Familie sucht Brandopfer in Zürich: «Wir hoffen sehr, dass es unser Sohn ist»
Vor dem Universitätsspital Zürich stehen sie dicht beieinander: Mutter, Vater, drei Kinder. Eigentlich wären sie zu sechst. Ein Kind fehlt.
Denn die Familie M.* sucht nach ihrem Sohn Ephraim. Seit der Silvesternacht fehlt von ihm jede Spur. Er war mit Freunden feiern in Crans-Montana, in jenem Lokal, in dem in der Neujahrsnacht ein verheerender Brand dutzende Menschen tötete und viele weitere schwer verletzte. Seither lebt die Familie in einem Zustand, den sie selbst kaum beschreiben kann.
«Wir suchen noch immer nach unserem Sohn», sagt der Vater zu watson. Die Familie ist extra aus Lausanne angereist – wegen eines Hinweises, der sie nicht mehr loslässt.
Vielleicht, sagte man ihnen, vielleicht könnte ihr ältester Sohn hier in Zürich sein. «Jemand hat uns über Instagram geschrieben, dass er möglicherweise hier im Unispital liege. Es war nur ein Gerücht – aber wir sind sofort gekommen.»
Warten auf DNA-Resultat
Der Hinweis kam über die sozialen Medien. Wie bei vielen anderen Angehörigen auch. Auf der Instagram-Seite @cransmontana.avisderecherche werden seit der Brandnacht Beiträge zu vermissten Personen gesammelt. Auch die Familie M. wurde kontaktiert, weil sie dort ein Foto von Ephraim geteilt hatte.
Für sie war der Hinweis genug, um ins Auto zu steigen und quer durch die Schweiz zu fahren. Doch am Universitätsspital Zürich erfuhren sie, dass sie warten müssen. Ein bis zwei Tage, heisst es. Wegen der DNA-Abgleiche.
Vorher könnte man nicht garantieren, dass Ephraim in Zürich behandelt werde.
«Man hat uns gesagt, wir bräuchten Geduld», sagt die Schwester. «Jetzt reisen wir zurück nach Lausanne und warten auf das Resultat.»
*Update 3. Januar: Die Polizei hat die Familie inzwischen informiert, dass es ihr Sohn Epharim ist, der in Zürich behandelt wird. Zu seinem Gesundheitszustand wurden keine Angaben gemacht.
«Hoffen, dass er noch lebt»
Der Mutter fällt es schwer, Worte zu finden. Sie habe viel geweint seit gestern. «Wir hoffen sehr, dass es unser Sohn ist. Dass er noch lebt», sagt sie leise. «Und falls ja, hoffen wir, dass sie ihn nach Lausanne verlegen können.»
Ephraim war mit Freunden unterwegs, um den Jahreswechsel zu feiern. Mehr weiss die Familie nicht. «Er war einfach feiern», sagt seine Schwester. «Wir hätten niemals gedacht, dass so etwas daraus entstehen könnte.»
Vor dem Spital gehen Menschen ein und aus: Angehörige, Pflegepersonal, Besucher. Für die Familie M. bleibt nur das Warten. Auf eine Nachricht. Auf einen Anruf. Auf Gewissheit – in welche Richtung auch immer.
*Name geändert.
