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Kolonie invasiver Ameisen Tapinoma magnum breitet sich im Thurgau aus

Eine Superkolonie invasiver Ameisen breitet sich im Thurgau aus

18.03.2026, 16:4518.03.2026, 16:45

Eine invasive Ameisenart namens Tapinoma magnum hat sich in Kreuzlingen TG auf einem Gebiet in der Grösse von etwa fünf Fussballfeldern ausgebreitet. Nun sollen sämtliche Nester eliminiert werden.

Tapinoma magnum queen and male mate while many workers move larvae and pupa
Bild: IMAGO / Depositphotos

Japankäfer, Tigermücke, Asiatische Hornisse, Buchbaumzünsler, Kirschessigfliege – alles invasive Insekten, die in den letzten Jahren in der Schweiz bekämpft werden mussten. Und nun auch noch Ameisen?

In Kreuzlingen startet in diesen Tagen eine grossangelegte Aktion gegen die Grosse Drüsenameise (Tapinoma magnum). Geschätzte Kosten: 200'000 Franken im laufenden Jahr. Entdeckt wurde eine Superkolonie dieser Ameisenart. Sie habe sich auf einer Fläche von 36'500 Quadratmetern ausgebreitet, teilte die Stadt Kreuzlingen mit. Dies entspreche einer Fläche von fünf Fussballfeldern.

Betroffen sind das Gelände einer ehemaligen Gärtnerei, ein Sportplatz sowie angrenzende Ein- und Mehrfamilienhäuser. Aktuell haben sich die Ameisen wegen der kühleren Temperaturen tiefer in den Boden zurückgezogen. Deshalb laufen jetzt die Vorbereitungen für die Vernichtungsaktion an. Ziel ist es, alle Nester samt den Königinnen zu eliminieren.

Schwierig zu bekämpfen

Damit beauftragt wurde eine professionelle Schädlingsbekämpfungsfirma. Diese Ameisen seien intelligent, der Einsatz etwa von Gelködern wie bei einheimischen Arten reiche alleine nicht aus, erklärte Tamara Gloor von der Thurgauer Fachstelle Neobiota auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Solche Köder würden von diesen Ameisen schnell erkannt. Es brauche mehrere unterschiedliche Bekämpfungsmittel in Kombination mit heissem Wasser.

Man habe sich für die Massnahmen im nahen Ausland und in anderen Kantonen kundig gemacht. Vor allem in Deutschland sei bereits viel Erfahrung mit der Bekämpfung gesammelt worden. Fälle gab es zuletzt etwa im Kanton Zürich. Im November 2023 hat ein Hobby-Ameisenforscher in Winterthur die invasiven Ameisen entdeckt, wie damals die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Ein vom Kanton beauftragter Ameisenspezialist habe den Befall bestätigt.

Aggressiver als einheimische Ameisenarten
Die invasive Ameise Tapinoma magnum stammt ursprünglich aus dem südlichen Mittelmeerraum. Sie wird beispielsweise in Topf- und Gartenpflanzen oder mit Erdmaterial, Bau- und Gartenabfällen eingeschleppt. Mit zwei bis fünf Millimetern Körperlänge ist sie kleiner als viele einheimische Ameisen. Eine eindeutige Bestimmung könne meist nur durch Fachpersonal vorgenommen werden, heisst es in der Mitteilung der Stadt Kreuzlingen.

Es gibt allerdings einige Merkmale, die einen Verdacht bestätigen oder entkräften könnten. Dazu gehöre die unterschiedliche Grösse der Arbeiterinnen, wie Tamara Gloor von der Thurgauer Fachstelle Neobiota gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone SDA erklärt. Diese Besonderheit zeigt sich etwa auf einer Ameisenstrasse der Tapinoma magnum. «Einige der Arbeiterinnen sind doppelt so gross wie andere.»

Ein anderes Indiz ist der Geruch, der entsteht, wenn man ein einzelnes Exemplar zerdrückt. Bei einheimischen Arten werde Ameisensäure frei, die in der Nase beisse. Tapinoma magnum sind Drüsenameisen. Zu riechen sei ein sehr eigener Geruch, etwa wie Buttersäure, so die Expertin.

Eine weitere Möglichkeit ist die Beobachtung des Verhaltens. Wenn man beim Nesteingang klopfe und die Hand hinlege, reagierten heimische Ameisen verwirrt und begännen allenfalls bereits mit der Schadensbegrenzung. Die Tapinoma magnum hingegen tauchten sofort in grosser Anzahl auf und begännen zu beissen.
Wenn die Bestimmung weiterhin unsicher sei, solle man die Ameisen von einem Schädlingsbekämpfungsunternehmen bestimmen lassen und dafür ein gut verschlossenes Glas mit möglichst unversehrten Exemplaren einschicken, rät Gloor. Wenn es sich um die Tapinoma magnum handelt, braucht es eine Meldung an den jeweiligen Kanton. (sda)
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Eine Königin der Tapinoma magnum.Bild: IMAGO / Depositphotos

Eindringen in Gebäude

In Kreuzlingen war im letzten Sommer aus der Bevölkerung von einem hohen Aufkommen von Ameisen berichtet worden, die als «kaum bekämpfbar» beschrieben wurden. Die darauffolgenden Analysen bestätigten den Verdacht

Was macht die Ameisenart so problematisch? Im Gegensatz zu einheimischen Arten bilde die Tapinoma magnum sogenannte Superkolonien, bestehend aus mehreren kooperierenden Nestern mit vielen Millionen Individuen, informierte die Stadt Kreuzlingen.

Ihr massenhaftes Auftreten führe «zu erheblichen Belästigungen». Wegen ihrer geringen Grösse könnten sie problemlos in Gebäude eindringen. In stark befallenen Gebieten sei ein Aufenthalt im Freien teilweise kaum noch möglich, weil sich diese Ameisen so aggressiv verhielten.

Es entstünden auch Schäden wegen der Unterhöhlung des Bodens durch die Superkolonie. Weiter könne es Schäden an Fassaden, Isolationen und elektrischen Anlagen geben. (hkl/sda)

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