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ZUR EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNG VOM 12. FEBRUAR 2017 ÜBER DIE ERLEICHTERTE EINBUERGERUNG VON PERSONEN DER DRITTEN AUSLAENDERGENERATION STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG – Ein Mann haelt einen biometrischen Schweizer Pass in der Hand, aufgenommen am 10. Februar 2014 in Bern. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Der rote Pass: Bis ihn Dion Marić erhielt, musste er sich Einiges gefallen lassen. Bild: KEYSTONE

«Das hat System» – eingebürgerter Schweizer erzählt von den Schikanen der Gemeinde Arth

Die Schwyzer Gemeinde Arth muss einen Italiener per Bundesgerichtsentscheid einbürgern. Sie tut es widerwillig. In derselben Gemeinde wurde 2018 Dion Marić eingebürgert. Er sagt, die Spitzfindigkeiten der Arther Einbürgerungsbehörde hätten System.



Am Südufer des Zugersees, umrahmt von Rigi und dem Zugerberg, liegt die kleine Schwyzer Gemeinde Arth. Der Tierpark Goldau und die Rigi Kulm sind beliebte Ausflugsziele. Eigentlich ein ruhiges Fleckchen Erde in der Zentralschweiz. Wäre da nicht dieses Bundesgerichtsurteil, das die Gemeinde in ein ziemlich schlechtes Licht warf. Vergangenen Montag erhielt die Einbürgerungsbehörde der Gemeinde Arth Post aus Lausanne.

Die Arther Behörden lehnten ein Einbürgerungsgesuch eines 51-jährigen Italieners ab. Der seit 30 Jahren in der Schweiz wohnende Mann beantwortete einige geografische und kulturelle Fragen nicht zur vollen Zufriedenheit der Behörden. Nach Einsprache des Italieners, taxierte das Bundesgericht die Ablehnung als willkürlich – die Arther Behörde habe spitzfindige Fragen gestellt, die in einem Einbürgerungsverfahren nichts zu suchen hätten.

Dass es sich beim 51-jährigen Italiener um keinen Einzelfall handelt, musste Dion Marić* am eigenen Leib erfahren. Seit 2018 ist er Schweizer Bürger in der Gemeinde Arth. Doch der Weg dahin war lang und mühselig.

«Diese Geschichte hat mich überhaupt nicht erstaunt. Das hat System», sagt er kopfschüttelnd. Vor etwas mehr als dreissig Jahren wurde Marić in der Schweiz geboren. Seine Eltern kamen noch vor dem Jugoslawienkrieg als Gastarbeiter in die Schweiz. Er ging in Arth zur Schule, kickte im lokalen Fussballverein, machte in der Gemeinde seine Lehre.

ARCHIV - ZUR BILANZMEDIENKONFERENZ DER RIGI BAHNEN AG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG, AM FREITAG, 5. APRIL 2019 - Train passengers look out of the window of the red Rigi Railway, which moves uphill between the stations Rigi Staffel and the final station Rigi Kulm, on Mount Rigi, Switzerland, on July 18, 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Zugreisende schauen aus dem Fenster der roten Rigi-Bahn, die sich bergaufwaerts zwischen den Stationen Rigi Staffel und dem Endziel Rigi Kulm bewegt, am 18. Juli 2016 auf der Rigi. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein beliebter Ausflug für Einheimische und Touristen: Mit der Rigi-Bahn auf die Rigi Kulm. Bild: KEYSTONE

2016 beantragt er den roten Pass. Weil er sich endlich politisch beteiligen will und ohne komplizierte Visa-Verfahren ins Ausland verreisen will. Alle nötigen Dokumente gesammelt, schickt er diese an die Arther Gemeinde. Postwendend erhält er eine Rechnung.

Drei Monate später darf er die erste Hürde im Einbürgerungsprozedere nehmen: Die schriftliche Prüfung. Für Marić machbar. «Ich lernte darauf wie auf eine normale Prüfung», sagt er. Doch was danach folgte, macht ihn heute noch wütend.

«Sie liessen mich deutlich spüren, wer am längeren Hebel sitzt. Und dass ich derjenige bin, der etwas will und nicht umgekehrt.»

Dion Marić

In einer zweiten Runde muss Marić bei der Einbürgerungsbehörde antraben. «Ich sass da, vor einem halben Dutzend Leuten und musste Red und Antwort stehen», so Marić. Viele der Anwesenden kennt er persönlich. Und dennoch fühlte er sich wie ein Verbrecher. «Sie liessen mich deutlich spüren, wer am längeren Hebel sitzt. Und dass ich derjenige bin, der etwas will und nicht umgekehrt.»

Auf die Frage, wie die Stationen hiessen, welche die Rigi-Bahn von Arth Goldau bis zur Rigi Kulm bediene, wusste Marić die richtige Antwort. Nicht aber darauf, was denn «Nüssle» sei. Er lieferte das Stichwort «Fasnacht», sagte aber er sei nicht ein besonders grosser Fan davon. «Darauf sagten sie mir, dass man den traditionellen Narrentanz aber schon kennen müsse.»

«Ich setzte mich in diesen Raum und war von Anfang an verdächtig und musste mich rechtfertigen.»

Dion Marić

Auch ob seine Freundin Schweizerin sei, wie lange die beiden sich schon kannten und in welchen Vereinen er engagiert sei, wollten die Beamten wissen. «Als ich ihnen sagte, dass ich schon seit Jahrzehnten im Fussballverein Mitglied sei, meinten sie nur: ‹Und wo sonst noch?›»

Er habe einmal in der Vergangenheit eine Tranche der Steuerrechnung zu spät bezahlt, erinnerte sich Marić. Vor den Behörden musste er sich dann jedoch rechtfertigen, dass er seine Steuerrechnungen im letzten Jahr pünktlich bezahlt hatte. Das sei schon etwas «verdächtig», so der Tenor aus der Runde der Schweizermacher.

«Ich setzte mich in diesen Raum und war von Anfang an verdächtig und musste mich rechtfertigen. Sich das alles anzuhören, nachdem ich fast 30 Jahre in dieser Gemeinde gewohnt habe, ist in meinen Augen einfach eine Frechheit.»

Nach dem Hearing war Funkstille. Mehrere Monate lang hörte Marić nichts von der Behörde. «Irgendwann rief ich bei der Gemeinde an, um mich zu erkundigen. Diese sagte, dass Gesuch liege beim Kanton.» Doch beim Kanton hatte man ein halbes Jahr weder von der Gemeinde Arth gehört, noch wusste man etwas von Marićs Gesuch. Wieder am Hörer mit der Arther Gemeinde erfährt Marić, dass die zuständige Person, die die Einbürgerungsdossiers betreut, krankheitshalber ausgefallen ist. «Niemand übernahm die Stellvertretung, die Gesuche blieben einfach ein halbes Jahr lang liegen», ärgert sich der junge Mann.

Mit all den eingereichten Dokumenten, musste Marić ebenfalls drei Referenzschreiben von Schweizer Freunden und Bekannten einschicken lassen. Eines davon ist von seinem besten Freund. «Die Gemeinde kontaktierte mich und warf mir vor, dass dieses eine Schreiben nie angekommen sei.» Marić, an der Zuverlässigkeit seines Freundes zweifelnd, ruft diesen an. «Er sagte mir, dass er das Schreiben gleich am nächsten Tag zurückgeschickt habe.» Erst als sich sein Freund bei der Arther Gemeinde erkundigt, findet man das Schreiben auf einem anderen Stapel. «Es sei untergegangen», beschwichtigt man am Telefon.

Erhalten hat Marić den roten Pass Mitte 2018. Nach rund zwei Jahren des Wartens und mit einem ziemlich bitteren Nachgeschmack.

*Name der Redaktion bekannt

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