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Knall bei Selecta: So viele Angestellte sind betroffen

Selecta ist eine Schweizer Traditionsfirma.
Selecta ist eine Schweizer Traditionsfirma. bild: keystone

Knall bei Selecta: So viele Angestellte sind betroffen

Die Schweizer Traditionsfirma und SBB-Partnerin richtet sich nach turbulenten Jahren neu aus. Das hat Folgen fürs Personal.
26.11.2025, 20:3326.11.2025, 20:33
Benjamin Weinmann / ch media

Selecta kommt nicht zur Ruhe. Die Schweizer Snackautomatenfirma sorgte in den vergangenen Jahren regelmässig für Schlagzeilen. Das Führungsgespann mit Geschäftsführer Christoph Schmitz und Wall-Street-Legende Joe Plumeri als Verwaltungsratspräsident wollte dem kriselnden Marktführer in Europa neues Leben einhauchen.

Die Snackautomatenfirma spart beim Aussendienst.
Die Snackautomatenfirma spart beim Aussendienst.bild: keystone

Das Duo, das 2020 das Steuer übernahm, setzte mit dem Messer an, baute Stellen en masse ab. Aus europaweit über 10'000 Angestellten wurden noch 6800. Zudem lancierten sie eine neue Strategie – mit dem Ziel, Selecta an die Börse zu bringen. Und sie initiierten eine umstrittene Firmenkultur, die zu weiteren Abgängen führte (CH Media berichtete).

Neuer Chef erkoren

Ihrem Elan zum Trotz: Der Erfolg blieb aus. Der Börsengang musste abgeblasen werden. Die renommierte Ratingagentur Moody's stufte Selecta herab und sprach von einem «hohen Risiko». Im Sommer musste Selecta dann kurz vor dem Abrund gerettet werden, was allerdings nur mit einem massiven Schuldenschnitt in der Höhe von rund 1 Milliarde Franken möglich war. Laut CH-Media-Informationen wird deswegen in Gläubigerkreisen im Hintergrund noch immer gestritten.

Plumeri und Schmitz sind inzwischen verschwunden. Mitte Oktober wurde der Brite Venkie Shantaram als neuer Geschäftsführer präsentiert. Der einstige McKinsey-Mann will Selecta zurück zum Profit führen. Zu seinem Plan gehört auch das Sparen – beim Personal.

Der Brite Venkie Shantaram ist seit kurzem der neue Chef von Selecta.
Der Brite Venkie Shantaram ist seit kurzem der neue Chef von Selecta. bild: Peter Matthews

Wie CH Media erfahren hat, wurde vergangene Woche ein Massnahmenplan intern verkündet, der auch Entlassungen beinhaltet. Demnach sind von der Reorganisation 50 bis 80 Leute hierzulande betroffen. Selecta-Schweiz-Chef Beat Welti bestätigt dies auf Anfrage. Die geplanten Massnahmen werden über das nächste halbe Jahr umgesetzt. Dabei müsse man voraussichtlich 30 bis 40 Entlassungen in verschiedenen Bereichen aussprechen. «Der Rest geschieht über die natürliche Fluktuation, also durch Pensionierungen oder Kündigungen.» Aktuell zählt das Schweiz-Geschäft von Selecta rund 690 Angestellte.

Welti spricht von der neuen Strategie namens «Selecta 2.0», die verschiedene Wachstumsmassnahmen beinhalte. Damit wolle man sich optimal für die kommenden Jahre ausrichten. «Wir wollen den Fokus deutlich stärker auf die Kundenbedürfnisse und die Marktanforderungen legen», sagt Welti. Dazu gehöre, dass man die Suche nach neuen Kunden, also Firmen, die auf die Selecta-Geräte setzen, intensivieren wolle. In diesem so genannten Neukundengeschäft könnten 15 bis 20 neue Stellen entstehen.

Aus 2 mach 1

Welti will auch die Effizienz steigern. So seien heute in der Regel zwei Aussendienstangestellte bei Firmenkunden im Einsatz: Eine Person, die den Snackautomaten auffüllt, und eine, die sich um die Kaffeemaschine kümmert. «Künftig werden diese Aufgaben, wo möglich, nur noch von einer Person durchgeführt.» Zudem werde man unrentable Standorte, wie zum Beispiel in weit entfernten Bergregionen, hinterfragen.

Selecta müsse sich an die neuen Gegebenheiten im Schweizer Markt anpassen, sagt Welti. «Die Coronapandemie hatte einen grossen Einfluss auf unseren Markt, insbesondere mit der Etablierung des Heimbüros.» Sprich: Selecta fehlen die Leute in den Büros, die sich bei ihren Snack-Ecken in den Firmen verpflegen, aber auch die Pendlerinnen und Pendler, die spontan noch ein Schoggistängeli oder ein Coca-Cola-Fläschen kaufen auf dem Weg zur Arbeit.

Selecta wurde 1957 gegründet und ist mit seinen Snackautomaten in 16 Ländern der Marktführer in Europa. Ein wichtiger Umsatztreiber sind auch die Kaffeemaschinen, die Selecta in Grossfirmen unterhält, sowie vermehrt auch Selbstbedienungs-Kühlschränke für Angestellte, gefüllt mit Mittagesmenüs. Der Hauptsitz liegt in Cham ZG, insgesamt zählt die Firma heute noch rund 6000 Angestellte, die einen Umsatz von rund 1 Milliarde Franken generieren. Vor der Coronapandemie waren es noch 1,4 Milliarden gewesen.

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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sheimers
26.11.2025 20:42registriert April 2014
Die irren sich, der Umsatz ist nicht wegen Homeoffice zurückgegangen, sondern wegen den immer steigenden Produktpreisen an den Automaten. Vielleicht auch, weil es an immer mehr Bahnhöfen einen Coop oder Migros mit günstigeren Preisen hat.
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Davoser86
26.11.2025 21:24registriert Mai 2020
Wieso machen alle Firmen in der Krise den gleichen Fehler und setzen Wall-Street Haifische und McKinsey-Wannabee- Chefs sein?
Seit Jahren das gleiche Muster: Sparen, sparen, sparen (… nur nicht beim eigenen Lohn 🧐). Die Firma geht trotzdem unter und die „Manager“ ziehen weiter. 🤷🏻‍♂️🙄
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Nixnutz
26.11.2025 20:45registriert Mai 2017
Beim schweineteuren Firmensitz in Cham / Zug würd ich mal den Hebel ansetzen. Eine Bude, die nur Verluste schreibt kann ihren Sitz auch in Delemont haben. Aber die Firmenchefs mit ihren Millionensäleren finden Zug natürlich, sagen wir mal, angemessen!
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