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Brand in Crans-Montana: Familie sucht in Zürich nach vermisstem Sohn

Familie von Vermisstem nach Crans Montana Brand
Sucht nach ihrem 18-jährigen Sohn: eine Familie aus Lausanne.Bild: watson

Familie sucht Brandopfer in Zürich: «Wir hoffen sehr, dass es unser Sohn ist»

Seit der Brandnacht in Crans-Montana suchen Angehörige verzweifelt nach Vermissten. Auch eine Familie aus Lausanne hofft vor dem Zürcher Unispital auf eine Nachricht über ihren Sohn. Ein Hinweis aus sozialen Medien führte sie hierher.
02.01.2026, 17:5907.01.2026, 09:34

Vor dem Universitätsspital Zürich stehen sie dicht beieinander: Mutter, Vater, drei Kinder. Eigentlich wären sie zu sechst. Ein Kind fehlt.

Denn die Familie M.* sucht nach ihrem Sohn Ephraim. Seit der Silvesternacht fehlt von ihm jede Spur. Er war mit Freunden feiern in Crans-Montana, in jenem Lokal, in dem in der Neujahrsnacht ein verheerender Brand dutzende Menschen tötete und viele weitere schwer verletzte. Seither lebt die Familie in einem Zustand, den sie selbst kaum beschreiben kann.

«Wir suchen noch immer nach unserem Sohn», sagt der Vater zu watson. Die Familie ist extra aus Lausanne angereist – wegen eines Hinweises, der sie nicht mehr loslässt.

Vermisster Crans Montana
Vermisst seit der Silvesternacht: der 18-jährige Ephraim. Bild: zVg

Vielleicht, sagte man ihnen, vielleicht könnte ihr ältester Sohn hier in Zürich sein. «Jemand hat uns über Instagram geschrieben, dass er möglicherweise hier im Unispital liege. Es war nur ein Gerücht – aber wir sind sofort gekommen.»

Warten auf DNA-Resultat

Der Hinweis kam über die sozialen Medien. Wie bei vielen anderen Angehörigen auch. Auf der Instagram-Seite @cransmontana.avisderecherche werden seit der Brandnacht Beiträge zu vermissten Personen gesammelt. Auch die Familie M. wurde kontaktiert, weil sie dort ein Foto von Ephraim geteilt hatte.

Für sie war der Hinweis genug, um ins Auto zu steigen und quer durch die Schweiz zu fahren. Doch am Universitätsspital Zürich erfuhren sie, dass sie warten müssen. Ein bis zwei Tage, heisst es. Wegen der DNA-Abgleiche.

Vorher könnte man nicht garantieren, dass Ephraim in Zürich behandelt werde.

«Man hat uns gesagt, wir bräuchten Geduld», sagt die Schwester. «Jetzt reisen wir zurück nach Lausanne und warten auf das Resultat.»

*Update 3. Januar: Die Polizei hat die Familie inzwischen informiert, dass es ihr Sohn Epharim ist, der in Zürich behandelt wird. Zu seinem Gesundheitszustand wurden keine Angaben gemacht.

«Hoffen, dass er noch lebt»

Der Mutter fällt es schwer, Worte zu finden. Sie habe viel geweint seit gestern. «Wir hoffen sehr, dass es unser Sohn ist. Dass er noch lebt», sagt sie leise. «Und falls ja, hoffen wir, dass sie ihn nach Lausanne verlegen können.»

Anteilnahme mit den Opfern von Crans-Montana: Blumen und ein Schild vor dem Zürcher Universitätsspital.
Anteilnahme mit den Opfern von Crans-Montana: Blumen und ein Schild vor dem Zürcher Universitätsspital.

Ephraim war mit Freunden unterwegs, um den Jahreswechsel zu feiern. Mehr weiss die Familie nicht. «Er war einfach feiern», sagt seine Schwester. «Wir hätten niemals gedacht, dass so etwas daraus entstehen könnte.»

Vor dem Spital gehen Menschen ein und aus: Angehörige, Pflegepersonal, Besucher. Für die Familie M. bleibt nur das Warten. Auf eine Nachricht. Auf einen Anruf. Auf Gewissheit – in welche Richtung auch immer.

*Name geändert.

Das sagt der Walliser Spitaldirektor zu den Familien, die noch nach ihren Angehörigen suchen:

Video: watson/reto heimann, lucas zollinger

Mehr zur Brandkatastrophe in Crans-Montana:

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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disentis
02.01.2026 18:38registriert Februar 2015
«Jemand hat uns über Instagram geschrieben, dass er möglicherweise hier im Unispital liege.» - sorry, aber das ist doch genau das, was man nicht tun sollte - Gerüchte verbreiten. Warum tut man sowas? Diese Menschen sind verzweifelt... und ich wünsche ihnen viel Kraft und wenig Fehlinformationen von irgendwelchen Wichtigtuern.
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Chrisbe
02.01.2026 19:15registriert Oktober 2019
Hatte vor vielen Jahren ein ähnliches Szenario, da wurde ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft seit Tagen vermisst. Die Eltern waren gute Freunde von mir. Die Ungewissheit schnürt einem die Kehle zu, es gehen einem die schlimmsten Gedanken durch den Kopf, jede Minute wird gefühlt zu Stunden, man möchte etwas machen aber kann nichts tun, ... es ist unerträglich.
Wünsche den Betroffenen ganz viel Kraft und hoffe für sie auf gute Nachrichten 🙏
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Zinedine
02.01.2026 18:26registriert Dezember 2016
Ganz viel Kraft Ihnen, Familie M.
Mögen Sie von oben und von den Menschen um Sie herum durch diese schwere Zeit hindurch getragen werden. 💛🙏🏻
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Bar-Betreiber von Crans-Montana in U-Haft
Der Betreiber der Bar «Le Constellation» wurde am Freitag in U-Haft genommen. Das berichtet «24 Heures».
Das Betreiberpaar von «Le Constellation» ist am Freitag erstmals zur Brandkatastrophe in der Neujahrsnacht befragt worden. Kurz nach der Tragödie war ein Strafverfahren eröffnet worden. Die Morettis blieben dabei auf freiem Fuss. Sie hatten auch angekündigt, voll und ganz mit den Ermittlern zu kooperieren.
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