Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Der Leerraum zwischen dem Zeiger und der Zahl zehn ist der Stein des Anstosses. Bild:karin f.

Parkscheibe from Hell: Warum Karin F. wegen weniger Millimeter eine Busse bezahlen muss 

Karin F.* parkiert ihr Auto um zehn Uhr in der blauen Zone in Zürich und legt, wie es sich gehört, die Parkscheibe hinter die Frontscheibe. Als sie 50 Minuten später zurückkommt, stellte ihr eine Polizistin eine Busse aus. Zurecht? 



Zürich Wiedikon, 4. August 2015, 10.01 Uhr: Karin F. stellt ihren Wagen in der blauen Zone ab und sucht ihre blaue Parkscheibe. Sie stellt diese auf 10 Uhr. Anschliessend legt sie die Parkscheibe hinter die Frontscheibe, schliesst ihr Auto ab und geht einkaufen. Gemäss Vorschrift darf sie ihren Wagen 60 Minuten stehen lassen. 

Als sie 50 Minuten später zurückkommt, erlebt sie ihr blaues Wunder. 

Eine Polizistin – genauer gesagt eine «Angestellte der Kontrolle ruhender Verkehr» – ist gerade dabei, ihr eine Busse auszufüllen. Karin F. fragt sich erstaunt wofür, da sie vor der erlaubten Parkdauer von 60 Minuten zurück bei ihrem Wagen ist. 

«Sie haben den Zeiger nicht genau auf den 10-Uhr-Strich ausgerichtet», erklärt ihr die Beamtin. Und tatsächlich, der Strich steht ein kleines bisschen vor der Zahl 10 (siehe Bild unten). 

Karin F. fragt die Beamtin, ob sie nicht ein Auge zudrücken könne, es seien ja nur ein paar Millimeter. Die Beamtin bleibt hart. Sie erklärt Karin F., dass sie die Pflicht habe – weil der Zeiger vor der 10 stehe – von der Ankunftszeit 9.30 auszugehen. Somit sei Karin F.  jetzt, um 10.50, zu spät, und müsse eine Busse von 40 Franken bezahlen. 

Bild

Ist der Zeiger vor der 10, bedeutet das 9.30 Uhr. Bild: karin f.

Jegliche Versuche von Karin F., die Beamtin umzustimmen, scheitern. Irgendwann gibt sie auf und fährt mit dem Bussenzettel auf dem Beifahrersitz weg. 

Ist Karin F. zurecht gebüsst worden?

Watson hat nachgeforscht und bei der Stadtpolizei Zürich nachgefragt. Resultat: Es ist einfach und gleichzeitig kompliziert. 

Der Pfeil muss immer auf den ersten Strich NACH der Ankunftszeit gestellt werden. Das bedeutet, Karin F. hätte die Parkscheibe bei einer Ankunftszeit um 10.01 Uhr auf 10.30 Uhr stellen müssen.

Bild

Bild:  watson

Und hier noch einmal, in etwas anderer Form, was richtig gewesen wäre bei Karin F: 

Tatsächliche Ankunftszeit:       10.01 Uhr
Einstellung Parkzeit:               10.30 Uhr
Späteste Abfahrtszeit:             11.30 Uhr 
Zulässige Parkierzeit:              89 Minuten

Theoretisch gilt eine zulässige Parkzeit von 60 Minuten. Wer aber knapp nach einer vollen Stunde ankommt, gewinnt eine halbe Stunde und darf das Auto fast 90 Minuten stehen lassen.

Den Zeiger zwischen die Striche zu stellen, ist falsch. Die Polizei geht bei solchen Fällen immer von der Zeit vor dem Zeiger aus.

Bild

Hier wäre die Polizei von 10 Uhr ausgegangen. Bild:  watson

Ganz wenig neben dem Zeiger – egal auf welcher Seite – ist falsch. Hier würde 10 Uhr gelten und nicht 10.30 Uhr.

Bild

Bild: watson

Wie man die Zeit richtig einstellt, steht auf der Rückseite jeder Parkscheibe. Auf der Homepage der Stadtpolizei Zürich gibt es zudem alle Details zum Parkieren mit Parkscheibe.

Bild

Die Rückseite einer Parkscheibe sieht so aus. bild: watson

Die Regel mit dem Strich vor dem Zeiger, von dem die Polizei ausgeht, gilt seit dem Jahr 2003. Das Stadtrichteramt Zürich hat die dies damals festgelegt, weil die Schweiz die EU-Parkscheibe einführte. 

Die Beamtin hat in diesem Sinne korrekt gehandelt. Karin F.'s Busse ist berechtigt. Judith Hödl, Mediensprecherin der Stadtpolizei Zürich, räumt jedoch ein, dass die zuständige Beamtin das Gesetz sehr streng ausgelegt hat. Hödl macht darauf aufmerksam, dass man, wenn man eine solche Busse nicht akzeptieren will, sich direkt bei der Stadtpolizei Zürich melden soll. Dies muss allerdings geschehen, bevor die Busse bezahlt ist. 

Seit 2005 toleriert die Polizei übrigens nur noch die EU-Parkscheiben. Wer eine Alte hinter die Scheibe legt, muss ebenfalls mit einer Busse rechnen.  

* Name der Redaktion bekannt

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

33
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Blauwunder 26.08.2015 23:07
    Highlight Highlight Mir soeben auch passiert. Es wiehert der Amtsschimmel.
    Spitzfindigkeit sondergleichen, vor allem wenn klar ist, dass die erlaubte Parkzeit nicht überzogen wurde.
    "Die Polizei, Dein Freund und Helfer" kann man vergessen. Nur Umsatz zählt, Vernunft ist nicht mehr gefragt.
    Es widerspricht dem Rechtsempfinden, dass ich eine falsche, nämlich spätere Ankunftszeit einstellen muss. Bin überzeugt, vor Bundesgericht fliegt die Polizei auf die Nase. Aber wer getraut sich schon wegen CHF 40. ....So macht man Geschäfte.
  • pbs64 06.08.2015 21:10
    Highlight Highlight Vor 30 Jahren riefen die Leute, Bullen sind Nul...

    Heute akzeptiere ich : "Ich habe nur einen Befehl ausgeführt."


    Tja. "Budgeterhöhung" vor Toleranz. Simpel.
  • pbs64 06.08.2015 21:06
    Highlight Highlight Kloten : Da rennen die Polizisten um Strafen zu verteilen... Kafi Fleischli ein beliebter Tummelplatz !

    Jeder wählt seinen Lieblingsjob :-)
    Mach was'd chasch :-)
  • Sergio Gensetter 06.08.2015 13:23
    Highlight Highlight Nur noch machtgeile abzoke. Aber eben, unsere systemhandlanger können ja nichts mehr anderes. Für wahre aufgaben sind sie nicht zuständig oder schlicht unfähig. Schon lange kein vertrauen mehr in diese bürokratische institution. Pfui pfuii pfuii
  • Sagitarius 06.08.2015 08:30
    Highlight Highlight Oje!
    Gut haben wir keine anderen Probleme! Irgendwann bürokratisieren wir uns noch zu Tode!
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 05.08.2015 19:49
    Highlight Highlight Torheit schützt vor Strafe nicht :-P
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 06.08.2015 19:37
      Highlight Highlight Wer Lesen kann ist klar im Vorteil: Das Einstellrad auf der Parkscheibe muss immer auf den der Ankunftszeit folgenden Strich eingestellt werden.
  • LisaSimpson 05.08.2015 18:24
    Highlight Highlight Schon komisch, wenn ich meine Uhr, Toaster, Kaffeemaschine oder das GPS im Auto falsch einstelle muss ich auch mit Konsequenzen rechnen. Besser die Parkkarte falsch eingestellt als beim Bungy Jumping ein zu langes Seil.
    Think positiv und nicht immer nörgeln :-)
  • Brian Douglas 05.08.2015 18:22
    Highlight Highlight Gut zu wissen und wieder mal bestätigt: Wer lesen kann (und Gebrauch davon macht) hat mehr vom Leben. Habe das wohl auch meist falsch eingestellt...
  • Roger Gruber 05.08.2015 17:57
    Highlight Highlight "Hödl macht darauf aufmerksam, dass man, wenn man eine solche Busse nicht akzeptieren will, sich direkt bei der Stadtpolizei Zürich melden soll." Kann man machen, wenn man sich mal wieder abwimmeln lassen möchte . Die Antwort ist immer die selbe: Nein! Offenbar sind die Beamten dazu angewiesen. Wohl deshalb, damit man es das nächste mal gleich bleiben lässt. Wo kämen wir denn da hin, wenn man als Steuerzahler die amtliche Autorutät anzweifelt! Ob zu Recht oder nicht, spielt da keine Rolle..
  • christof.artho 05.08.2015 17:52
    Highlight Highlight "Seit 2005 toleriert die Polizei übrigens nur noch die EU-Parkscheiben. Wer eine Alte hinter die Scheibe legt, muss ebenfalls mit einer Busse rechnen. "
    Also MEINE Alte hat in MEINEM Auto hinter der Scheibe gar keinen Platz.
  • G.Oreb 05.08.2015 17:41
    Highlight Highlight Also habe ich das richtig verstanden. Wenn ich um 10:01 ankomme, MUSS ich die Parkscheibe auf 10:30 stellen und bekomm keine Busse wenn ein(e) KontrolleurIn um 10:02 (bzw. in den 29min) eine Kontrolle macht weil ich meine Ankunft als 29min später angegeben habe?
    • Felix Burch 05.08.2015 17:45
      Highlight Highlight Ja, so ist es.
    • YesImAMillenial 05.08.2015 17:57
      Highlight Highlight Because fuck logic.
    • Anded 06.08.2015 01:11
      Highlight Highlight Nein du musst nicht. Du kannst sie auch auf 10:00 einstellen, musst dann aber um 11:00 weg sein. Oder auf 09:30 und du musst um 10:30 weg sein. Es wird aber gebüsst wenn du sie auf 11:00 einstellst ( und die Kontrolle vor 10:30 ist), oder wenn das Auto 60 Minuten nach der eingestellten Zeit noch da steht.
  • amore 05.08.2015 17:34
    Highlight Highlight Anweisung auf der Parkscheibe lesen und sich daran halten. Dann braucht es keine Lästerung über die Polizeiarbeit.
    • naht 05.08.2015 17:53
      Highlight Highlight wer sinnerfassend lesen kann, wird bemerkt haben, dass die anweisung widersprüchlich ist. schwer sich an sowas zu halten.
    • pbs64 06.08.2015 21:15
      Highlight Highlight Die beschriebene Karte musst mal in den Händen halten, dann sehr, sehr und wirklich sehr behutsam unter die Scheibe legen. Wirst erstaunt sein, dass die sich trotz Sorgfalt , um Millimeter verändert.

      Hab sie ausgewechselt
    • mbr72 07.08.2015 06:28
      Highlight Highlight Du bist auch sicher ein Tempo 110 fahrer auf der autobahn :-)... Es MUSS eine Toleranz geben, ansonsten würde auch einen halben Millimeter daneben auf die nächste Zeit gesetzt... Es könnte sehr simpel und vernünftig gehandhabt werden: klar zuordbar wird auf die entsprechende Zeit interpretiert. Aeehhhh, Moment... Tolerant,simpel, vernünftig UND StrvO/StrvZ? Fehlanzeige!!
  • ToloTolo 05.08.2015 16:59
    Highlight Highlight Wozu ist die Polizei da? Nur um die (Unter) Menschen zu schikanieren?
    Die Polizei ist für die Menschen da, und nicht umgekehrt!
  • Don Huber 05.08.2015 16:46
    Highlight Highlight Schleichender EU Beitritt. Alles müssen wir Schweizer von der EU übernehmen !!! Langsam aber sicher haben wir bald nur noch EU Mist bei uns. Und zur Beamtin: Schon mal was von "Auge zudrücken gehört" ? Wird wohl in ihrem Bekanntenkreis auch so streng behandelt und lässt es jetzt den Autofahrer raus.
    • Don Huber 05.08.2015 19:11
      Highlight Highlight Nur so nebenbei. Mein Beruf ist Polizist. Und bei diesem Fall hätte ich ein Auge zugedrückt, da ich solche Kleinigkeiten abwägen kann.
  • exeswiss 05.08.2015 16:29
    Highlight Highlight naja, mann sollte vielleicht auch mal durchlesen was auf der parkscheibe steht.
    • ovatta 07.08.2015 02:11
      Highlight Highlight Frau auch?
    • exeswiss 07.08.2015 04:03
      Highlight Highlight "naja, man sollte vielleicht auch mal durchlesen was auf der parkscheibe steht."

      besser? war ein tippfehler, mehr nicht.
    • ovatta 07.08.2015 11:31
      Highlight Highlight Der tippfehler ward gesehen!
      Doch bei der ganzen Haarspalterei lag die frage nunmal im Raum.
  • saukaibli 05.08.2015 16:17
    Highlight Highlight Ihr hättet gar nicht schreiben müssen dass der Vorfall in Zürich passierte, das klingt schon aus 10km gegen den Wind nach Zürich. Downtown Switzerland, wo selbst der kleinste Hilfs-Sheriff ohne gesunden Menschenverstand seine Macht ausüben darf.
    • philipp meier 05.08.2015 16:40
      Highlight Highlight ✌️
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 05.08.2015 16:09
    Highlight Highlight Gut ist das mal geklärt. Habe es auch immer falsch gemacht. Aber bisher Glück gehabt. Zur Zeit ist es sowieso die Hölle in die Stadt mit dem Auto zu fahren. Egal ob man durchfahren will oder einkaufen geht. Was ich dabei überhaupt nicht verstehe, warum die Langzeitparkplätze vor der Stadt immer mit Baumaschinen belegt werden. Ich werde das Gefühl nicht los, das die Stadt diese den Bauunternehmen aktiv anbietet. Einfach damit sie belegt sind! Dabei wäre es so einfach. Auto stehen lassen und das Tram in die Stadt nehmen.
  • Don Quijote 05.08.2015 16:07
    Highlight Highlight Wohl der klassische Fall von direkter Schulabgängerin... All diesen stecken die korrekten Regeln noch so in den Knochen, dass der gesunde Menschenverstand per se auf OFF steht. Ist so im Militär, bei der Polizei, der Verwaltung,....
    • exeswiss 07.08.2015 04:15
      Highlight Highlight setzt sie bei einigen "gesunden Menschenverstand" (was eh ein witz ist bei gesetzlich vorgegebenen regelungen) ein und bei anderen nicht, heissts wieder "willkür"
  • Xi Jinping 05.08.2015 15:55
    Highlight Highlight °.° kennt ihr den Bastard Operator from Hell aka BOfH? :D

Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz und der internationale Vergleich

Die Corona-Pandemie wütet weiter. Die Neuansteckungen steigen auch in Schweizer Kantonen erneut. Hier findest du alle relevanten Statistiken und die aktuellen Corona-Fallzahlen von Corona-Data und dem BAG zur Schweiz sowie im internationalen Vergleich.

Das Coronavirus hält die Schweiz weiterhin in Atem. Die Zahl der Neuansteckung steigt in den unterschiedlichen Kantonen seit dem August wieder und viele sprechen bereits von einer zweiten Corona-Welle in Europa und in der Schweiz.

Damit du den Überblick über die sich stetig verändernde epidemiologische Lage behältst, zeigen wir dir hier alle relevanten Statistiken zu den Neuansteckungen, Positivitätsrate, Hospitalisierungen und Todesfällen in den Schweizer Kantonen sowie im internationalen …

Artikel lesen
Link zum Artikel