DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Blocher-Tochter will in den Nationalrat – 4 Gründe, wieso die Zürcherin im Kanton Graubünden antritt

Bild: KEYSTONE

Magdalena Martullo-Blocher, Tochter von SVP-Übervater Christoph Blocher, zieht es nun auch in die Politik. Wieso kandidiert die Zürcherin bei den Bündnern anstatt im eigenen Kanton?



Magdalena Martullo-Blocher lebt zusammen mit ihren Mann und ebenfalls SVP-Politiker Roberto Martullo im zürcherischen Feldmeilen. Ihr Ems-Büro soll ebenfalls in ihrem Anwesen an der Goldküste sein. Die Frage drängt sich auf: Wieso kandidiert sie im Kanton Graubünden, obwohl ihr Lebensmittelpunkt im Kanton Zürich ist?

1. Köppel-Problem

Köppel hat Zürich schon für sich reserviert. Bild: KEYSTONE

Eine mögliche Antwort ist Roger Köppel. Die Zürcher SVP steht im Umbruch. Gestandene Politiker und Urgesteine wie Bortoluzzi, Binder und Blocher wollen im Oktober nicht mehr bei den nationalen Wahlen antreten. Stattdessen sollen jüngere, dynamischere Herren wie Hans-Ueli Vogt, Thomas Matter und Roger Köppel kandidieren. Mit Köppel konnte die SVP bereits einen national bekannten Unternehmer gewinnen, der die Partei verjüngen soll.

Diese Strategie ist gewagt. Die Parteielite durch neue Köpfe zu ersetzen ist zwar ein Schritt in Modernisierung und Erneuerung der Partei. Es ist aber unklar, ob die traditionellen SVP-Wähler den neuen Personen vertrauen. Für die SVP dürfte das Risiko einer Stimmenaufteilung zu gross geworden sein. Die Vermutung liegt nahe, dass man den Newcomer-Status in Zürich Köppel überlässt. Martullo-Blocher soll dafür «die Neue» in Graubünden sein.

2. Papa-Problem

Würdest du Magdalena Martullo-Blocher wählen?

Former Swiss justice minister and right-wing Swiss People's Party (SVP) leader Christoph Blocher smiles during an interview with Reuters in the village of Maennedorf, near Zurich January 19, 2015. To his fans, Blocher is a heroic defender of traditional Swiss values who has grown a niche party of farmers and small businessmen into Switzerland's most popular political party. To his critics he is a divisive populist, who has brought instability to a once safe haven for companies and investors. Yet the party won more than 26 percent of the vote in the last election, in 2011, and, according to polling firm Vimentis, is set to win more than 32 percent in the next one, in October. Picture taken January 19, 2015.  REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: POLITICS)

Martullo-Blocher will nicht von ihrem Papa-Bonus profitieren. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Die Meinung von Vater Christoph Blocher hat in der Zürcher SVP immer noch ein starkes Gewicht. Als Stratege bestimmt er trotz Rücktritt aus fast allen Ämtern das politische Geschehen weiter mit. Vermutet wird etwa, dass die Kandidatur von Köppel auf Geheiss von Blocher durchgesetzt wurde, damit dieser sein politisches Erbe antreten kann. Etwas, was bei seiner Tochter Martullo-Blocher nicht passierte. 

Aus gutem Grund: Was in Frankreich mit der Politdynastie Le Pen funktioniert, würde in der Schweiz zu bösen Stimmen führen. Hätte Martullo-Blocher in Zürch kandidiert, wäre der Vorwurf der Vetterliwirtschaft schnell aufgekommen. Als starke Frau muss Martullo-Blocher Eigenständigkeit präsentieren. Das kann sie nur, wenn sie im scheinbaren Alleingang den Sprung in den Nationalrat schafft.

3. Retourkutsche an die Bündner

Switzerland's newly elected federal councillor Eveline Widmer-Schlumpf of Switzerland's People's Party SVP is sworn in, after she declared the acception of  her nomination to the cabinet, where she replaces rightwing Peoples' Party colleague Christoph Blocher, on Thursday, December 13, 2007 in Bern, Switzerland.. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die neugewaehlte Buendner Bundesraetin Eveline Widmer-Schlumpf wird am Donnerstag, 13. Dezember 2007, im Bundeshaus in Bern vor der Vereinigten Bundesversammlung vereidigt. Sie hatte kurz zuvor ihre Wahl angenommen. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Widmer-Schlumpfs Wahl war ein grosser Bruch in der Geschichte der SVP. Bild: KEYSTONE

«In diesem Sinne erkläre ich Annahme der Wahl.» Dieser Satz der heutigen BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf war eine der grössten Beleidigungen für Blocher. Die Bundesversammlung wählte 2007 die damalige Bündner SVP-Regierungsrätin Widmer-Schlumpf anstelle von Blocher in den Bundesrat. Es folgte ein Hickhack und endete im Ausschluss der Bündner SVP-Kantonssektion und der Gründung der BDP. Seither konnte die BDP in Graubünden zulegen – die neu gegründete SVP hat bis anhin einen schweren Stand. 

Das Manöver mit Martullo-Blocher ist daher eine Retourkutsche. Die SVP hat mit ihrer Kandidatur gutes Potential, wieder zulegen zu können und sich die historische Bedeutung im Bergkanton zurück gewinnen. Martullo-Blocher ist wortgewandt, hat unternehmerische Erfahrung und weiss, wie man Gegner bodigt. 

4. Die Unternehmerin

Magdalena Martullo-Blocher, Vizepraesidentin und Delegierte des Verwaltungsrates der EMS-Chemie Holding, referiert anlaeslich der Bilanzpressekonferenz am Freitag, 7. Februar 2014, in Zuerich. - Wiederum neue Hoechstwerte für die Ems-Gruppe: Das Unternehmen hat 2013 seinen Nettoumsatz um 7,4 Prozent gesteigert, wie Ems am Freitag mitteilte. Er betrug 1,885 Milliarden Franken.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Martullo-Blocher ist erfolgreiche Unternehmerin im Kanton Graubünden. Bild: KEYSTONE

Martullo-Blocher wohnt, amtet und waltet zwar im zürcherischen Feldmeilen. Ihre Ems Chemie hat ihren Sitz jedoch im bündnerischen Domat-Ems. Dort gilt sie bei der lokalen Bevölkerung als starke Unternehmerin, die von Jahr zu Jahr zulegen kann und damit ein Garant für Arbeitsplätze und wichtige Steuereinnahmen ist. Wieso deshalb nicht auch dort kandidieren? 

Martullo-Blocher hat zwar an der Pressekonferenz angekündigt, dass sie vorerst im Kanton Zürich bleiben werde. Klar ist jedoch: Eine Nationalrätin, die nicht im selben Kanton wie ihre Wähler wohnt, ist suspekt. Sie wird deshalb früher oder später ins Bündnerland ziehen müssen. Wenn sie als Wohnsitz das Schloss Rhäzüns wählt, wo ihr Vater regelmässig residiert, dürfte die Milliardärin zudem Steuern in Millionenhöhe einsparen können.

Die Seven Thinking Steps von Magdalena Martullo-Blocher

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

So du Capuns, wie viel Bündnerfleisch steckt in dir? Dieser Test verrät es dir

* Nein, Capuns ist kein Schimpfwort.* Mit dem Bündnerfleisch ist gemeint, wie sehr du Bündner bist. Den Begriff haben wir von Snowboard-Olympiasieger Gian Simmen, der 1998 strahlte: «Gold für 64 Kilo Bündnerfleisch!»

Bündner sind mit die beliebtesten Schweizer – wird jedenfalls regelmässig in Umfragen im ganzen Land festgestellt. Kein Wunder also, dass viele Unterländer gerne ein bisschen wie die Bergler wären und einen der 57 Dialekte oder eine der 225 Rumantsch-Varianten beherrschen …

Artikel lesen
Link zum Artikel