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Pilze und Heidi Z'graggen

Bild: Keystone/Pixabay

Gewusst? Im Kanton Uri darfst du mit einem Funkgerät keine Pilze sammeln

Pilze suchen mit Hilfe von Funkgeräten ist im Kanton Uri verboten. Diese Regel könnte Justizdirektorin und Ex-Bundesratskandidatin Heidi Z’graggen den rostigen Paragraphen bescheren, den die IG Freiheit alljährlich für das dümmste Gesetz verleiht.

Kari Kälin / CH Media



Die Trophäe ist 35 Zentimeter hoch, etwa zwei bis drei Kilogramm schwer – und der «Lohn» für das dümmste und unnötigste Gesetz: Der rostige Paragraph, den die IG-Freiheit jedes Jahr Politikern oder Behördenvertretern verleiht.

Der bis jetzt prominenteste Preisträger ist der ehemalige Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Sein Departement installierte 2010 eine Kindersitzpflicht für Kinder bis 12 Jahre.

Bundesrat Moritz Leuenberger riecht an einem Autoauspuff, als Auftakt der Kampagne fuer die Energieetikette fuer effiziente Autos, am Montag, 24. Februar 2003 in Bern. Analog zu Elektrogeraeten muessen seit Anfang Jahr auch alle neuen Personenwagen mit einer energieEtikette gekennzeichnet werden. Die Etikette gibt Auskunft ueber den Treibstoffverbrauch und den CO2-Ausstoss. Neuwagen werden mit der energieEtikette in sieben Kategorien von A bis G eingeteilt. A steht fuer ein energie-effizientes, G fuer ein vergleichsweise ineffizientes Fahrzeug. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Preisträger: Moritz Leuenberger. Bild: KEYSTONE

In diesem Jahr figuriert im fünfköpfigen Kandidatenfeld zwar kein Bundesrat, aber immerhin eine Bundesratskandidatin, namentlich die Urner Justizdirektorin Heidi Z’graggen (CVP).

Im Zentralschweizer Kanton, so besagt es das «Reglement über den Schutz wildwachsender Pilze», erlassen im Jahr 1993, dürfen Pilzsammler keine Funkgeräte verwenden. Wer es dennoch tut, kassiert eine Busse von 50 Franken. «Gibt es tatsächlich Personen, welche mit Funkgerät und Korb auf Pilzjagd gehen?», fragt sich die IG Freiheit, die sich als Speerspitze gegen staatliche Bevormundung versteht.

Norditaliener im Sammeleifer

Auf jeden Fall gibt es in vielen Gegenden im Urner Gebirge Empfangslöcher, während Funkgeräte dort ihren Dienst tun, wie Z’graggen auf Anfrage mitteilt. Eingeführt wurden die Pilzregeln, weil sich in den 1990er-Jahren viele norditalienische Pilztouristen auf Pilzpirsch begaben – wobei die Funkgeräte das gewerbsmässige Sammeln in Gruppen begünstigten.

Z’graggen nimmt ihre Nomination gelassen – und kündigt an, dass vielleicht bald auch das Pilzreglement auf seine Wirksamkeit überprüft wird.

In die Top Fünf der eifrigsten Regulierer hat es auch Regula Rytz geschafft. Die Präsidentin der Grünen verlangte vom Bundesrat einen Bericht zum Thema Tageslichtzufuhr in Wohngebäuden. Die IG Freiheit glaubt nicht, dass heute tatsächlich noch Menschen in fensterlosen Räumen hausen.

Regula Rytz, presidente des Verts suisses parle lors de l'Assemblee des delegues des Verts suisse ce samedi 6 avril 2019 a Sierre. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Auch nominiert: Regula Rytz. Bild: KEYSTONE

Die Berner Nationalrätin Rytz ihrerseits wüsste bereits, was sie mit dem Siegerpreis machen würde: Sie würde ihn wiederverwerten und Gregor Rutz schenken – weil er per Vorstoss mehr Raum für die Bundesparlamentarier in der Broschüre «Bund kurz erklärt» (Buku) verlangt.

Reale Erfolgschancen hat auch Jonas Motschi, Chef des Solothurner Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Das Amt sorgte dafür, dass Kinder nicht mehr in der Kita schlafen dürfen, auch nicht an einem einzigen Tag im Jahr, weil das gegen das Arbeitsgesetz verstosse. Auch für einmalige Aktionen solcher Art braucht es behördlichen Segen.

Laurent Favre, Neuenburger FDP-Staatsrat, ist ins Visier der Freiheitskämpfer geraten, weil Neuenburg Happy Hours ab 19 Uhr und Trinkspiele wie «Beerpong» verboten hat.

Die Beamten des Stadtzürcher Sicherheitsdepartements haben einem Malermeister eine Gewerbeparkkarte für ein umweltfreundliches, kleines Hybridauto verweigert – weil er für Kundenbesuche keine Pinsel und Farben im Kofferraum mitführt. Das macht auch Stadträtin Karin Rykart (Grüne) zu einer Anwärterin für den rostigen Paragraphen.

Der Sieger oder die Siegerin desselben wird übrigens unbürokratisch erkoren. Ab heute können Interessierte auf der Internetseite www.freiheit-liberte.ch ihre Stimme für einen der fünf Kandidaten abgeben. Am 15. Mai findet dann im Eventsaal Aura in Zürich die feierliche Preisverleihung statt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der steinerne Rächer 12.04.2019 11:21
    Highlight Highlight Was genau ist an Kindersitzen eigentlich so schlimm?
  • Platon 12.04.2019 11:12
    Highlight Highlight Du meine Güte der Vorstand dieses armseeligen spiessbürgerlichen Vereins ist ja mit höchsten Bürgerlichen Parteisoldaten bedeckt🙈😂 Und Regula Rytz würde den Preis dem Präsidenten weiterreichen, nice Move!!! Es sollte ja inzwischen jedem bekannt sein, dass das ständige rumgemeckere der Bürgerlichen und der Wirtschaft wegen Überregulierung eigentlich nichts anderes als Dauerwahlkampf und Linksbashing ist. Die meisten Kantone kennen seit Gründungszeit nichts anderes als Bürgerliche Mehrheiten, alle Regulierungen werden somit von Bürgerlichen durchgewunken!
  • Platon 12.04.2019 11:05
    Highlight Highlight Ein jämmerlicher Verein... Ein Beer-Pong- und Happy-Hour-Verbot ist aber tatsächlich ein Affront gegenüber jeglicher Vernunft! Gleich abstimmen gehen!
  • Influenzer 12.04.2019 09:01
    Highlight Highlight Beim Thema Tageslicht in Wohnbauten geht es nicht um fensterlose Wohnräume sondern um eine gesunde Umgebung und die Verhinderung missbräuchlicher Spekulantenprojekte. Viele Länder kennen diesbezügliche Standards (z.B. >2h Sonne am Tag auf mind. Fesnster pro Wohnung). Ob in der Schweiz unbedingt eine Regulierung vonnöten ist sei dahingestellt, aber ein Bericht kann da Klarheit schaffen.
    • Herr Noergler 12.04.2019 19:41
      Highlight Highlight Grundsätzlich ja eine gute Idee. Ich habe aber kürzlich eine Sendung gesehen, in der aus Deutschland über dieses Gesetz berichtet wurde. Dort gibt es Fälle, da dürfen Wohnungen in Grossstädten mit akuter Wohnungsnot nicht mehr vermietet werden, weil 5 Minuten Sonnenschein fehlen.
  • Phrosch 12.04.2019 08:18
    Highlight Highlight Schon mal überlegt: man verbietet Dinge, weil sie zu oft gemacht werden und schädlich oder gefährlich sind. Wer damals gesehen hat, wie die Italiener Pilze sammelten und abzügelten, kann das Verbot nachvollziehen. Es ist ja schon etwas älter und darum vielleicht nicht mehr so aktuell, weil es eben Wirkung zeigte.
    Sollte der rostige Paragraph nicht für aktuelle Erlasse vergeben werden, die schon jetzt keinen Sinn ergeben?
  • BenFränkly 12.04.2019 07:48
    Highlight Highlight JEDER Pilzlisammler hat ein Funkgerät. JEDER EINZELNE! Eigentlich sind diese es zwar für die Apfelernte gedacht (siehe auch Piktogrämmli auf einigen der Geräten) aber sie werden offenbar auch mit auf Pilzsuche genommen...
  • Howard271 12.04.2019 07:30
    Highlight Highlight Was genau kann jetzt Frau Z‘Graggen für ein Gesetz aus 1993? Dieser Preis ist ein kleinlicher, schlecht verdeckt rechtsbürgerlicher Bünzlipreis. Für die allermeisten Fälle gäbe es eine gute Erklärung, aber die „Freiheitler“ halten lieber die Finger in die Ohren, wollen keine Argumente hören und spielen sich gross auf.
  • Altweibersommer 12.04.2019 07:21
    Highlight Highlight Der Begriff "Freiheit" sollte generell nicht so inflationär missbräuchlich verwendet werden. Schon gar nicht für kleinbürgerliche Aktionen wie diese hier.

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