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Schweiz
Winter

Après-Ski im «Bolgen-Plaza»: Missachtet Davos das Bundesgerichts-Urteil?

Tricksen sich die Davoser nun doch wieder zu längerem Après-Ski im «Bolgen Plaza»?

15.11.2016, 07:1815.11.2016, 14:39
Felix Burch
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Alles schien gegessen: Der Entscheid des Bundesgerichts setzte dem jahrelangen Streit rund um die Öffnungszeiten des Après-Ski-Mekkas Bolgen Plaza ein Ende – so dachte man.

Jetzt, knapp einen Monat später, ist unklar, ob das «Plaza» diese Saison tatsächlich jeweils bereits um 19 Uhr die Lichter löschen wird. Denn es gibt ein Hintertürchen. 

Das Bundesgerichtsurteil lässt einen gewissen Spielraum offen. Darin heisst es, es sei nicht ausgeschlossen, dass bei Nachtbetrieb des Skiliftes oder der Halfpipe ein «Plaza»-Raum geöffnet sein dürfe, in dem Schneesportler etwas trinken und sich aufwärmen können.* Wird nun durch häufigeren Nachtskilift-Betrieb auf dem Bolgen eine Umgehung des Bundesgerichtsurteils angepeilt? Die Bergbahnen Davos Klosters wollen sich dazu nicht äussern. Immobilien-Leiter Vidal Schertenleib sagt: «Leider können wir zur Zeit nichts Neues zum Thema Bolgen Plaza berichten.» 

ZUM JAHRESTREFFEN DES WORLD ECONOMIC FORUM (WEF) IN DAVOS, VOM MITTWOCH, 20. JANUAR BIS SAMSTAG, 23. JANUAR 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - View of Davos, Switzerland,  ...
Der Dorfsegen in Davos hängt schief.Bild: KEYSTONE

Dafür spricht Armon Vital, der Anwalt des Klägers Kurt Compagnoni. Sein Mandant und er seien offen für Diskussionen. «Aber nicht für Tricksereien oder Umgehungen des Urteils», sagt Vital. In Bälde stehe ein Treffen zwischen ihm, den Bergbahnen und der Gemeinde Davos – die das Gesetz umsetzten muss – an. 

«Da machen wir nicht mit»

Rechtsanwalt Vital stellt allerdings klar: «Streben die Bergbahnen durch eine tägliche Inbetriebnahme des Nachtskilifts ‹Plaza›-Öffnungszeiten bis 21 Uhr an, machen wir nicht mit.» Es gehe beim ganzen Fall auch darum, den Rechtsstaat zu verteidigen. Nur weil verschiedene Seiten den Bundesgerichtsentscheid in Frage stellten, heisse das noch lange nicht, dass er keine Gültigkeit habe. Nicht das Bolgen Plaza sei eine Institution, sondern das Bundesgericht. 

«Wir wollen jede Möglichkeit prüfen, um gegen den Beschluss vorzugehen.»
Vidal Schertenleib, Immobilien-Leiter der Bergbahnen im Blick

Doch genau auf die 21-Uhr-Strategie, zumindest für gewisse Tage, scheinen die Bergbahnen zu setzen. Zuerst kündigten sie an, sie wollten «jede Möglichkeit prüfen, um gegen den Beschluss vorzugehen». Vidal Schertenleibs Vater, Bergbahnen-CEO Carlo Schertenleib, wurde kurz danach etwas konkreter. Er will das Plaza bis 21 Uhr offen lassen. Das schulde man der Bevölkerung und dem Image von Davos. Ein Ende des Streits scheint vor diesem Hintergrund nicht in Sicht.

Bolgen Plaza
So sieht an schönen Tagen beim Plaza aus.bild: zvg

Über 4000 Unterschriften gesammelt 

Wie kann es ein, dass selbst nach einem Bundesgerichtsentscheid weiter gestritten wird? Was ist seit dem Beschluss genau geschehen?

  • Die Bergbahnen teilten unter anderem per Medienschreiben mit, wie schädlich der Beschluss für die ganze Region sei. Sie veröffentlichten den Namen von Kurt Compagnoni, dem Kläger.
  • Zahlreiche Medien nahmen die Geschichte auf und schrieben vom bösen Zürcher, der den Davoser Tourismus kille. Das «Plaza» sei eine Institution. 
  • Eine Welle der Empörung machte sich breit. Unter anderem wurde die Online-Petition Free Après-Ski Davos ins Leben gerufen, die bis heute weit über 4000 Personen unterschrieben haben.  
Plaza
Das Bolgen Plaza. Dahinter die Halfpipe und der Skilift.bild: zvg

Der Plan der Bergbahnen geht auf

Damit ist den in Davos überaus mächtigen Bergbahnen gelungen, was sie erreichen wollten: Nicht sie, die sich jahrelang nicht an die Gesetze hielten und unter anderem ohne Bewilligung eine Aussenterrasse bauten, haben Schuld an der jetzigen Lage, sondern Compagnoni.

Nun sieht es so aus, als hätte Compagnoni – der Unterländer und der Zweitwohnungsbesitzer – böswillig der halben Deutschschweiz die Après-Ski-Party versaut. Viele grölen nach, was ihnen die Bergbahnen vorschreien. Dadurch lenken die Bahnen davon ab, dass sie in einem klar als Landwirtschafts- und Wintersportzone definierten Raum unrechtmässig ein bescheidenes Beizli zu einem Après-Ski-Tempel umgewandelt haben. 

«Der Hass und die Aggressionen sind kaum vorstellbar.»
Kläger Kurt Compagnoni in der «Davoser Zeitung»

Der Druck auf Compagnoni ist indes gewaltig. Der Hass und die Aggressionen seien kaum vorstellbar, sagte er in der Davoser Zeitung. Innert kürzester Zeit wurde er zum Buhmann der Nation. Er und sein Anwalt werden sich diesem Druck aber nicht beugen, wie sie sagen.  

Das Jakobshorn startet am 26. November in die neue Saison. Dann öffnet auch das Bolgen Plaza seine Tore. 

*Bisher war der Nachtskilift an zwei Abenden pro Woche geöffnet.

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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x4253
15.11.2016 08:00registriert Juli 2016
"Nicht das Bolgen Plaza sei eine Institution, sondern das Bundesgericht." Das sehen die Bergkönige sicherlich anders, denn auch das Bundesgericht ist ja im Unterland, und Unterländer haben sowieso nichts zu melden.

Die Bergbahnen haben sich schlicht einen Dreck um bestehende Gesetze geschehrt, und nun die Quittung dafür bekommen.
Für die Hetzkampagne welche gegen Compagnioni geführt wird habe ich 0 Verständnis.
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Hierundjetzt
15.11.2016 07:49registriert Mai 2015
Da hat jemand echt zuwenig Sauerstoff:

"Wir schulden das der Bevölkerung"

Aha. Eine Besenbeiz muss offen bleiben, weil aus Gründen. Weil das Bundesgericht falsch liegt aber einVidal voll richtig.

Jedesmal wenn man meint, der Tiefpunkt sei erreicht, kommt wieder ein Davoser und unterbietet diesen.
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Timä
15.11.2016 11:51registriert März 2015
Team Compagnoni!! :D

Die wenigsten würden sich so intensiv für ihr Recht einsetzen. Finde es gut haut mal jemand auf den Tisch und sagt was Sache ist!
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