Heinz ist doch noch der bessere Ehlers – der SCB auf Meisterkurs?
Nun gut, von einem Halbfinal zu reden, mag etwas übertrieben sein. Aber der Chronist hat kein Marihuana geraucht. Er hat mit nüchternem Verstand nachgedacht.
Der SCB hat soeben zum vierten Mal in Serie gewonnen. Dreimal davon auswärts: 4:3 n. V. in Zürich, 2:0 in Rapperswil-Jona und nun 4:3 n. V. in Langnau. Dazwischen ein 3:1 auf eigenem Eis gegen Lausanne. Konkret: Den Titelverteidiger und Sieger der Champions League auswärts gebodigt und den Finalisten der zwei letzten Jahre im eigenen Stadion vom Eis gearbeitet. Das Play-In ist realistisch.
Die Wahrheit im Januar ist zwar oft der Irrtum in den Playoffs. Und doch: Wenn der SCB dazu in der Lage ist, die Titanen der Liga und den Erzrivalen zu bezwingen, dann sollte die Konkurrenz beunruhigt sein.
Mag sein, dass oben in den Büros der PostFinance Arena gezögert und gezaudert wird. Aber unten in der Kabine ist endlich Ordnung und Zuversicht eingekehrt. Heinz Ehlers hat die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Ordnung heisst in diesem Fall: Das Spiel ist strukturiert. Jeder weiss, was zu tun ist – oder weiss es meistens. Die klare Rollenverteilung führt nach und nach dazu, dass jeder – oder doch die meisten – immer mehr ihr bestes Hockey spielen. Ein gutes Beispiel ist der hüftsteife, aber schlaue und mit feinen Händen gesegnete Titan Hard Häman Aktell. Seit der «Gschtabi-Schwede» seine Rolle kennt, ist er auch ein erfolgreicher «Rückraumschütze» mit einem Treffer beim Sieg in Zürich und zwei beim Derby in Langnau.
Dieses jüngste Derby war eines der interessantesten der letzten Jahre. Selten war die Spielanlage beim SCB und den SCL Tigers so ähnlich. Defensive Absicherung, Sorge zur Scheibe tragen, präzise Pässe, die Fehlerquote tief halten, eine gute Balance zwischen offensivem Mut und defensiver Besonnenheit. Kurzum: Der SCB und Langnau spielen «Heinz-Ehlers-Hockey».
Langnaus Thierry Paterlini ist sozusagen ein Zauberlehrling des SCB-Trainers. Dass er nun gegen den von Heinz Ehlers gecoachten SCB dreimal hintereinander das Derby verloren hat, bestätigt diese Feststellung.
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Der SCB-Sieg stand zwar nach dem 2:0 für Langnau auf dünnem Eis. Die Langnauer hatten Möglichkeiten, die Partie mit einem dritten Treffer zu entscheiden. Aber am Ende ist der SCB-Verlängerungssieg verdient. Weil die Stadtberner auch dann ruhig und gelassen blieben, als der Puck nicht ihren Weg gehen wollte (vor allem nach dem 0:2-Rückstand). Diese Ruhe und Gelassenheit haben einen einfachen Grund: Über vier Linien ist der SCB mit mehr Talent gesegnet als die Langnauer. Fehlendes Talent kann nur mit Leidenschaft kompensiert werden – und Leidenschaft führt zu mehr Hektik im Spiel.
Die SCL Tigers sind inzwischen eine taktische SCB-Kopie. Aber eben mit spielerisch unzulänglichen Mitteln und zuletzt vier Niederlagen in Serie: 3:4 n. P. in Lugano, 2:3 n. V. gegen Ajoie, 1:3 in Zug und 3:4 n. V. gegen den SCB. Das Play-In ist in Gefahr.
Thierry Paterlini (50) und Heinz Ehlers (60) lehren nicht nur eine ganz ähnliche Hockey-Philosophie. Beide zeigen an der Bande kaum Emotionen und auch bei ihren Auftritten nach einem Spiel sind sie inzwischen erstaunlich ähnlich. Beide eher wortkarg, zurückhaltend mit Lob und Kritik, jeder Polemik abhold, mit Ausreden sparsam und mit einer gesunden Portion Selbstironie. Aber nach wie vor ist Heinz noch der bessere Ehlers.
Inzwischen gehört der SCB dank der vom Trainer wieder hergestellten Ordnung an einem guten Abend zu den drei besten Teams der Liga. Und die Frage ist berechtigt: Wo wäre der SCB mit zwei guten Schweizer Torhütern und sechs ausländischen Feldspielern? Wenn der Torhüter eine Ausländerlizenz beansprucht, hat jeder seiner Einsätze Umstellungen zur Folge. Ein Problem, das den SCB bereits in der dritten Saison (seit Herbst 2023) immer wieder aus der Spur bringt.
Oder ist der SCB am Ende gar auf Meisterkurs? Natürlich ist die Frage provokativ. Die Berner haben seit ihrer letzten Meisterfeier keine einzige Playoff-Serie mehr gewonnen. Aber inzwischen hat Heinz Ehlers das Team so geordnet, dass diese Frage auch deshalb berechtigt ist, weil mit Ausnahme von Davos keiner der Titanen regelmässig sein bestes Hockey spielt. Im anstehenden Titelkampf sind die Chancen für einen Aussenseiter so gross wie nie mehr seit 2019. Der SCB ist auch schon vom 8. Platz aus Meister geworden. Nun gibt es eine kleine Chance – aber es gibt diese Chance! – auf einen neuen Rekord: Meister vom 9. oder 10. Platz aus. Das schaffte in unserer Geschichte noch niemand.
Nochmals: Der SCB gar auf Meisterkurs? Die Frage ist inzwischen nicht mehr absurder, als wenn jemand im vergangenen Herbst gefragt hätte: Wann übernimmt Heinz Ehlers diesen SCB? Ist Jussi Tapola schon bald in Ambri? Wann dürfen wir Christian Dubé in Biel begrüssen?
Diese Saison gilt wie noch nie seit der Einführung der Playoffs (1986) im Allgemeinen und beim SCB im Besonderen im Guten wie im Polemischen: «On est jamais au bout des surprises!»
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
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Spiele
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Er ist
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