Schweiz
Wallis

Brand in Crans-Montana: Deckenmaterial laut Experten hochentzündlich

Crans Montana Brand Le Constellation
Der Betreiber der Bar Le Constellation hat den eigenhändig vorgenommenen Umbau mit Bildern dokumentiert.Bild: Screenshot X

Bilder zeigen eigenhändigen Umbau der Bar – Deckenmaterial «hochentzündlich»

Nach dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana konzentrieren sich die Ermittlungen zunehmend auf den Innenausbau des Lokals. In sozialen Netzwerken kursiert ein Foto, das mutmasslich während früherer Umbauarbeiten entstanden ist und nun neue Fragen aufwirft.
03.01.2026, 09:2603.01.2026, 15:27

Die Aufnahme soll den Moment zeigen, in dem grossflächig schaumstoffartige Elemente an der Decke montiert wurden. Es handelt sich offenbar um jene Deckenverkleidung, die in den Aufnahmen aus der Brandnacht als brennend herabtropfendes Material zu sehen ist. Sollte sich die Echtheit des Bildes bestätigen, könnte es dokumentieren, wann und wie die spätere Brandlast eingebaut wurde.

Crans Montana Brand Le Constellation
Dieses Bild der Bar Le Constellation kursiert im Netz.Bild: Screenshot x

Deckenisolierung offenbar seit Jahren im Einsatz

Unklar ist derzeit, wann genau das Foto entstanden ist. Bekannt ist jedoch, dass der Betreiber das Lokal nach der Übernahme im Jahr 2015 umfassend umbauen liess. Bilder auf Online-Plattformen aus dem Jahr 2016 zeigen die Bar bereits mit der auffälligen Deckenstruktur. Das würde bedeuten, dass das fragliche Material über Jahre hinweg Teil des laufenden Betriebs war.

Auf vielen älteren Bildern aus dem Innern der Bar ist die Decke mit den Schaumstoffelementen verkleidet.
Auf vielen älteren Bildern aus dem Innern der Bar ist die Decke mit den Schaumstoffelementen verkleidet. bild: Screenshot Tripadvisor

Damit stellt sich die Frage, ob diese Konstruktion jemals bei Brandschutzkontrollen beanstandet wurde – und falls nicht, weshalb. Auch ob das verwendete Material den geltenden Vorschriften entsprach, ist Gegenstand der laufenden Abklärungen.

Experten warnen vor hoher Brandlast

Britische Brandschutzfachleute äusserten sich gegenüber der BBC zum mutmasslich verwendeten Material. Es soll sich um schallabsorbierenden Polyurethan-Schaum handeln, der aufgrund seiner wabenartigen Struktur auch als «Eierkartonschaum» bezeichnet wird. Solche Materialien werden teils mit Flammschutzmitteln versehen, deren Wirkung jedoch mit der Zeit nachlassen kann.

Unbehandelt oder gealtert gilt Polyurethan als hochentzündlich. Fachleute warnen, dass sich Feuer bei entsprechender Oberfläche extrem schnell ausbreiten könne – begleitet von dichtem, giftigem Rauch, der die Fluchtzeit für Menschen drastisch verkürzt.

Crans Montana Decke Feuer
In einem Video ist zu sehen, wie die Schaumstoffelemente an der Decke Feuer fangen.Bild: Screenshot Video

Kritik an Kontrollen im Wallis

Unabhängig vom konkreten Fall werden auch strukturelle Fragen laut. Ein Gastronom aus der Region sagte anonym, er sei in vielen Jahren nur selten kontrolliert worden. Ähnliche Einschätzungen äusserten Brandschutzexperten bereits früher: In der Schweiz werde stark auf Eigenverantwortung gesetzt, Kontrollen seien je nach Kanton unterschiedlich streng.

Im Wallis liegt die Zuständigkeit beim Brandschutz bei den Gemeinden. Eine kantonale Gebäudeversicherung, wie sie andere Kantone kennen, existiert dort nicht – was die Aufsicht zusätzlich fragmentiert.

Der Walliser Sicherheitsdirektor vertraute gegenüber watson auf die Kontrollen der Gemeinden:

Video: watson/reto heimann, lucas zollinger

Schalldämmung als möglicher Auslöser?

Ein möglicher Hintergrund für den Einbau der Deckenverkleidung könnten frühere Lärmbeschwerden gewesen sein. Laut Recherchen gab es wiederholt Konflikte mit Anwohnern über Musik und Betriebslärm. Denkbar ist, dass die Decke nachträglich zur Schalldämmung angepasst wurde – mit Material, das sich später als brandgefährlich erwies.

Auf Videos aus der Brandnacht sei klar zu erkennen, dass brennendes Material von der Decke tropfte, sagte ein Brandschutzberater bereits kurz nach der Katastrophe. Das spreche für Kunststoffbestandteile.

Im Video ist zu sehen, wie wohl geschmolzener Schaumstoff von der Decke tropft.Video: watson/X

Staatsanwaltschaft prüft fahrlässige Tötung

Die Ermittlungsbehörden untersuchen derzeit, ob die verwendeten Baumaterialien den Schweizer Brandschutzvorgaben entsprachen und ob es Versäumnisse bei Planung, Kontrolle oder Betrieb gab. Nach aktuellem Stand richtet sich das Verfahren noch gegen unbekannt, konkrete Beschuldigungen liegen nicht vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Das Foto aus der Umbauphase bleibt dennoch ein zentrales Puzzleteil – und könnte entscheidend sein, um zu klären, ob aus baulichen Entscheidungen eine tödliche Falle wurde. (mke)

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281 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FACTS
03.01.2026 09:55registriert April 2020
Vielleicht sollte man Brandschutzaufgaben auch nicht wie im Wallis an die Gemeinden herunter delegieren, wo jeder jeden kennt und handfeste finanzielle Interessen und pers. Verbindungen bestehen.

Das wäre definitiv besser Kantonsaufgabe.
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Mulumbi
03.01.2026 09:57registriert April 2024
"In der Schweiz werde stark auf Eigenverantwortung gesetzt..." Da ist es wieder, das Unwort seit Corona. Eigenverantwortung reicht einfach bei solch eminent wichtigen Dingen NICHT aus.
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Heini Hemmi
03.01.2026 09:56registriert November 2017
„Im Wallis liegt die Zuständigkeit beim Brandschutz bei den Gemeinden.“ Unfassbar! Dieser Kanton überrascht mich immer wieder aufs Neue.
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