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Probe aus dem Rhein bei Duisburg mit über 65% opaken Mikroplastikkügelchen in 15-facher Vergrösserung; der Durchmesser der Kügelchen beträgt 0,4–0,9 Millimeter. (Foto: Universität Basel, Thomas Mani)

Probe aus dem Rhein bei Duisburg mit über 65% opaken Mikroplastikkügelchen in 15-facher Vergrösserung; der Durchmesser der Kügelchen beträgt 0,4–0,9 Millimeter. (Foto: Universität Basel, Thomas Mani)

Weltweite Spitzenbelastung: Im Rhein wimmelt es von Mikro-Plastikabfällen



Im Rhein hat es deutlich mehr Mikro-Plastikabfälle als in anderen Gewässern. Dies hat eine am Dienstag publizierte Studie der Uni Basel festgestellt. Die Belastung ist in Basel leicht unter jener des Genfersees, in der deutschen Rhein-Ruhr-Region jedoch zehnmal höher.

Der Rhein gehöre zu den weltweit am stärksten mit Mikroplastik belasteten bisher untersuchten Flüssen, hiess es in der Mitteilung des Departements Umweltwissenschaften der Universität Basel. Mit dem Rhein ist erstmals ein grosser Meeres-Zufluss untersucht worden; andere Forschende hatten Ozeane, Seen und meist kleinere Flüsse unter die Lupe genommen.

Eine gute Lupe ist nötig für die Partikel in der Grösse von 0,3 bis 5 Millimeter, welche die Rhein-Studie im Visier hatte. Zwischen Basel und Rotterdam wurden an elf Standorten insgesamt 31 Proben an der Flussoberfläche entnommen. Gesucht wurde nach verbreiteten leichten Kunststoffen, die über längere Distanzen oben treiben.

Rekordbelastung im Ruhrpott

Gefunden wurde dabei Mikroplastik in einer durchschnittlichen Konzentration von 892'777 Partikeln pro Quadratkilometer. Zwischen Basel und Mainz wurden 202'900 Partikel gemessen. Im Raum Köln waren es 714'053 Partikel und im Rhein-Ruhr-Raum im Mittel 2,3 Millionen Partikel.

Plastikmüll im Meer

Der Spitzenwert von 3,9 Millionen Partikeln pro Quadratkilometer wurde in Rees gemessen, rund 15 Kilometer vor der niederländischen Grenze. Weiter meerwärts sanken die Mikroplastik-Werte wieder. Zum Vergleich: Im Genfersee hat es 220'000 Partikel, im Erie-See in den USA 105'500. Auch in der Rhone bei Genf habe es «weitaus weniger» Partikel.

Weiter oben sieht es nicht besser aus: Im Rhein bei Chur hatte der deutsche Chemieprofessor Andreas Fath 2014 – mit anderen Messmethoden – viereinhalbmal soviel Mikroplastik registriert, wie nun bei Basel gemessen wurde. Fath hatte Mikroplastik sogar schon im Rhein-Quellsee auf 2345 Metern Höhe festgestellt – wenn auch mit tiefen Werten.

Zehn Tonnen im Jahr in den Atlantik

Studien-Leiterin Patricia Holm wird zitiert mit der Aussage, dass der Rhein ab Basel «im Bereich der höchsten Konzentrationen der bisher weltweit untersuchten Gewässer» liege. Rechne man den Spitzenwert von Rees hoch, bugsiere der Rhein jeden Tag 191 Millionen Partikel zum Atlantik, was sich auf zehn Tonnen im Jahr summiere.

Die Studie liefert nur eine Stichprobe. Woher der Plastik kommt, stellt sie nicht fest. In dieser Grösse sei die Identifikation der Herkunft oder des Ursprungsmaterials sehr schwierig, sagte Studien-Erstautor Thomas Mani auf Anfrage. Kläranlagen seien nicht dafür gebaut und filterten nur einen Teil heraus. Zudem könne via Regen-Überläufe ungefiltertes Wasser in Gewässer gelangen.

Speziell aufgefallen sind jedoch neben Fasern und Fragmenten auch Plastikkügelchen. Diese machten bei Duisburg bis über 60 Prozent der Belastung aus. Die rätselhaften Plastikkügelchen seien sehr rein, kleiner als handelsübliche Plastikrohstoff-Granulate und bestünden aus anderen Substanzen als in Pflegeprodukten steckten.

Verdacht: Industrieller Plastik

Da kaum eine Firma eine Verschmutzung freiwillig zugebe, stehe hier noch viel Detektivarbeit an. Vorstellbar ist gemäss Mani zum Beispiel, dass die Mikrokügelchen als Prozessmaterial in der Industrie verwendet werden. Die Studie habe denn auch schon einiges Interesse bei Umweltbehörden geweckt.

Für Mani ist klar, dass die Plastikbelastung der Gewässer primär an der Quelle bekämpft werden muss – Filtern ist aufwändig, also teuer, und bei grossen Volumen kaum praktikabel. Die realen Werte im Rhein könnten übrigens gut über jenen der Basler Studie liegen, denn tiefere Schichten und das Flusssediment wurden nicht untersucht.

(whr/sda)

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