Schweiz
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Tierschutz-Doppelmoral in Bundesbern: Stopfleber nein, Billig-Poulet ja



Fois gras producer Robin Arribit force-feeds a duck with corn in La Bastide Clairence, southwestern France, Thursday, Dec.8, 2016. Despite a new outbreak of bird flu in France, foie gras producers are confident sales will remain stable during the festive season. Earlier this week, the French agriculture ministry has raised the risk level of the highly pathogenic H5N8 virus spreading after several cases were spotted across France. (AP Photo/Bob Edme)

Foie-Gras-Herstellung in La Bastide, Frankreich. Bild: Bob Edme/AP/KEYSTONE

Es scheint fast zum guten Ton zu gehören im Parlament: Vorstösse zum Thema Tierschutz zu lancieren. Verschiedene Motionen, Initiativen, Postulate und Anfragen von Politikern aller Couleur wurden in den letzten Jahren dazu eingereicht. Ein kurzer Auszug:

Einigen dieser Vorstösse war Erfolg beschieden, viele schifften ab, einzelne wurden aus Zeitgründen abgeschrieben. Klar ist: Tierschutz ist mittlerweile nicht mehr nur ein Thema für Birkenstock-tragende Kompost-Afficionados.

Herzige Robbenbabys

Das zeigte auch die Annahme der Motion von Matthias Aebischer (SP) im Nationalrat am Dienstag. Aebischer fordert darin einen Importstopp für tierquälerisch erzeugte Produkte wie Froschschenkel oder Stopfleber. Der Vorstoss wurde mit 97 zu 77 Stimmen bei 17 Enthaltungen angenommen.

Für Christine Künzli von der Organisation Tier im Recht, die an der Lancierung der Motion beteiligt war, ein «wichtiger Schritt»: «Die Tierschutzbestimmungen in der Schweiz sind auf einem viel höheren Niveau als im europäischen Ausland oder in den USA», es sei stossend, wenn in der Schweiz die Herstellung gewisser Produkte verboten werde, diese aber auf günstigem Weg aus dem Ausland importiert werden können.

Katharina Büttiker von der Stiftung Animal Trust und Initiatorin von Alliance Animale Suisse, die ebenfalls an der Ausarbeitung der Motion mitgewirkt hat, ist überzeugt, mit dem Erfolg im Nationalrat eine wichtige Hürde genommen zu haben, jetzt müsse man den Ständerat gut informieren und weiterhin alle Skeptiker mit Nachdruck aufklären

Gleichzeitig konstatiert Büttiker, dass es Unterschiede bei der Akzeptanz für Tierschutzthemen gibt. Aber auch bei den Robbenbabies habe der Kampf vierzig Jahre gedauert. «Sobald wirtschaftliche Interessen tangiert werden, sind die meisten Politiker von Links bis Rechts nicht konsequent», so Büttiker.

Stellvertretend dafür stehe etwa die Fair-Food-Initiative. Die Volksinitiative der Grünen fordert, dass ausländische Produkte nicht nur beim Tierschutz, sondern auch bei Umwelt- und Arbeitsbedingungen dem Schweizer Standard entsprechen. In der Wirtschaftskommission des Nationalrats wurde die Initiative diskussionslos mit 16 zu 2 Stimmen bei 7 Enthaltungen abgelehnt. Grund: Sie stehe im Widerspruch zu internationalem Handelsrecht und wäre wegen der aufwendigen Kontrollen kaum praktikabel.

Yvette Estermann weist den Vorwurf der Heuchelei von sich. «Mit Doppelmoral hat das nichts zu tun», sagt die SVP-Nationalrätin. Estermann hatte noch 2011 einen Vorstoss ihres Parteikollegen Oskar Freysinger mitunterzeichnet, der einen Importstopp für Robbenprodukte forderte. Das von Aebischer verlangte Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte geht der Luzernerin aber bereits zu weit. «Beim Importverbot von Robbenprodukten war die Sache klar: es ging um eindeutig definierte Produkte.» Die Motion Aebischer aber bedeute einen unverhältnismässigen Aufwand. Schlussendlich liege es in der Eigenverantwortung des Konsumenten: «Wer Billigprodukte kauft, der muss damit rechnen, dass bei der Herstellung Tierquälerei angewendet wurde.»

Volksinitiative gegen Massentierhaltung

Meret Schneider (Grüne) lässt das Argument der wirtschaftlichen Schwächung der Schweiz nicht gelten und zieht den Vergleich zur Debatte bei der Energiestrategie 2020. ««Dort wurde ins Feld geführt, dass die Schweiz bei einer Annahme gezwungen sei, dreckigen Kohlestrom aus zum Ausland zu importieren. Die gleiche Gruppen scheint es aber überhaupt nicht zu stören, wenn wir Poulet und Eier aus ausländischen Katastrophen-Betrieben einführen.»

Auch Schneider, die nächstes Jahr eine Volksinitiative zur Abschaffung der Massentierhaltung lancieren will, stört sich an der Scheinheiligkeit beim Thema Tierschutz, nicht nur in der Politik. «Wer beim Anblick von gehäuteten Füchsen Tränen in die Augen steigen, aber bedenkenlos einen McDonalds-Hamburger isst, dem sage ich jeweils: ‹Es kommt nicht drauf an, ob du einen Fuchs um den Hals trägst oder ein Rind in der Hand hast.›

Auch Walter Wobmann hat in der Vergangenheit schon tierschützerische Anliegen unterstützt. Der SVP-Nationalrat gehörte etwa zu den Mitunterzeichner der Motion «Kein Import für Haifischflossen». Dennoch hatte er gegen die Motion von Aebischer votiert. «In der Sache gehe ich mit Aebischer einig, aber die Umsetzung der Motion ist ein Ding der Unmöglichkeit.» Die Schweiz sei eingebunden in ein internationales Vertragswerk, da könne man nicht einfach einzelne Punkte herausgreifen. Wobmann weist den Vorwurf der Bigotterie wie Estermann zurück, er dreht den Spiess sogar um: «Von den Tierschützern habe ich kein Engagement gegen die entsprechenden Verträge mitbekommen. »

Damit Stopfleber und Froschschenkel aus dem Ausland verboten werden können, muss nach dem Nationalrat allerdings auch noch der Ständerat zustimmen. Eine Knacknuss, wie Büttiker zugibt. Die Tierschützerin, die seit 40 Jahren für die Rechte von Tieren kämpft, gibt sich aber optimistisch: «Die Leute werden früher oder später begreifen, dass es so nicht weitergehen kann.»

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kramer 10.06.2017 23:30
    Highlight Highlight Da sieht man mal wieder, wie wenig Ahnung einige Politiker haben.
    Bei Mc Donald's gibt es fast nur Schweizer Fleisch (solange es genug hat).
  • Tschedai 09.06.2017 21:15
    Highlight Highlight Ich mag Foie Gras und Froschschenkel.
    • Tschedai 09.06.2017 23:05
      Highlight Highlight ... und ich weiss dass die Tiere nicht gut gehalten werden. Aber irgendwie ignoriere ich es. Schlussendlich sind wir alle gleich. Poulet essen ist nicht viel besser und jeder tut es. Wir sollten aufhören gegenseitig mit dem Finger aufeinander zu zeigen und das Thema mehr thematisieren, wie mit solchen Artikeln. Eigentlich müsste im Migros oder Coop eine Livecam in einen Stall zeigen, wo die Tiere aufgewachsen sind, die zur Auswahl stehen. Würden wir dies mehr verbinden visuell (wissen tun wirs alle...) würden wir auch unser Verhalten ändern, Stück für Stück.
    • Steddybär 10.06.2017 12:54
      Highlight Highlight Nein, nicht jeder tut es! Und das ist meiner Meinung nach sowieso das schlechteste Argument ever "Ja die andern tuns auch nicht, also was kümmerts mich"
    • Tschedai 10.06.2017 14:33
      Highlight Highlight @Steddybaer Dann verstehst du nicht gerade viel von Psychologie. "Social Proof" ist eine sehr mächtige Wirkung, die alle Menschen auf die eine oder andere Art beeinflusst. Wenn alle etwas tun, dann wird das automatisch ein Stück weit legitimiert im Unterbewusstsein. Und dass "alle" etwas tun, empfindet die Allgemeinheit auch dann, wenn es "nur" 90% der Menschen tun und 10% der (die "Aussenseiter") nicht. Daher ist richtige weg etwas zu ändern, die Achtsamkeit zum Thema zu erhöhen. Nicht mit dem Zeigefinger und Pseudowut, sondern indem man die Fakten in möglichst allen Sinnen bewusst macht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • olga 09.06.2017 17:26
    Highlight Highlight oliver baroni, hast du schon ein tränli verdrückt?
  • jjjj 09.06.2017 16:23
    Highlight Highlight Stopfleber ist ein Luxus den ich mir ab und zu gönne... :(
  • atomschlaf 09.06.2017 11:38
    Highlight Highlight Widerlich sind nicht Stopflebern.
    Widerlich ist, wie der Nationalrat Wirtschaft und Bevölkerung bevormunden will!
    • Elena123 09.06.2017 13:07
      Highlight Highlight Was bist du nur für ein egoistischer, herzloser Mensch? Aber wundert mich nicht in der heutigen Zeit. Nur an sich denken und sich keinerlei Gedanken machen, was für Konsewuenten/Leid es für andere hat! Hoffentlich kommt ales zurück im Leben.

      Und ja auch jene die sich über solche Sachen aufregen, aber dann im nächsten Winter stolz ihre Canada Goose mit Pelzkragen tragen- traurig...
    • raphe qwe 09.06.2017 13:13
      Highlight Highlight Ich gebe dir grudsätzlich Recht. Trotzdem soll ein Staat auch Zeichen gegen Tierquälerei setzten dürfen. Gäbe es eine Volksabstimmung über Stopfleber bin ich überzeugt, dass sie verboten werden würde.
    • atomschlaf 09.06.2017 19:02
      Highlight Highlight @ralph: Ja, geil, lasst uns alles verbieten, was nicht dem Mehrheitsgeschmack entspricht!

      @Elena: Nun, wenn die Handvoll Stopflebern zurückkommen sollten, die ich bisher in meinem Leben verspeist habe, habe ich keine grosse Angst.

      Viel mehr Angst machen mir Verbotsfetischisten wie Du, Herr Aebischer und die anderen 96 Nationalrätinnen und Nationalräte, die derartigen Bevormundungen der Bevölkerung zustimmen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Olf 09.06.2017 10:55
    Highlight Highlight Stopfleber ist sehr schmackhaft. Ich könnte jeden Tag Stopfleber essen.
    • grünergutmensch 09.06.2017 11:24
      Highlight Highlight schauen und nachdenken, danke
      Play Icon
    • öpfeli 09.06.2017 12:09
      Highlight Highlight Ich hoffe das Karma schlägt mal so richtig bei dir ein.
    • mänu49 09.06.2017 15:24
      Highlight Highlight hoffenlich musst Du kotzen!
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 09.06.2017 10:55
    Highlight Highlight Die befragten SVPler haben ganz offensichtlich Heuchelein betrieben. Wenn es um internationale Wirtschaftsverträge (Freihandel!) geht, muss man diese unbedingt einhalten, aber geht es um internationale Menschenrechtsfragen greifen diese ins Schweizer Recht ein und müssen umgangen werden -.-
  • MaskedGaijin 09.06.2017 10:28
    Highlight Highlight Hier noch ein guter Artikel über die Robbenjagd und die kanadischen Inuit.

    https://www.nzz.ch/gesellschaft/robbenjagd-die-falschen-gutmenschen-ld.1292512
    • El Vals del Obrero 09.06.2017 11:39
      Highlight Highlight Beim Wort "Gutmensch" höre ich normalerweise mit Lesen auf. Warum gut schlecht sein soll, werde ich nie kapieren.

      In diesem Artikel wird so ziemlich alles durcheinandergemischt.

      Natürlich sollten kanadische Inuit-Stämme, die selbstverständlich keine wilden Monster sind, ihren Traditionien folgen dürfen. Die traditionelle Jagd in kleinem Ausmass
      zur Selbstversorgung ist nicht das Problem.

      Für Wale z.B. gibt es auch solche Ausnahmen.

      Wenn es aber darum geht, Felle in die ganze Welt inkl. Schweiz zu exportieren, dann hat das sicher nichts mehr mit der traditionellen Eigenversorgung zu tun.
    • Amboss 09.06.2017 14:26
      Highlight Highlight @Senf:
      "Wenn es aber darum geht, Felle in die ganze Welt [...] dann hat das sicher nichts mehr mit der traditionellen Eigenversorgung zu tun. "

      Genau das ist doch diese Arroganz der privilegierte weissen Naturschützer, die im Artikel beschrieben wird. Etwa so: Die Eskimos sollen in ihren lustigen Iglus hocken und rohe Robbenleber essen dürfen. Lars der Eisbär-Romantik.

      Hallooo? Auch Inuit leben im Jahr 2017. Haben Zugang zur modernen Welt, in der man Geld benötigt, Handel betreiben, Dinge exportieren muss.
      Und Robbenprodukte sind nun Mal etwas vom wenigen, was es dort gibt.
    • El Vals del Obrero 09.06.2017 18:53
      Highlight Highlight Es geht rein um die Menge. Bei Export in ganze Welt geht es nun mal halt um ganz andere Zahlen als bei Eigengebrauch.

      Es gibt wohl kein Menschenrecht, dass man überall auf der Welt ein Exportgut haben kann. Ich kann ja auch nicht in der Schweiz auf einer Alp leben und mit der Begründung "Es gibt hier halt sonst nichts" alle Edelweisse ausrupfen und weltweit verkaufen.

      Dann muss man sich halt entscheiden.Entweder ein traditionelles Leben auf dem Land der Ahnen oder ein modernes Leben, wenn wirtschaftlich nötig auch an einem anderen Ort.Das ist auch hier so.Alles andere wäre Fünfer und Weggli.
    Weitere Antworten anzeigen
  • grünergutmensch 09.06.2017 09:53
    Highlight Highlight bravo ich hoffe so dies kommt im ständerat durch. schon lange überfällig! und logo dass dies den ewiggestrigen svplern wiedermal zu weit geht, die arme wirtschaft mimimi
  • Madison Pierce 09.06.2017 09:49
    Highlight Highlight Soso, jetzt sind der SVP plötzlich internationale Verträge wichtig.

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