Bilder zeigen eigenhändigen Umbau der Bar – Deckenmaterial «hochentzündlich»
Die Aufnahme soll den Moment zeigen, in dem grossflächig schaumstoffartige Elemente an der Decke montiert wurden. Es handelt sich offenbar um jene Deckenverkleidung, die in den Aufnahmen aus der Brandnacht als brennend herabtropfendes Material zu sehen ist. Sollte sich die Echtheit des Bildes bestätigen, könnte es dokumentieren, wann und wie die spätere Brandlast eingebaut wurde.
Deckenisolierung offenbar seit Jahren im Einsatz
Unklar ist derzeit, wann genau das Foto entstanden ist. Bekannt ist jedoch, dass der Betreiber das Lokal nach der Übernahme im Jahr 2015 umfassend umbauen liess. Bilder auf Online-Plattformen aus dem Jahr 2016 zeigen die Bar bereits mit der auffälligen Deckenstruktur. Das würde bedeuten, dass das fragliche Material über Jahre hinweg Teil des laufenden Betriebs war.
Damit stellt sich die Frage, ob diese Konstruktion jemals bei Brandschutzkontrollen beanstandet wurde – und falls nicht, weshalb. Auch ob das verwendete Material den geltenden Vorschriften entsprach, ist Gegenstand der laufenden Abklärungen.
Experten warnen vor hoher Brandlast
Britische Brandschutzfachleute äusserten sich gegenüber der BBC zum mutmasslich verwendeten Material. Es soll sich um schallabsorbierenden Polyurethan-Schaum handeln, der aufgrund seiner wabenartigen Struktur auch als «Eierkartonschaum» bezeichnet wird. Solche Materialien werden teils mit Flammschutzmitteln versehen, deren Wirkung jedoch mit der Zeit nachlassen kann.
Unbehandelt oder gealtert gilt Polyurethan als hochentzündlich. Fachleute warnen, dass sich Feuer bei entsprechender Oberfläche extrem schnell ausbreiten könne – begleitet von dichtem, giftigem Rauch, der die Fluchtzeit für Menschen drastisch verkürzt.
Kritik an Kontrollen im Wallis
Unabhängig vom konkreten Fall werden auch strukturelle Fragen laut. Ein Gastronom aus der Region sagte anonym, er sei in vielen Jahren nur selten kontrolliert worden. Ähnliche Einschätzungen äusserten Brandschutzexperten bereits früher: In der Schweiz werde stark auf Eigenverantwortung gesetzt, Kontrollen seien je nach Kanton unterschiedlich streng.
Im Wallis liegt die Zuständigkeit beim Brandschutz bei den Gemeinden. Eine kantonale Gebäudeversicherung, wie sie andere Kantone kennen, existiert dort nicht – was die Aufsicht zusätzlich fragmentiert.
Der Walliser Sicherheitsdirektor vertraute gegenüber watson auf die Kontrollen der Gemeinden:
Schalldämmung als möglicher Auslöser?
Ein möglicher Hintergrund für den Einbau der Deckenverkleidung könnten frühere Lärmbeschwerden gewesen sein. Laut Recherchen gab es wiederholt Konflikte mit Anwohnern über Musik und Betriebslärm. Denkbar ist, dass die Decke nachträglich zur Schalldämmung angepasst wurde – mit Material, das sich später als brandgefährlich erwies.
Auf Videos aus der Brandnacht sei klar zu erkennen, dass brennendes Material von der Decke tropfte, sagte ein Brandschutzberater bereits kurz nach der Katastrophe. Das spreche für Kunststoffbestandteile.
Staatsanwaltschaft prüft fahrlässige Tötung
Die Ermittlungsbehörden untersuchen derzeit, ob die verwendeten Baumaterialien den Schweizer Brandschutzvorgaben entsprachen und ob es Versäumnisse bei Planung, Kontrolle oder Betrieb gab. Nach aktuellem Stand richtet sich das Verfahren noch gegen unbekannt, konkrete Beschuldigungen liegen nicht vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Das Foto aus der Umbauphase bleibt dennoch ein zentrales Puzzleteil – und könnte entscheidend sein, um zu klären, ob aus baulichen Entscheidungen eine tödliche Falle wurde. (mke)
