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Albert Rösti im Gemeindehaus von Uetendorf.
Bild: KEYSTONE

Das ist Brunners Nachfolger Albert Rösti: Eine stramm linientreue «Gmüetsmoore»

Er sitzt erst seit 2011 im Nationalrat und durfte dennoch den Wahlkampf der SVP Schweiz leiten. Jetzt soll der Berner Albert Rösti Parteipräsident werden. Als Mensch ist er umgänglich, in der Sache aber knallhart.
21.08.2015, 11:2109.01.2016, 14:21

Zu seinem Namen hat er ein unverkrampftes Verhältnis. «Rösti mit Rösti» lautet das Motto der Veranstaltungsreihe, mit der der Berner SVP-Nationalrat und Ständeratskandidat Albert Rösti durch den Vorwahlkampf gezogen ist. Tatsächlich gab es am Ende jeweils Bratwurst mit Rösti, die er selber sehr gerne isst. «In jungen Jahren wurde ich für meinen Namen schon mal gehänselt, heute nutze ich ihn aus», sagt Rösti. Und erzählt schmunzelnd, dass ihn erst vor wenigen Tagen der Moderator eines Podiums in Herzogenbuchsee gefragt habe, ob der Name echt sei.

Im heimatlichen Berner Oberland gebe es noch rund 400 Familien mit diesem Namen, sagt Rösti. «Aber schon in Thun findet man ihn lustig.» In Uetendorf, einer Nachbargemeinde von Thun, lebt Albert Rösti mit seiner Frau und den zwei Kindern im Teenageralter. Ausserhalb seines Kantons ist der 48-Jährige noch wenig bekannt, dennoch hat er es in kurzer Zeit zu einem Schwergewicht in der SVP gebracht. Erst vor vier Jahren wurde er in den Nationalrat gewählt, und bereits hat ihn die Partei mit der Leitung des Wahlkampfs 2015 betraut.

Albert Rösti (l.) präsentierte im letzten November die Wahlkampfstrategie der SVP.
Albert Rösti (l.) präsentierte im letzten November die Wahlkampfstrategie der SVP.
Bild: KEYSTONE

Ausserdem hat ihn die Berner SVP als Ständeratskandidat nominiert und seinem altgedienten Fraktionskollegen Rudolf Joder vorgezogen. Damit nicht genug: Für die NZZ wäre Rösti «ein ernstzunehmender Kandidat» für den Bundesrat, wenn ihm nicht die Kantonszugehörigkeit im Weg stünde. Drei Berner in der Landesregierung wären wohl des Guten zu viel. Der Bundesrat sei für ihn «jetzt kein Thema», sagt Rösti und ist doch stolz auf die Lorbeeren: «Die letzten vier Jahre sind für mich gut gelaufen.» Seit 2014 ist er auch Gemeindepräsident von Uetendorf.

«Vor zehn Jahren wäre ich wohl nicht Wahlleiter geworden.»
Albert Rösti

Sein Stolz hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. Albert Rösti ist ein überaus umgänglicher Zeitgenosse. Der aggressive Stil vieler Parteikollegen ist ihm fremd. Auf Berndeutsch könnte man ihn als «Gmüetsmoore» bezeichnen, der dem typisch bernischen Motto «nume nid gsprängt» nachlebt. Offenheit zeigte er auch in der Familie. Seine Frau Theres sagte der Schweizer Illustrierte, für Albert sei es «selbstverständlich» gewesen, dass sie nach der Geburt der beiden Kinder wieder als Flight Attendant bei der Swiss gearbeitet habe.

Neue Generation in der Berner SVP

Das entspricht so gar nicht dem Klischee der «Frauen an den Herd»-SVP. Man lasse sich aber nicht täuschen. Im Auftreten mag sich Rösti fundamental unterscheiden vom oft barschen, polarisierenden Fraktionschef Adrian Amstutz, der ebenfalls in der Thunersee-Region lebt. In der Sache aber passt kaum ein Blatt zwischen sie. Beide verkörpern die neue Generation in der Berner SVP, die stramm die von Zürich aus vorgegebene Linie vertritt: Gegen den «schleichenden EU-Beitritt», für eine harte Asyl- und Ausländerpolitik, für tiefe Steuern, Gebühren und Abgaben.

Stramm linientreu: Rösti bejubelt das Ja zur Zuwanderungsinitiative am 9. Februar 2014.
Stramm linientreu: Rösti bejubelt das Ja zur Zuwanderungsinitiative am 9. Februar 2014.
Bild: KEYSTONE

Der 1967 in Kandersteg geborene Albert Rösti fand seine politische Heimat schon früh in der SVP: «Ich stamme aus einer Bauernfamilie und bin in einem konservativen Milieu aufgewachsen.» Beeinflusst wurde er auch durch Adolf Ogi, den bekanntesten Kandersteger der Gegenwart. «Seine Wahl in den Nationalrat und später in den Bundesrat haben mich beeindruckt.» Mit 20 Jahren zog Rösti nach Zürich, um an der ETH Agronomie zu studieren. Damals befand sich die Umweltbewegung im Aufwind. «Es gab Phasen, in denen ich meine Positionen schon hinterfragt habe.»

«Wir streben mehr Sitze an, aber es ist eine Herausforderung, nur schon den Wähleranteil zu halten.»
Albert Rösti

Am Ende aber war die Prägung stärker. Zu einem Schlüsselerlebnis wurde die Abstimmung über den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) im Dezember 1992. Schon damals bewegte sich Albert Rösti auf der von Christoph Blocher vorgegeben «Zürcher» Linie: «Die Argumente der Gegner überzeugten mich.» Mit dieser Haltung sei er am Institut für Agrarwirtschaft der ETH «ein Exot» gewesen. Auch führende Köpfe der Berner SVP wie Adolf Ogi und Nationalrat Albrecht Rychen machten sich damals für den EWR stark.

Zurück zum Erfolg

Albert Rösti schloss sein Studium mit dem Doktortitel ab, wurde Lehrer an der Bergbauernschule Hondrich und Generalsekretär in der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion. 2007 wurde er Direktor des Verbands der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Sechs Jahre später nahmen er und Präsident Peter Gfeller den Hut, nachdem sie in einem Richtungsstreit den Kürzeren gezogen hatten. Präsident und Direktor wollten die Milchmenge einschränken und den Preis stützen, konnten sich aber nicht gegen jene Bauern durchsetzen, die mehr produzieren wollten.

Rösti gibt 2013 seinen Rücktritt als Direktor des Milchproduzentenverbands bekannt.
Rösti gibt 2013 seinen Rücktritt als Direktor des Milchproduzentenverbands bekannt.
Bild: KEYSTONE

Den Rückschlag verdaute Rösti rasch. Neben Nationalratsmandat und Gemeindepräsidium (ein 40-Prozent-Pensum) führt er heute ein «kleines Büro» für Unternehmensberatung. Eines seiner Mandate ist die Leitung des SVP-Wahlkampfs. Vor vier Jahren hatte die Partei mit einer Hardliner-Kampagne ein Debakel erlitten und erstmals seit langer Zeit Wähleranteile und Sitze eingebüsst. Nun versucht man es auf die nette Tour, wofür der gmögige Berner als ideales Zugpferd erscheint. «Vor zehn Jahren wäre ich wohl nicht Wahlleiter geworden», sagt er selber.

«Die Ausschaffungs- und die Masseneinwanderungsinitiative haben gezeigt, dass wir ein grosses Potenzial hätten.»
Albert Rösti

Auf ihm lastet ein nicht geringer Druck, er muss die Partei zurück auf die Erfolgsspur führen. Entsprechend macht er auf typische SVP-Tiefstapelei: «Wir streben mehr Sitze an, aber es ist eine Herausforderung, nur schon den Wähleranteil zu halten.» Dabei denkt er an Umfragen, wonach die SVP stagniert oder sogar erneut verliert. Wie die Konkurrenz auf der linken Seite beschwört er eine Richtungswahl herauf: «Wir waren mit der vergangenen Legislatur sehr unzufrieden.» Die Schweiz habe heute ein Mitte-links-Parlament: «Es braucht eine Wende.»

Kritik von Alfred Heer

Reibungslos verlief der SVP-Wahlkampf bislang nicht. Für Aufsehen sorgte Alfred Heer, Nationalrat und Präsident der mächtigen Zürcher Sektion, als er im SonntagsBlick das Maskottchen Willy und den ihm gewidmeten Song als «eher gaga» bezeichnete und die Fixierung auf das Thema Asyl kritisierte. 

In diesem Punkt renne Heer «offene Türen ein», sagt Wahlkampfchef Rösti. Man werde auch über Arbeitsplätze und EU reden, «aber die Asylpolitik ist derzeit ein brennendes Problem». Ansonsten hätte er es vorgezogen, wenn Alfred Heer ihn angerufen hätte, statt direkt zum «SonntagsBlick» zu gehen.

Ein umgänglicher Typ: Rösti am «SVP bi de Lüt»-Anlass der SVP im Zürcher Hauptbahnhof.
Ein umgänglicher Typ: Rösti am «SVP bi de Lüt»-Anlass der SVP im Zürcher Hauptbahnhof.
Bild: KEYSTONE

Rösti will nicht ausschliessen, dass die Partei im Verlauf des Wahlkampfs eine härtere Gangart anschlagen könnte. Tendenziell aber bleibe man bei der heutigen Linie mit dem Slogan «Frei bleiben». An Herausforderungen wird es weiter nicht fehlen. Dazu gehört auch das manchmal schwierige Verhältnis zur zuletzt erstarkten FDP, die einerseits Konkurrentin, aber auch wichtigste Verbündete der SVP ist.

Wahlen 2015: Störaktionen an SVP-Wahlkampfveranstaltung im Zürcher Hauptbahnhof
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Wichtiger als Plakate und Inserate sei ohnehin die Mobilisierung der Wählerschaft: «Die Ausschaffungs- und die Masseneinwanderungsinitiative haben gezeigt, dass wir ein grosses Potenzial hätten.» Deshalb soll es weitere «SVP bi de Lüt»-Anlässe geben wie im Zürcher Hauptbahnhof. Er habe grosse Freude daran gehabt, es sei «fast ein Parteifest» gewesen. 

Am Samstag läutet die SVP mit einem Grossanlass im bündnerischen St.Luzisteig die heisse Phase des Wahlkampfs ein. Albert Rösti wird sich in den nächsten zwei Monaten noch mächtig für die «rechte Wende» ins Zeug legen. Und bei Bedarf Rösti servieren.

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