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«Expertin» Regula Stämpfli (Politologin) neben Experte Urs Paul Engeler. 

«Arena»: Toni Brunner bezeichnet jemanden als «Unfall» und Hans Grunder macht Nachfolger Landolt fertig 



Die erste «Arena» nach der Ruhestandsankündigung von Eveline Widmer-Schlumpf zeigte zweierlei: 

  1. Von den vier Gästen wäre nicht Toni Brunner der beste Bundesrat, sondern der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas.
  2. Lade niemals die Politologin Regula Stämpfli in eine Talksendung ein. Schon gar nicht als Expertin.

Candinas sagte trotz angemessen viel Redezeit nur einen einzigen Satz, an den man sich 30 Sekunden danach noch erinnerte: «Zentrum hat Zukunft». Und Stämpfli verwechselte ihre Expertenfunktion mit der einer aktiven Diskussionsteilnehmerin und einer Moderatorin in Personalunion. Experten sind im neuen «Arena»-Konzept dazu da, falsche Behauptungen der Debattierer zu unterbrechen und zu entlarven. Bei Stämpfli tönt das dann so: «Ich möchte jetzt gern eine Auslegeordnung hören, was es für die Politikgestaltung bedeuten würde, wenn wir zwei SVP-Bundesräte hätten.» 

SVP-Präsident Toni Brunner überlegte einmal kurz, Stämpfli zu unterbrechen und sagte dann resigniert zu sich selbst: «Es ist nicht möglich.» Und Co-Experte Urs Paul Engeler konnte sich das Lachen nicht immer rechtzeitig, sprich bevor er wieder im Bild war, verkneifen.

«Wieder wie in der Ära Blocher»

Einigermassen substanzielle Beiträge zu den Fragen, ob die SVP Eveline Widmer-Schlumpfs Bundesratssitz erhalten müsse und ob damit die arithmetische und inhaltliche Konkordanz im Sinne von Eintracht im Bundesrat überhaupt noch zu bewerkstelligen seien, lieferten neben Brunner auch die übrigen DiskussionsteilnehmerInnen Jacqueline Badran (SP), Hans Grunder (BDP) und der Bundeshausjournalist Urs Paul Engeler. 

Engeler rechnete vor, dass gemäss Konkordanz nach Parteienstärke die FDP einen Sitz an die vereinigten Mitteparteien abgeben müsste und die SVP also so oder anders einen zweiten Sitz kriegen müsse. Und Badran bestätigte das, stellte aber klar, dass kein SVPler in den Bundesrat könne, der in den zentralen Fragen der Bilateralen und der Menschenrechte nicht mit der Mehrheit der Bundesräte übereinstimme. 

Ex-BDP-Präsident Hans Grunder stützte Badran in dieser Argumentation im Kern: Ein SVP-Kandidat, der auf Parteilinie sei, dürfe nicht in den Bundesrat, sonst habe man «wieder die gleiche Situation wie in der Ära Blocher», als eine konstruktive Zusammenarbeit im Bundesrat unmöglich gewesen sei. 

Toni Brunner indes stellte sich auf den Standpunkt, dass die Bundesversammlung einen Kandidaten wählen müsse, der die Ideen der Partei im Kern vertritt, «und zwar insbesondere bezüglich der Masseneinwanderungsinitiative». Wegen der Migrationsproblematik habe ein Drittel der Wählerschaft sich für die SVP entschieden und ein stabiles politisches System sei gar nicht möglich, wenn dieses Drittel im Bundesrat nicht vertreten sei. 

«Ich war ja auch nicht mehr Präsident»

Die kontinuierliche Prüfung seiner Person auf Bundesratstauglichkeit durch Gesprächsleiter Jonas Projer absolvierte Brunner erfolgreich. Auf die Frage Projers, ob er immer noch nicht Bundesrat werden wolle, grinste er angemessen verlegen, bevor er verneinte. Und Brunner bewahrte bundesrätlich Fassung und Coolness auch im Prüfstand und intensivsten Teil der Sendung. Diesen hatte Projer reserviert, um zu zeigen, wie die SVP ihre eigenen Bundesräte fertig macht.  

Nur wenn die Sprache auf Eveline Widmer-Schlumpf kam, wurde Brunner sauer. Die Frage, ob er sich an einen positiven Moment mit Eveline Widmer-Schlumpf erinnern könne, beantwortete er erst nach langem Zögern. Zuvor bezeichnete er Widmer-Schlumpf als «Unfall», der nie hätte passieren dürfen.  

So ruhig und glaubwürdig Brunner seine Kernbotschaft «Wir wollen einen Bundesrat und ihr kriegt einen, den ihr wählen könnt» rüberbrachte, so überheblich verspielte Grunder jegliche Sympathien für die gebeutelte BDP, die er als ehemaliger Präsident vertrat. Nach offensichtlichem Schönreden der Situation seiner Partei und Eigenlob («Ich würde im Nachhinein gar nichts anders machen»), ging er auf seinen Nachfolger Martin Landolt los. Auf die Bemerkung Projers, die BDP habe seit 2011 nur noch verloren, entgegnete Grunder: «Ja klar, ich war ja auch nicht mehr Präsident.»

Projer versuchte, während Grunders Ausführungen den Experten Engeler zu einer Einsprache zu animieren. Dieser hatte keine Lust. Stattdessen meldete sich Stämpfli und betätigte sich das erste und letzte Mal wirklich als Expertin. Sie massregelte Grunder, indem sie die Frage, ob die SVP einen gemässigten Bundesratskandidaten aufstellen könne oder nicht folgendermassen beantwortete: «Nein, die sind alle in der BDP. Darum gibt es die ja nur.» (thi)

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