er winkt ab:

«Wir standen uns nicht nahe, wir waren sehr gut befreundet.»

«Ich war offensichtlich nicht sein Typ. Aber ich wusste, welchen Männern Hans gerne nachschaute.»

Aha. Interessant. Und welche waren das? Im Grunde genommen ist das bei den Schwulen genauso wie bei den heterosexuellen Männern – alles ganz einfach:

«Bei Schwulen ist es wie bei uns heterosexuellen Männern. Ungeachtet unseres Alters schauen wir jungen Frauen nach. Homosexuelle schauen gut gebauten, jungen Männern nach.»

Da drängt sich doch die Frage auf, ob er, Toni Bortoluzzi, jemals untreu gewesen sei? Darauf antwortet er:

«Das geht Sie einen alten Dreck an.»

Eine Partnerschaft hänge nicht bei allen von Treue ab. Inwiefern seine Ehe dazugehöre, sei zudem «nicht wichtig». Seine Laster seien aber die Folgenden:

«Ich trinke manchmal zu viel, rauchte lange wie ein Bürstenbinder und ich esse zu viel, deshalb bin ich zu schwer. Zudem politisiere ich intensiv und ärgere mich über Minderheitenkult.»

Seine Laster sind denn auch der Grund, weshalb es bei Bortoluzzi, der lange im FC Nationalrat war, beim Torjubel nie zu körperlicher Nähe mit einem anderen Mann gekommen ist:

«Für Umarmungen war mein Bauch zu gross.»

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung! Beim Duschen nach dem Fussball habe zudem nicht das Duschen, sondern der Sport im Vordergrund gestanden. Eine weise Aussage!

Zu guter Letzt darf Toni Bortoluzzi noch etwas über Politik reden. Auf die Frage, ob die «alten Kämpen» wie er für die SVP nicht ein Sicherheitsrisiko seien, kontert er nochmals richtig:

Was halten Sie von Toni Bortoluzzis Aussagen zur Ehe?

«Im Gegenteil. Wir sind verantwortlich für den guten Zustand der Partei.»

Die junge, akademische Abteilung der SVP müsse erst noch beweisen, dass sie besser und erfolgreicher sei, «als wir in den letzten Jahrzehnten.»

Und wie lange möchte er noch im Parlament ausharren, jetzt wo sein grosses Vorbild Christoph Blocher nicht mehr im Rat sitzt?

«Ich mache meine Amtszeit fertig. Obwohl seit Blochers Rücktritt meine wichtigste Bezugsperson nicht mehr im Parlament ist.»

(egg)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 31.01.2015 19:48
    Highlight Highlight Mit dem adoptieren hat er wirklich recht, irgendwann gehts wirklich zu weit. Der Rest ist egal, sollen sie heiraten usw.
  • Alfred Steiner 16.06.2014 04:35
    Highlight Highlight Was um Himmels Willen macht Herr Bortoluzzi, wenn er rausfindet, dass es auch noch Transgender gibt ?
  • BioBlue 15.06.2014 20:30
    Highlight Highlight Passt mir nicht? -> "gesellschaftliche Fehlentwicklung"
    Mir passen grauhaarige Menschen auch nicht! Werdet doch einfach nicht grau, oder versteckt es wenigstens! Und bitte, gleiche Rechte für "die Grauen", was soll denn der Mist... Ein Hoch auf die Blonden?!?
  • Nils 15.06.2014 13:25
    Highlight Highlight Es ist einfach nicht in der Sache der Natur mit der Homosexualität.
    Ich finde diese Aussage gewagt aber richtig.
    • Lulu 15.06.2014 19:31
      Highlight Highlight Ja genau und weil es gegen die Natur ist, bringt diese auch immer wieder neue homosexuelle Menschen und Tiere hervor. Und überhaupt, die Natur mag es gar nicht, wenn Menschen einfach glücklich sind und niemanden etwas zu Leide tun...ich meine das ist doch voll daneben oder? doch scheint mir logisch, mol....
    • elivi 15.06.2014 22:01
      Highlight Highlight also ja die sache mit der natur ... das museum of sex in NY hat ein ganzer stockwerk mit sex in der natur (ohne fortpflanzungszweck). Da gibts beispiele von tieren die sich einfach gern befriedigen, sich gegenseitig gern befriedigen, sich vom gleichen geschlecht gern anfassen ...
      oder eher herzig? die story von den zwei pinguine in berlin (?) die haben den zwei ein falsches Ei ins nest gelegt damit sie wenigstens so tun können als würden sie was brüten.
      Also ja die Natur hat offensichtlich nichts dagegen ...
  • quark 15.06.2014 12:59
    Highlight Highlight Religiöse Menschen glaubten und glauben, dass Gott die Menschen macht. Grundfalsch: die SVP sagt wie.
    Oder sollte man von über 3 Promillen ausgehen? Ist ja in der Partei erlaubt und gefördert.
  • Nic9000 15.06.2014 11:43
    Highlight Highlight Teilweise etwas aus dem Kontext gerissen, die Zitate. Ist aber wohl irrelevant, da gegen Kritiker der geläufigen Meinung ohnehin undifferenziert Welle gemacht wird.
    Am Hass gegen T. B. zeigt sich, wie intolerant diese Menschen, die sich selber gerne als modern betiteln, in Tat und Wahrheit sind.
    • Michèle Seiler 15.06.2014 14:39
      Highlight Highlight Wie schon anderorts geschrieben: Intolerante Menschen dürfen nicht erwarten, dass man ihr schädliches Verhalten toleriert. Wie kommt man auch darauf, etwas für sich zu beanspruchen, was man anderen nicht zugesteht?

      DAS hat 'was mit (fehlendem) Anstand und Gerechtigkeitssinn zu tun.

      Und niemand, der in einem Staat lebt, in dem alle Menschen als gleichwertig gelten, muss Personen, die andere diskriminieren, tolerieren. Man darf sie vielleicht nicht gerade aufknüpfen, aber man darf ihre Rechte verhältnismäßig einschränken. So funktioniert ein Rechtsstaat.
  • Michèle Seiler 15.06.2014 10:05
    Highlight Highlight Gut, dass er dieses Interview machen durfte! So schiesst er sich vor aller Augen selbst ins Aus.

    Einer Gesellschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat, ist klar, dass solche Aussagen lächerlich und mehr als peinlich sind.
  • elivi 15.06.2014 09:44
    Highlight Highlight soso .. nur Beziehung haben, um sich fort zu pflanzen? Leute die keine Kinder haben wollen oder können dürfen also keine Beziehung führen. Unsere fehlentwickelte Gesellschaft? ach so wir sollten wohl zurück in die Zeit, als wir noch Verdingkinder hatten? Das waren noch wirklich coole Zeiten! Kinder ausbeuten, Stimmrecht nur für Männer ... ach die guten alten Zeiten ...
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  • corsin.manser 15.06.2014 09:16
    Highlight Highlight Da fehlen mir die Worte - zum Glück finden andere den passenden Kommentar: <blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Fall Bortoluzzi gelöst: Der fehlgeleitete Hirnlappen ist mit dem Arschloch eine heterogene medizinische Partnerschaft eingegangen.</p>&mdash; Viktor Giacobbo (@viktorgiacobbo) <a href="https://twitter.com/viktorgiacobbo/statuses/477111657379168256">12. Juni 2014</a></blockquote>
    <script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
    • corsin.manser 15.06.2014 11:10
      Highlight Highlight Ups, ist wohl etwas schiefgelaufen. Sollte eigentlich so aussehen:
      Benutzer Bild

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