Schweiz
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Rösti hat genug – die SVP braucht einen neuen Präsidenten



SVP-Parteichef Albert Rösti will nach vier Jahren im Amt im Frühling zurücktreten. Dies sagte der 52-jährige Nationalrat aus dem Berner Oberland dem «SonntagsBlick». Er zieht damit Konsequenzen nach den Wahlverlusten der grössten Schweizer Partei im Herbst.

Albert Roesti, Parteipraesident SVP, erscheint zu einer Medienkonferenz ueber die Lancierung der Volksinitiative fuer eine massvolle Zuwanderung (Begrenzungs-Initiative), am Dienstag, 16. Januar 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Rösti will sich auf sein Nationalratsmandat sowie sein Teilpensum als Gemeindepräsident konzentrieren. Bild: KEYSTONE

Ihm sei klar geworden, dass die SVP grosse Arbeit in den Kantonen leisten müsse, sagte Rösti im Interview. Ein zukünftiger Parteipräsident müsse da noch mehr Zeit investieren können.

Die SVP ging bei den Nationalratswahlen im Oktober als grösste Verliererin hervor. Sie bliebt zwar zum sechsten Mal in Folge mit 53 Mandaten die mit Abstand stärkste Kraft, büsste aber zwölf Sitze ein.

Der zweifache Vater Rösti will sich auf sein Nationalratsmandat sowie sein Teilpensum als Gemeindepräsident der 6000-Seelen-Gemeinde Uetendorf bei Thun konzentrieren. Er war im März 2018 für zwei weitere Jahre im Amt als SVP-Chef bestätigt worden.

«Nett sein ist nichts Schlechtes.»

Der Entscheid für einen Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt sei zwingend, sagte Rösti weiter. «Das Präsidium wird alle zwei Jahre gewählt, aber eine Partei funktioniert in einem Vierjahresrhythmus. Jetzt gilt es, einen Präsidenten für die Wahlen 2023 aufzubauen.»

Kein Restrukturierer

Rösti räumte ein, das er kein Restrukturierer sei, sondern ein Gestalter. «Mit harter Hand in den Kantonen durchzugreifen, liegt mir weniger.»

Der SVP Praesident Albert Roesti waehrend seinem Medien Spatziergang unter dem Motto Hintergrundgespraeche am Donnerstag, 25. Juli 2019 auf dem Ruetli. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Rösti geht nach vier Jahren. Bild: KEYSTONE

Überdies sei das SVP Parteipräsidium im Gegensatz zu anderen Parteien nicht entschädigt, sagte der Berner. Für ihn habe sich mit 52 Jahren auch die Frage nach seiner langfristigen beruflichen Zukunft gestellt. Der promovierte Agronom mit eigenem Büro berät Wirtschaftsvertreter und Politiker vornehmlich in den Bereichen Energie, Raumplanung, Umwelt und Agrarwirtschaft.

Nachfolge im März bestimmt

Die SVP nimmt mit Bedauern vom angekündigten Rücktritt ihres Parteipräsidenten Albert Rösti Kenntnis. An einer Delegiertenversammlung Ende März 2020 soll über seine Nachfolge entschieden werden.
Der Vorstand sei darüber orientiert worden, dass Rösti auf Ende der ordentlichen Amtszeit per 28. März 2020 zurücktreten werde, heisst es in einer Mitteilung der Partei vom Sonntag. Die Parteileitung habe Verständnis für den Entscheid von Rösti, der die Partei seit seiner Wahl in den Nationalrat an vorderster Front geführt habe.
Was die Nachfolgeregelung betreffe, werde der Parteileitungsausschuss im neuen Jahr über das weitere Vorgehen entscheiden. An der ordentlichen Delegiertenversammlung der SVP am 28. März 2020 in Basel werde über die Nachfolge entscheiden. (sda)

Rösti war 2016 erstmals zum Parteipräsidenten der SVP gewählt worden. Der seit 2011 amtierende Nationalrat war der einzige Kandidat für das Präsidentenamt. Seinen Fokus legte er auf den Kampf gegen einen EU-Beitritt, die Asylpolitik, eine liberale Wirtschaftspolitik und sowie das Thema Sicherheit. Er gilt als gemässigt im Ton, aber hart in der Sache.

Auf die Frage, ob sein konziliantes Auftreten nicht zum Stil der Rechtspartei gepasst habe, meinte Rösti: «Das Gegenteil war der Fall. Eine Partei, die so schnell gewachsen ist, brauchte eine ausgleichende Figur in den letzten Jahren. Nett sein ist nichts Schlechtes.»

Keiner holte mehr Stimmen

Insgesamt mischt Rösti seit acht Jahren an der Front der SVP mit. Zunächst als Mitglied der Kampagnenleitung der erfolgreichen Masseneinwanderungs-Initiative, 2015 als Wahlkampfleiter und danach vier Jahre als Parteipräsident.

Albert Roesti, Parteipraesident SVP, posiert zusammen mit dem SVP-Suenneli, beim Wahlkampfauftakt der SVP, am Freitag, 1. Maerz 2019 in Aarwangen. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Da schien für Rösti die Sonne. Bild: KEYSTONE

Aus den Nationalratswahlen vom Oktober ging Rösti als landesweiter Stimmenkönig hervor. Er konnte insgesamt 128'252 Stimmen auf sich vereinen – mehr als die bestgewählten Nationalräte im bevölkerungsreichsten Kanton Zürich.

Mit Röstis Rücktritt kommt es im Frühling gleich bei einer weiteren Schweizer Grosspartei zum Führungswechsel. Auch SP-Parteichef Christian Levrat (49) hat nach zwölf Jahren im Amt seinen Rücktritt für den Frühling angekündigt. (sda)

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