Schweiz
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The city of Bern with the Federal Palace, the parliament building, under a blanket of snow, Sunday, May 5, 2019. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

In Bern schneit es durchschnittlich am 23. März letztmals. Heute wurde mit dem 5. Mai der bisherige Rekord des spätestens Schnees vom 1. Mai 1945 gebrochen. Bild: KEYSTONE

Schnee im Mai?! Alles, was du zum Rekord-Schneefall wissen musst – und nun kommt der Frost

Heute schneite es vereinzelt bis ins Flachland. Bern erhielt bis zu vier Zentimeter Neuschnee, auch in St.Gallen gab es eine weisse Decke. Dass im Flachland im Mai noch Schnee fällt, ist aussergewöhnlich. Was sagen die Daten der letzten Jahrzehnte und was bedeutet das für Hobbygärtner? 9 Fragen und Antworten.

reto fehr, Mark Walther (ch media)



Wie oft schneit es im Mai?

Schnee im Mai ist im Flachland der Deutschschweiz aussergewöhnlich. In Basel gab es dies seit Aufzeichnungsbeginn 1931 noch nie (Rekord am 27. April 1985). In Bern gab es vor heute nur 1945 im Mai (1. Mai) Schneefall von mehr als einem Zentimeter, der es in die Statistik schaffte. In Luzern kam Mai-Schnee bisher dreimal vor (Rekord: 6. Mai 1892), in Zürich schneite es bisher 5-mal im Mai (Rekord 28. Mai 1961). St.Gallen registrierte heute zum 13. Mal Schnee im Mai. Der Rekord für den letzten Schnee des Jahres liegt allerdings am 1. Juni (1962).

Letzte Schneefälle an 8 Messestationen:

Klicke auf die Pfeile, um den Standort zu wechseln (Basel, Zürich, Bern, Luzern, St.Gallen, Altdorf, Engelberg, Arosa):

Später Schnee – die Rekorde

Der späteste jemals gemessene Neuschnee an den 20 Stationen (Grafik unten) lag am 28. Juli 1926 in Arosa. Im Durchschnitt fällt der letzte Neuschnee im Bündner Wintersportort am 13. Juni – das ist das späteste Datum aller Stationen. Den Rekord für den frühesten letzten Schnee hält Basel: Im Winter 2013/2014 schneite es letztmals am 21. November 2013. In der Stadt am Rhein hört es durchschnittlich am 7. März auf zu schneien. In Bern schneite es seit Messbeginn 1931 noch nie so spät im Jahr. Der bisherige Rekord stammt vom 1. Mai 1945. In Zürich kommt der letzte Schnee seit Aufzeichnungsbeginn im Schnitt am 4. April.

Die Rekorde pro Messstation

Wie es an den anderen Stationen aussieht, siehst du beim Klick auf die Schneeflocken:

Fullscreen-Modus

Daten: Meteo Schweiz, Grafik: Mark Walther

So entwickelte sich der Zeitpunkt des letzten Schneefalls

Frühlingsschnee ist weiterhin möglich, weil er von einer Zufalls-Wetterlage abhängt (siehe 4.), die weiterhin auftreten wird. Allerdings dürfte der Schneefall ab dem Spätwinter generell rarer werden.

Die Wetterdienste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwarten wegen des Klimawandels bis ins Jahr 2100 in den Alpen einen Temperaturanstieg um mindestens zwei Grad Celsius im Jahresdurchschnitt. Sie gehen in einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier davon aus, dass sich die Dauer der Schneebedeckung im Spätwinter um mehrere Wochen reduzieren wird.

An wenigen Stationen ist die Tendenz zu früher auftretendem letzten Schneefall bereits heute sichtbar, etwa in Altdorf und Engelberg (Grafik-Strecke bei Punkt 1). In Basel fiel der letzte Schnee seit Messbeginn 1931 fünf Mal vor der Jahreswende. All diese Ereignisse finden sich in der neueren Hälfte der Messreihe. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Luzern: Neun Mal fiel der letzte Schnee vor Februar. Auch hier fallen alle Ereignisse in die zweite Hälfte der Messreihe.

Gerade in höheren Lagen ist dieser Trend aber nicht zu beobachten, wie die Beispiele von St.Gallen oder Arosa zeigen. Meteo Schweiz hat die Datenreihen des letzten Schnees bisher nicht auf langfristige Trends untersucht. Es bleibt also offen, wie aussagekräftig die an einigen Orten sichtbaren Veränderungen sind. Etwas lässt sich aber sagen: «Schnee im April ist auch im Flachland nicht aussergewöhnlich, im Mai allerdings schon», erklärt Sabrina Lang, Meteorologin bei Meteo Schweiz.

Wie kommt es zu spätem Schneefall?

Eine zufällig auftretende Wetterlage ist für späten Schneefall verantwortlich. Ausschlaggebend ist der Jetstream. Wenn er sich kurvenreich bewegt, kann Höhenkaltluft aus den arktischen Gebieten zu uns vorstossen. Auf der Rückseite eines Kaltluftvorstosses kann es mit Nordwestwind auch im Mai noch Schnee bis in tiefere Lagen geben. «Die aktuelle Kaltfront ist arktische Luft direkt von der Barentssee nördlich von Skandinavien», wie Lang erklärt.

Ob es zuvor warm war, spielt keine Rolle. Eindrücklich zeigte sich das am Pfingstmontag 2007: Am 28. Mai schneite es bis auf 600 Meter hinunter. Blumer erinnert sich: «Grindelwald war von der Aussenwelt abgeschnitten, weil zahlreiche Bäume unter der Schneelast zusammenbrachen. Noch zwei Tage zuvor wurden in der Schweiz stellenweise mehr als 25 Grad gemessen.»

Sagt später Schneefall etwas über den Winter aus?

Nein. Der letzte Schnee kann in einem schneereichen Winter früher fallen als in einem schneearmen Winter. Entscheidend sind alleine Kaltluftausbrüche aus Norden oder Nordwesten (siehe 4.) im Frühling.

Ist später Schneefall ein Problem für die Landwirtschaft?

Nicht zwingend. Schnee kann Pflanzen sogar vor Frost schützen. Er isoliert den Boden und hält die Kälte fern. Schnee ist ein Problem, wenn Äste unter grosser Schneelast abbrechen.

Frost ist hingegen das Todesurteil für viele Pflanzen. Das erlebte die Schweiz zuletzt 2017. In Buchs bei Aarau wurden am 21. April 2017 in der Früh -2.9 Grad gemessen. Die Bodentemperatur betrug nur noch -7.3 Grad. Am 30. April kam der Frost noch einmal zurück. Mit fatalen Folgen: Viele Bauern verloren ihre ganze Ernte oder einen grossen Teil davon. Die Branche büsste laut Obstverband 300 Millionen Franken Umsatz ein. Der Aargauer Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth sprach von einem «Jahrhundert-Frost».

Aargauer Weinbauern kämpfen mit Frostschutzkerzen gegen Schäden an ihren Reben (Video vom 21. April 2017).

Video: © Raphael Nadler

Was müssen Hobbygärtner jetzt tun?

Für die Landwirtschaft ist der Schnee weniger das Problem, ausser es liegt so viel auf Abdeckungen, dass die Pflanzen drunter erdrückt werden.

Auch für Hobbygärtner ist Schnee weniger das Problem als Frost – und «dieser kommt in der Nacht auf Montag und dann vor allem in der Nacht auf Dienstag mit Minus 4 bis Minus 6 Grad in weiten Teilen des Landes», wie Lang vorausschaut.

Hirzel Schnee am 5. Mai, Bild: Leserreporter

Fast vorbildlich: Allerlei Kräuter vom Schnee geschützt auf einem Balkon auf dem Hirzel ZH. bild: watson/userinput

Sie empfiehlt drum: «Wer Erdbeeren, Gurken, Tomaten und Co. schon im Garten hat, soll die unbedingt abdecken. Noch besser wäre es natürlich, die Pflanzen über Nacht rein zu nehmen. Auf Balkonen ist Bodenfrost nicht das Problem, für Luftfrost ist es wohl meist zu wenig kalt. Aber auch hier gilt über Nacht lieber vorsichtig sein: Ins Haus nehmen, abdecken, an die Hauswand und/oder in die Höhe stellen.»

Wie geht es die nächsten Tage weiter?

Wie oben erwähnt, bleibt die kalte Luft in der Schweiz. In der Nacht auf Montag dürfte es vor allem im Berner Seeland und am Jura-Südfuss zu Bodenfrost kommen, in der Ostschweiz aufgrund der Bewölkungslage noch etwas weniger. In der Nacht auf Dienstag erwartet Meteo Schweiz aber auch dort Bodenfrost bei Minus 4 bis Minus 6 Grad.

Folgt nach spätem Schnee ein Hitzesommer?

Ein einzelner später Schneefall ist kein Hinweis darauf, wie das Wetter im Sommer wird. Allerdings steigen die Chancen auf einen heissen Sommer, wenn der Frühling in Mitteleuropa nass und kalt ist, wie Blumer schreibt.

So war der Hitzesommer 2018

Der Grund: Wenn der Atlantik anfangs Sommer deutlich wärmer ist als das europäische Festland, ist die Chance gross, dass sich über Mitteleuropa ein Hoch bilden kann, das sich festsetzt. Das Phänomen war in den Hitzesommern 2003 und 2018 zu beobachten. 2018 habe sich die Wetterlage anfangs April umgestellt, als auf einen kalten und nassen Februar und März ein «ewiger Sommer» folgte, so Blumer. Noch extremer war es 2003, als sich die Wetterlage schon im März änderte.

Dieser Artikel wurde in ähnlicher Form schon am 4. April nach dem ersten Wintercomeback veröffentlicht.

(aargauerzeitung.ch)

Die Wucht und Pracht des Schnees in 28 Bildern

Wenn du nicht wahrhaben willst, dass der Winter vorbei ist

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41
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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • swisskiss 05.05.2019 19:35
    Highlight Highlight Schreibs gerne nochmals, da anscheinend eine gewisse Erkenntnisresistenz bei watson besteht.

    Mein Kommentar vom 4. April:
    "Was mit Sicherheit falsch ist:"In Buchs bei Aarau wurden am 21. April 2017 in der Früh -2.9 Grad gemessen. Die Bodentemperatur betrug nur noch -7.3 Grad."(sic) Die Bodentemperatur kann nicht fast 5 Grad kälter sein als die Lufttemperatur zu dieser Zeit im Jahr. -0.3Grad ist wohl der richtige Wert.
  • Garp 05.05.2019 19:14
    Highlight Highlight Schnee und Frost im Mai,
    Petrus ist wohl high.

    🙈
  • Bauer 05.05.2019 16:41
    Highlight Highlight Momentan wünsche ich mir ein wenig mehr Klimaerwährmung
    • orso129 05.05.2019 23:49
      Highlight Highlight Zum Glück etwas Abkühlung, so dass es nicht fast jeden Monat einen neuen Wärmerekord gibt...
    • RichPurnell 06.05.2019 14:18
      Highlight Highlight Es heisst KlimaWANDEL.
      Merken sie was? Beim Wandel gehören vermehrt extreme Wetterverhältnisse dazu, wie vorhergesagt.
  • Snowy 04.04.2019 11:27
    Highlight Highlight Unexpected Powder Big Day ahead! 😍

    Morgen freigenommen.

    Schnee Olé! 😍❄️🚀

    @Schnee-Hater: MimiMiMi. Dies ist die Schweiz. Hier schneit es. Ja, auch im April!
    • wololowarlord 05.05.2019 20:52
      Highlight Highlight *mai
  • Nonkonformist 04.04.2019 11:00
    Highlight Highlight Der letzte Satz ist so typisch: Ist es kalt und schneit es, ist das Wetter, ist es heiss und trocken, dann ist es die Klimaerwärmung....
    Wenn es im April noch im Flachland schneit und in den Bergen noch so viel Schnee liegt, dass man bis im Mai Skifahren kann, dann kann der böse Klimawandel gar nicht so schlimm sein, wie sie uns immer wieder einreden wollen.
    • Herr Noergler 04.04.2019 16:02
      Highlight Highlight Sie haben den Unterschied zwischen Wetter und Klima offensichtlich auch nicht verstanden.
    • Lienat 05.05.2019 15:40
      Highlight Highlight Selbst wenn die kleine Schweiz ein ganzes Jahr am Stück eingeschneit wäre, hätte das auf das Weltklima ungefähr sowenig Einfluss wie mein Einkommen auf die Schweizerische Lohnstatistik.
    • swisskiss 05.05.2019 18:56
      Highlight Highlight Nonkonformist: Hast Du Dir Deine Kompetenz direkt von der SVP Homepage zugelegt, oder lässt Du denken?

      Schau Dir doch mal eine Klimastatistik an. Da siehst Du die temperaturbedingten Aussreiser nach oben und unten und den Temperaturtrend, der über einen Zeitraum von 30 Jahren gemessen wird.

      Vielleicht verstehst auch Du dann den Unterschied zwischen kurzfristigem Wetter, dass durchaus extreme Unterschiede zeigen kann und dem Klima, dass langfristige Entwicklungen darstellt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Olmabrotwurst 04.04.2019 11:00
    Highlight Highlight Wenns in Zürich draussen mehr schneit als im Büro.
  • Chanich das ändere? 04.04.2019 10:50
    Highlight Highlight sometimes it snows in April :-)
    • Herr Kules 04.04.2019 13:26
      Highlight Highlight Username checks out
  • ChiefJustice 04.04.2019 10:16
    Highlight Highlight Keine Ahnung, ob das jetzt normal oder Durchschnitt oder apokalyptisch ist, sicher ist, dass morgen ein epischer Powder-Tag wird. Freeride-Latten schnappen und dann ab nach Airolo oder den Haldigrat für tree runs :)
    • Martinov 04.04.2019 11:08
      Highlight Highlight Uetliberg, du musst auf de Uetliberg!
    • djohhny 04.04.2019 11:08
      Highlight Highlight Episch gefährlich ja, bereits hohe Lawinengefahr und es schneit immer nich wie blöd. Gruss aus dem bündner Oberland
      Benutzer Bild
    • Michaka 04.04.2019 11:21
      Highlight Highlight Airolo ist morgen noch zu ;-), macht erst am Sa auf!
    Weitere Antworten anzeigen
  • swisskiss 04.04.2019 10:14
    Highlight Highlight Was mit Sicherheit falsch ist:"In Buchs bei Aarau wurden am 21. April 2017 in der Früh -2.9 Grad gemessen. Die Bodentemperatur betrug nur noch -7.3 Grad."(sic) Die Bodentemperatur kann nicht fast 5 Grad kälter sein als die Lufttemperatur zu dieser Zeit im Jahr. -0.3Grad ist wohl der richtige Wert.
  • James Twenty 04.04.2019 09:59
    Highlight Highlight Frage: Wie definiert man den spätesten gefallenen Schnee?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass bis dann (Arosa, Davos im Juli) noch der alte Schnee lag. Und wiederum gab es auch im September dort schon Schneefall. 🤔
    Gibt es da eine Grenze, ab wann es der frühste Schneefall wird? 😅
  • Bangarang 04.04.2019 09:50
    Highlight Highlight I bims enttäuscht! Jetzt wurde mir Klimawarm versprochen und ich kriegs nur Pflotsch auf die Fresse.

    I bims verwirrt.
    • Michaka 04.04.2019 17:35
      Highlight Highlight Alter, was für 1 Wetter!
    • RichPurnell 06.05.2019 14:21
      Highlight Highlight Mein Beileid für deine Bildung.
    • Bangarang 06.05.2019 16:56
      Highlight Highlight Mein Beileid zu deinem Ironieverstädniss
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