Schweiz
Crans-Montana

Chaos bei den Ermittlungen zu «Le Constellation» in Crans-Montana

epa12693042 Flowers and candles are left in tribute to the victims in front of the entrance of the Le Constellation bar in Crans-Montana, Switzerland, 30 January 2026. Dozens of people, mostly teenage ...
Rund 130 Klägerinnen und Kläger haben sich nach der Brandtragödie von Crans-Montana zusammengeschlossen (Archivbild).bild: Keystone

Chaos bei den Ermittlungen zu «Le Constellation»

Zu kleine Räume, Videokonferenzen im Keller, endlose Debatten: Die Anzahl der Parteien, die an dem Drama von Crans-Montana beteiligt sind, führt zu Komplikationen für die Walliser Justiz.
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04.02.2026, 22:4905.02.2026, 07:06

Aufgrund des aussergewöhnlichen Charakters der strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Brand der Bar «Le Constellation» muss die Walliser Staatsanwaltschaft ungewöhnliche Massnahmen ergreifen, berichtet am Montag die Zeitung Le Temps.

Die Genfer Zeitung erinnert daran, dass sich in diesem Fall bereits rund 130 Personen zusammengeschlossen haben, die von etwa 50 Anwältinnen und Anwälten vertreten werden. Es ist eine beträchtliche Anzahl von Beteiligten, die weiter zunimmt und gewisse Einschränkungen mit sich bringt.

Zu viele Fragen

«Le Temps» berichtet über die Vernehmungen von Jacques und Jessica Moretti am 20. und 21. Januar. Die Staatsanwälte hatten zu diesem Anlass zwei Säle vorbereitet.

  • Der erste Raum im Erdgeschoss für die drei Ermittlerinnen, die beiden Geschäftsführer des «Le Constellation», ihre Verteidigerinnen sowie eine Handvoll Anwälte der klagenden Parteien.
  • Der zweite Raum im Untergeschoss ist für die übrigen Vertreterinnen und Vertreter vorgesehen, die per Videokonferenz an der Verhandlung teilnehmen.

Die Zeitung berichtet, dass die Anhörung von Jacques Moretti am 20. Januar aufgrund zu vieler Fragen nicht abgeschlossen werden konnte und einige Anwälte nicht an die Reihe kamen. Eine Rotationslösung für die Befragung von Jessica Moretti am nächsten Tag konnte die Unzufriedenheit ebenfalls nicht besänftigen.

Eine problematische Verlagerung

«Le Temps» zufolge hat die Walliser Staatsanwaltschaft beschlossen, ihre Räumlichkeiten im Hinblick auf die Anhörungen der beiden Sicherheitsbeauftragten von Crans-Montana am 6. und 9. Februar sowie der Morettis am 11. und 12. Februar zu verlassen.

Damit diesmal alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im selben Raum anwesend sein können, finden die Anhörungen in der Aula des Campus Energypolis der HES-SO Valais-Wallis in Sion statt.

L'aula du Campus Energypolis de la HES-SO Valais-Wallis.
Die Aula des Campus Energypolis in Sion.bild: HES-SO

«Le Temps» betont jedoch, dass einige der Beteiligten Drohungen ausgesetzt seien und diese Auslagerung zu Sicherheitsproblemen führen könnte.

Meinungsverschiedenheiten zwischen Anwälten

Die Staatsanwaltschaft arbeitet ebenfalls an Lösungen, um die Verzögerungen aufgrund der Vielzahl der Prozessparteien zu beheben. Laut «Le Temps» wurden die Anwälte insbesondere aufgefordert, ihre Fragen im Voraus einzureichen, was eine Welle von Protesten ausgelöst hatte.

The owner of the bar in Crans-Montana, where the deadly fire happened on New Year's Day, Jessica Moretti from France, center, leaves with the lawyer Nicola Meier, after to be auditioned by the Va ...
Jessica Moretti und Nicola Meier.bild: Keystone

Was die von der Walliser Polizei durchgeführten Vernehmungen betrifft, wurde beschlossen, die Protokollinhalte nicht fortlaufend zu wiederholen, um eine Vervielfachung von Berichtigungsanträgen zu vermeiden.

Dies gefiel Nicola Meier, einem der Anwälte von Jessica Moretti, überhaupt nicht. Er erklärt:

«Man kann sich nicht unter dem Vorwand, dass es sehr viele Parteien gibt, über die Verfahrensrechte hinwegsetzen.»
Nicola Meier, Anwalt

«Le Temps» hebt schliesslich die unterschiedlichen Profile und Sensibilitäten der zahlreichen beteiligten Anwälte hervor. Diese Meinungsverschiedenheiten führen manchmal zu Tumulten, die das Verfahren noch weiter erschweren.

Der von der Zeitung kontaktierte Lausanner Anwalt Loïc Parein ruft daher zur «Zusammenarbeit» zwischen den verschiedenen Vertretern auf.

«Die Handlungen der einen haben zwangsläufig Konsequenzen für die anderen. Und wir wissen, dass der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist.»
Loïc Parein

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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana

Am 9. Januar 2026 fand der nationale Gedenkanlass und Trauertag für die Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana.

quelle: keystone / jean-christophe bott
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Jugendliche Augenzeugin der Tragödie in Crans-Montana hält am Trauertag emotionale Rede
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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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critico1
04.02.2026 23:43registriert Mai 2025
die Forderung nach einer ausserkantonalen unabhängigen Ermittlungsinstanz sind durchaus begründet.
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EinBisschenSenfDazu
05.02.2026 01:00registriert September 2022
Das Ereignis war eine Tragödie. Was aktuell während der gesamten Aufarbeitung geschieht, geht in die gleiche Richtung. Es ist einfach nur peinlich, was da läuft...
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KLERUS
05.02.2026 04:22registriert Oktober 2021
Man spricht von der Korruption und Vetternwirtschaft, die mutmaßlich im Kanton Wallis tief verwurzelt sind, auch als das „System Wallis“. Es gibt zwei Kantone, denen ich in keiner Weise zutraue, solche Verflechtungen aufzuklären, insbesondere im Hinblick auf die Opfer und gegen die wirtschaftlichen Träger sowie Politiker umfassend zu ermitteln. Ein negatives Image haftet einem an wie Scheisse und daran ist der Kanton Wallis, bzw. die politischen Tröger selbst Schuld daran.
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