Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV --- ZUM THEMA ANLEGERSCHUTZ STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- [GESTELLTE AUFNAHME/SYMBOLBILD] Bankkunden am Schalter bei Raiffeisen in Kuessnacht a. R., aufgenommen am 26. Juni 2012. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Unsere Bankguthaben sind auch mit Vollgeld nicht «bombensicher». Bild: KEYSTONE

Mit Vollgeld sind unsere Bankkonten «absolut sicher» – oder nicht?

Mit der Vollgeld-Initiative werde «unser Geld wieder sicher», behaupten die Initianten. Das trifft nur bedingt zu. Selbst das simple Sparkonto auf der Bank wird nicht besser geschützt als heute.



Vollgeld? Was ist das? In einer Umfrage von «Luzerner Zeitung» und «St.Galler Tagblatt» gaben 60 Prozent der Befragten an, sie hätten noch nie von der Volksinitiative gehört, über die am 10. Juni abgestimmt wird. Die Befragung stammt von Anfang Februar, doch allzu viel dürfte sich am Befund nicht geändert haben, denn der Abstimmungskampf läuft bislang auf Sparflamme.

Während das Initiativkomitee bereits im März vor die Medien trat, machen die Gegner erst jetzt langsam mobil. Letzte Woche erläuterte Finanzminister Ueli Maurer die ablehnende Position des Bundesrats. Er warnte dabei vor einem «Experiment mit ungewissem Ausgang». Allerdings stösst die Informationspolitik von Bund, Kantonen und Nationalbank den Initianten sauer auf.

Die Behörden würden «verzerrt und lückenhaft» über die Initiative informieren, klagen sie und beziehen sich auch auf das Abstimmungsbüchlein. Michael Derrer, Unternehmer, Hochschul-Dozent, nebenamtlicher Bezirksrichter in Rheinfelden (AG) und «Sympathisant» der Vollgeld-Initiative, hat deshalb eine Abstimmungsbeschwerde beim Aargauer Regierungsrat eingereicht.

Geld in der Matratze

Der Vorwurf der nicht gerade astreinen Information fällt jedoch auf die Initianten zurück. Neben ihrem Grundanliegen, dass nur noch die Nationalbank Geld «herstellen» darf, werben sie vor allem mit dem Thema Sicherheit. «Mit der Vollgeld-Initiative wird unser Geld wieder sicher», heisst es in einem Faltblatt, das letzte Woche an die Schweizer Haushalte versandt wurde.

Ein Video des Initiativkomitees, das auf YouTube bereits über 200'000 Aufrufe verzeichnete, treibt das Sicherheitsargument auf die Spitze. Ein Mädchen erklärt darin seinem Grossvater, der sein Bargeld aus Misstrauen gegenüber den Banken in die Matratze stopfen will, dass die Bankkonten bei einer Annahme der Vollgeld-Initiative «absolut sicher» werden. Was der alte Mann gerne hört.

Lohnkonten werden «bombensicher»

Die Realität sieht anders aus. Wirklich «sicher» sollen nur die Lohn- oder Privatkonten werden, über die der Zahlungsverkehr abgewickelt wird. Geld auf Sparkonten «ist weiterhin im Krisenfall gefährdet, weil es ein Darlehen an die Bank darstellt», räumt Raffael Wüthrich ein, der Sprecher des Initiativkomitees. Den Vorwurf der Fehlinformation weist er zurück. Um Zahlungen vorzunehmen, müsse man heutzutage ein Konto auf einer Bank haben. 

abspielen

Der Werbeclip der Initianten. Video: YouTube/Vollgeld-Initiative

Das Geld darauf gehöre automatisch zur Bilanz der Bank, wodurch es bei einem Bankrott gefährdet sei. Bei einer Annahme der Vollgeld-Initiative werde das Lohnkonto «bombensicher», ist der Initiativsprecher überzeugt: «Der Konsument hat in Zukunft die Wahl. Er belässt sein Geld auf einem sicheren Vollgeldkonto, wie beim Bargeld wohl ohne Zins. Oder er deponiert es auf einem risikobehafteten Sparkonto, sodass die Banken damit arbeiten können, und erhält dafür einen Zins.»

Die Vollgeld-Initiative will das Finanzsystem sicherer machen. Die Banken sollen aber weiterhin Kredite vergeben können, einfach nicht mehr mit «selbst erzeugtem» Geld. Sie würden es in Zukunft von den Sparern oder als Darlehen von der Nationalbank erhalten. Mit einem Kredit ist aber auch ein Ausfallrisiko verbunden, das bis zum Konkurs einer Bank gehen kann.

Einlegerschutz für Sparkonten

«Absolut sicher» werden die Bankkonten also nicht, wie es das Video suggeriert. Raffael Wüthrich ist dennoch überzeugt, dass das Geld auf den Lohn- und Sparkonten «sehr viel sicherer sein wird als heute». Der heutige Einlegerschutz beim Konkurs einer Bank von maximal 100'000 Franken pro Kunde sei zukünftig bei Lohnkonten nicht mehr nötig und könnte gänzlich für Sparkonten beansprucht werden.

Wirklich sicher ist Geld nur, «wenn man es in einen Tresor versorgt», um einen namentlich bekannten Gewährsmann zu zitieren. Die Vollgeld-Initianten wecken beim Thema Sicherheit Erwartungen, die sie nur bedingt erfüllen können. Vielleicht sollte der Grossvater sein Erspartes doch in die Matratze stecken.

Katsching! Zahltag und 11 Arten mit dem Geld umzugehen

Video: watson

Geldpolitik und Notenbanker

«Wir haben immer noch eine ungeliebte Aktien-Hausse»

Link zum Artikel

Haben uns die Finanzmärkte in Geiselhaft genommen?

Link zum Artikel

Werden die Ökonomen immer dümmer? Oder nur egoistischer?

Link zum Artikel

Der schwache Dollar und der US-Finanzminister

Link zum Artikel
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

49 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Pitsch Matter
25.04.2018 10:27registriert September 2016
Klar ist das Sparkonto weiterhin gefährdet, aber die Bank darf bei Annahme der Vollgeldinitiative nur mit dem tatsächlichen Guthaben auf dem Sparkonto arbeiten und nicht aus dem Guthaben das 20-fache aus dem nichts erzeugen und dies verleihen. Die Bank wird gezwungen mit weniger Risiko zu arbeiten. Das Finanzsystem wird deutlich sicherer.
12639
Melden
Zum Kommentar
Michael Schwyzer
25.04.2018 12:11registriert April 2018
Die Guthaben auf unseren Konten sind nur Versprechen (der Bank) auf die Auszahlung von echtem Geld (= gesetzliches Zahlungsmittel = Franken).
Heute ist es falsch davon zu sprechen, man habe 100 Franken auf dem Bankkonto. Richtig wäre: Ich habe bei Bank XY Anspruch auf die Auszahlung von 100 Franken.
Geld und eine Forderung auf Geld sind nicht dasselbe. Spätestens wenn die Bank meiner Forderung nicht nachkommen kann, mir also am Schalter keine 100 Franken Bargeld auszahlen kann, wird das auch die Mehrheit der Menschen merken.
917
Melden
Zum Kommentar
Pafeld
25.04.2018 10:34registriert August 2014
Wow, Herr Blunschi...
Legitimierung der Manipulation des wohl allerheiligsten Abstimmungsbüchleins durch den BR weil das Initiativkommitee ein überspitztes Argument vorbringt...
Behauptung, Bargeld im Tresor sei absolut sicher...
Das Sie kein Fan der Initiative sind, ist nichts neues. Aber das können Sie besser...
7728
Melden
Zum Kommentar
49

«Ein Schwarzer war unerträglich»: Musste CS-Chef Thiam wegen der Hautfarbe gehen?

Ein Bericht der «New York Times» stellt der Grossbank und der Schweiz ein schlechtes Zeugnis aus. Die Rede ist von Rassismus und Intoleranz - im Tram genauso wie an der Geburtstagsfeier des CS-Präsidenten.

Der frühere CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam (58), stolperte über die Beschattungsaffäre bei der Grossbank: Dieses Narrativ kommt ins Wanken. Ein Artikel der «New York Times» rückt die Zeit des Ivorers bei der Grossbank in ein anderes Licht. Rassismus und seine schwarze Hautfarbe haben demnach eine weit grössere Rolle gespielt. «Andere Bankchefs haben weit grössere Skandale überstanden», schreibt das Blatt. «Es ist eine offene Frage, ob ein CEO mit einem anderen Hintergrund den …

Artikel lesen
Link zum Artikel