Selecta verlagert den Hauptsitz ins Ausland – in diese Metropole
Gerade mal drei Monate sind vergangen. Mitte Oktober übernahm der Brite Venkie Shantaram die Führung der schlingernden Snackautomaten-Firma Selecta. Nun legt er die Weichen für die Firma neu: Er verlagert den Hauptsitz des traditionsreichen Schweizer Unternehmens von Cham im Kanton Zug ins Ausland, wie CH Media weiss.
Selecta hat turbulente Jahre hinter sich. Bereits vor Corona stimmte die Entwicklung nicht mehr. Doch dann führte die Pandemie zu tieferen Pendlerfrequenzen und mehr Homeoffice-Tagen. Mit der Folge, dass die Verpflegung unterwegs an Bedeutung verlor.
Das einstige Führungsduo mit Christian Schmitz als CEO und Joe Plumeri als Verwaltungsratspräsident versuchte, das Steuer herumzureissen. Sie bauten beim Personal massiv ab, lancierten neue Ausbaustrategien mit Verpflegungsecken in Büros und führten eine fragwürdige Firmenkultur ein, die viele Angestellte in die Flucht trieb. Ihre Pläne inklusive Börsengang verfingen nicht.
1957 in der Schweiz gegründet
Vergangenen Frühling musste Selecta kurz vor dem Abgrund gerettet werden. Dies ging nur mit einem massiven Schuldenschnitt. Denn die Schulden hatten sich auf 1,1 Milliarden Franken augetürmt. Schmitz und Plumeri sind weg. Auf einen Interimschef folgte Mitte Oktober Venkie Shantaram.
Er hat von den neuen Inhabern die Aufgabe erhalten, Selecta wieder gesund aufzustellen. Wie er gegenüber CH Media bestätigt, wurde das Personal am Dienstag über einen wegweisenden Entscheid informiert: Der Hauptsitz der Firmenzentrale wird künftig nicht mehr in Cham liegen, sondern in London.
Dabei blickt Selecta hierzulande auf eine traditionsreiche Geschichte zurück: 1957 wurde die Firma in der Schweiz gegründet. Jeden Tag werden laut eigenen Angaben mehr als 10 Millionen Kundinnen und Kunden in 16 Ländern Europas mit Kaffee, Getränken, Snacks und Mahlzeiten bedient. Zuletzt zählte die Firma insgesamt 6000 Angestellte. Der Schweiz-Sitz von Selecta in Muttenz BE bleibt bestehen.
Hauptsitz im Co-Working-Büro
Erst im November hatte Selecta einen Umzug seiner Geschäftszentrale vollzogen. Die grosszügigen Hauptsitz-Räumlichkeiten wurden aufgegeben, wie CH Media publik machte. Laut Shantaram war die Fläche für die inzwischen weniger als 30 Angestellten zu gross und die Miete viel zu teuer. Also zog man nur wenige Meter weiter in ein Co-Working-Büro, wo die Firma unscheinbare Zimmer mietet. Selecta-Firmen-Logos beim Eingang, an der Türklingel oder an den Bürowänden? Fehlanzeige.
Auch künftig setzt Shantaram auf einen Co-Working-Space, also Büroräumlichkeiten, die sich Firmen mit anderen Unternehmen teilen. Der künftige Sitz werde nahe der Paddington-Station, also im Zentrum von London, liegen, sagt er.
Man habe den Kanton Zug darüber informiert, dass wichtige Firmenfunktionen wie Buchhaltung, Rechtliches und Steuern in Cham bleiben würden. Doch die Führung der Firma werde künftig von London aus geschehen. Shantaram selbst wohnt ausserhalb von London, wie er sagt. Auch der neue Personalchef und neue Finanzchef, der Ende Januar seine Stelle antrete, würden in London arbeiten.
Neues Führungsteam
Der gebürtige Inder Shantaram, der in der Vergangenheit für den Catering-Konzern Compass und das Beratungsunternehmen McKinsey arbeitete, startet derweil mit einer praktisch komplett neuen Führungsspitze. Zuletzt verliessen der Betriebs- und Technikchef, die Kommunikationschefin und der langjährige Kommerzchef das Unternehmen. Der im Sommer ernannte Finanzchef Jean-Noël Groleau blieb nur wenige Monate.
Shantaram spricht von vielen eingeführten Initiativen, um die Resultate zu verbessern. Sie würden nach einer schwierigen Phase die Grundlage für «eine starke Erholung» legen. (aargauerzeitung.ch)
