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Gratis-Antikörpertests bei grossen Firmen: Was bringt das eigentlich?

Obwohl der Nutzen der Corona-Antikörpertests umstritten ist, können Angestellte mehrerer grosser Unternehmen gratis zum Test. Bei anderen Grossfirmen wie Coop, Migros, Post und SBB besteht das Angebot nicht.

Andreas Möckli / ch media



Für die Mitarbeiterin dauert der Spuk nur einige Minuten. Ihr wird etwas Blut entnommen, dieses wird in ein Teströhrchen gefüllt, anschliessend geht die Probe ins Labor.

Nach einigen Tagen erhält die Mitarbeiterin das Resultat. Die Rede ist vom Corona-Antikörpertest. Mit diesem kann festgestellt werden, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert war.

In vielen Fällen ist nicht klar, ob sich jemand in den vergangenen Wochen oder Monaten mit dem Coronavirus infiziert hat. Der Antikörpertest kann darüber Aufschluss geben.

In vielen Fällen ist nicht klar, ob sich jemand in den vergangenen Wochen oder Monaten mit dem Coronavirus infiziert hat. Der Antikörpertest kann darüber Aufschluss geben. Bild: Keystone

Zunehmend bieten nun grosse Unternehmen ihren Mitarbeitern kostenlose Antikörpertests an. Als einer der ersten Konzerne startete die Credit Suisse damit, wie die Tamedia-Onlineportale berichteten.

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Neben der Grossbank offerieren auch der Versicherer Zurich, Roche sowie Helsana ihren Mitarbeitern einen Gratistest, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigt. Bei Nestlé läuft derzeit eine Pilotphase im Forschungszentrum in Lausanne.

Erstaunlicherweise hat etwa die Credit Suisse und die Zurich rascher Tests angeboten als Roche. Dies, obwohl der Pharmakonzern selbst einen Antikörpertest entwickelt hat und dafür Anfang Mai in die USA die Zulassung erhielt.

Wiegen sich die Mitarbeiter in falscher Sicherheit?

Die Tests werden jeweils in den Räumlichkeiten der Firmen durchgeführt. Meist können sich die Mitarbeiter online anmelden. Die Testergebnisse sind anonym, die Unternehmen erfahren also nicht, ob jemand positiv ist oder nicht. Die Tests stellten keine Bedingung für die schrittweise und freiwillige Rückkehr ins Büro dar, sagt ein Sprecher der Zurich stellvertretend für die anderen Firmen.

Was also bringen die kostenlosen Antikörpertests den Unternehmen überhaupt? «Wir sehen, dass die Mitarbeiter verunsichert sind und Fragen haben», sagt dazu Olaf Schäfer, Leiter Leistungsmanagement beim Krankenversicherer Helsana. Als Firma wolle Helsana die Mitarbeiter von der Sorge entlasten, ob sie sich angesteckt haben oder nicht.

Olaf Schäfer, Leiter Leistungsmanagement beim Krankenversicherer Helsana.

Olaf Schäfer, Leiter Leistungsmanagement beim Krankenversicherer Helsana. Bild: ch media

Oft sei ja nicht klar, ob sich jemand mit dem Virus infiziert habe, wenn er in den vergangenen Monaten nur milde Symptome wie Fieber, Husten oder Halsschmerzen gehabt habe. «Wir glauben, die Angestellten arbeiten entspannter, besser und damit auch produktiver, wenn sie Gewissheit haben», sagt Schäfer. Helsana bietet den Test auch den Familienangehörigen der Mitarbeiter gratis an.

Abstinente Firmen verweisen auf den Bund

Derzeit ist nicht bekannt, ob jemand, der sich mit Corona infiziert und Antikörper gebildet hat, tatsächlich immun ist und nicht erneut krank werden kann. Unklar ist zudem, ob jemand mit Antikörpern nicht länger ansteckend ist. Mit diesen Unsicherheiten argumentiert etwa die Swisscom, weshalb sie den Mitarbeitern keine Antikörpertests anbietet.

Zudem habe die grosse Mehrheit der Menschen heute noch keine Covid-19-Erkrankung durchgemacht, sagt ein Sprecher. Daher könne ein Test bei all diesen auch keine Antikörper nachweisen. «Letztlich wäre es in unseren Augen potenziell kontraproduktiv für die Einhaltung der Verhaltensmassnahmen, wenn ein Teil der Belegschaft wegen eines positiven Ergebnisses diese Massnahmen nicht mehr einhält.»

Andere Unternehmen, die keine Gratistests anbieten, verweisen auf die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit. Dazu zählen etwa Coop, Migros, die Post und die SBB. «Würde es seitens des BAG eine solche Empfehlung geben, würden wir diese umsetzen», sagt ein Sprecher der Post.

Im Gegensatz zu Credit Suisse, Roche & Co. verfügt die UBS nicht über ein eigentliches Angebot für einen Gratistest. Die Grossbank übernimmt die Kosten für einen Test pro Mitarbeiter, falls in seinem Herkunftsland die Kosten etwa durch die Krankenkasse nicht gedeckt werden. In der Schweiz ist dies nicht der Fall, weshalb die Bank die Kosten eines einzigen Tests übernimmt. Wie bei den anderen Firmen ist das Ergebnis Privatsache.

Gratistests stossen auf hohe Nachfrage

Der Versicherer Swiss Life hat sich noch nicht entschieden. Was die Aussagekraft und den Nutzen solcher Tests anbelange, gebe es noch offene Fragen, sagt eine Sprecherin. Die Firma verfolge die Entwicklung genau und werde basierend auf den Erkenntnissen entscheiden, ob und in welcher Form solche Tests ergänzend angeboten werden.

Die Firmen, welche die Tests anbieten, scheinen bei den Mitarbeitern einen Nerv getroffen zu haben. Bei der Helsana haben sich innerhalb der ersten zwei Tage nach dem Start rund 500 Mitarbeitende für den Test angemeldet. Das ist etwas mehr als jeder sechste Angestellte. Die anderen Firmen halten sich mit Zahlen bedeckt.

Die Credit Suisse etwa spricht von einem «sehr grossen Interesse» seitens der Mitarbeiter. Das Pilotprojekt sei plangemäss an einem CS-Standort in Zürich umgesetzt worden, sagt ein Sprecher. «Wir werden den Antikörpertest nun auch unseren Mitarbeitern an grösseren Standorten in der Schweiz anbieten und die Testphase an unseren internationalen Standorten starten.»

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dave1974 15.06.2020 14:31
    Highlight Highlight Vor über einem Monat habe ich auch noch auf zuverlässige Antigentests gehofft und auf die damit verbundenen Erkenntnisse, die man aus einer breiter getesteten Masse hätte gewinnen können.
    Da man bezüglich Immunität aber nach wie vor nicht viel schlauer ist und immer wieder Mehrfachansteckungen genannt werden bin ich mir nicht mehr so sicher, ob diese Erkenntnisse förderlich wären.

    Dazu kommt, dass es offenbar auch eher dubiose Tests zu kaufen gibt und dann bringt es noch weniger bei falschen Resultaten.

    Regeln einhalten scheint mir bei dem Wissenstand noch immer der sichere Weg zu sein.
    • R. Peter 15.06.2020 15:18
      Highlight Highlight Es werden nicht immer wieder Mehrfachansteckungen gemeldet. Die prominenten aus Südkorea gemeldeten stellten dich als Fehler heraus.
  • cAMP 15.06.2020 14:30
    Highlight Highlight Bevor diese Tests ausreichend auf ihre Sensitivität und Spezifität geprüft wurden, ist deren Nutzung nicht sinnvoll.
    Meiner Meinung nach bildet der Körper sehr wahrscheinlich Antikörper, wenn die Infektion genug schwer war.
  • R. Peter 15.06.2020 14:01
    Highlight Highlight Wenn man bedenkt dass min. 80% der Personen die Covid durchgemacht haben keine Antikörper im Blut bilden, die im Test nachgewiesen werden könnten (stattdessen in den Schleimhäuten oder auf zellulärer Ebene), machen diese Tests ausserhalb der Forschung keinen Sinn.
    • what_else? 15.06.2020 20:42
      Highlight Highlight Was sind die Belege oder Quellen für diese Aussage? Es scheint durchaus Patienten zu geben ohne messbare Antikörperantwort. Aber 80% scheint eine Phantasiezahl. Wäre eigentlich gut gewesen, solche Daten im Artikel aufzuführen, wenn watson etwas sorgfältiger recherchieren würde.
    • R. Peter 15.06.2020 22:24
      Highlight Highlight „Scheint eine Phantasiezahl“? Was scheint denn daran nach Fantasie?

      Hier die Studie (Preprint):
      https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.05.21.108308v1

      Der Tagesanzeiger hat auch berichtet, müsstest du suchen. Google hilft der Fantasie auf die Sprünge.
  • BiffiZ07 15.06.2020 13:18
    Highlight Highlight Ich fände es super, solch einen Test machen zu dürfen. Da ich zwar nie so krank war, dass ich es nicht mehr zum Bett aus geschafft habe, blieb der leider nicht ausreichende Verdacht. So käme ich meiner Antwort etwas näher.
    • Madison Pierce 15.06.2020 15:48
      Highlight Highlight Du kannst jederzeit einen solchen Test machen. Der Hausarzt nimmt Dir Blut ab, schickt es ins Labor und am nächsten Tag hast Du das Resultat. Kostet um die 60 Fr.

      Ich habe mich kürzlich testen lassen, weil es in der Bekanntschaft (nicht gleicher Haushalt, aber wöchentlicher Besuch) einen Fall gab. Hatte (leider) keine Antikörper im Blut. (Der Mann der Erkrankten jedoch schon, obwohl auch fast ohne Symptome.)

      Laut neuen Informationen kann es sein, dass man durch Antikörper in den Schleimhäuten immun ist, aber die findet der Blut-Test nicht.
  • Snowy 15.06.2020 13:10
    Highlight Highlight Ein Freund von mir ist Arzt und hat sich im März infiziert.
    Zwei Tests im Abstand von 5 Tagen gaben jeweils ein positives Resultat und er hatte die typischen leichten Symptome.

    Er hat nun aus beruflichem Interesse alle verfügbaren Antikörper-Tests durchgemacht, die es in der Schweiz z.Z. gibt.

    Ergebnis nach mindestens zweimaligem Anwenden von allen Tests:
    Kein einziger Antikörper-Test hat Antikörper angezeigt. Alles Tests lagen nachweislich falsch.

    Antikörper-Tests sind viel zu fehleranfällig und bringen darum überhaupt nichts – im Gegenteil.

    • Mutzli 15.06.2020 14:28
      Highlight Highlight @Snowy
      Forschungsdrang Ihres Kollegen in allen Ehren, aber eine einzelne Person die alles durchprobiert ist keine Studie.

      Zudem gäbe es eine sehr einfache Erklärung, wieso kein Test bei ihm Antikörper nachweisen konnte: Er hat schlicht keine, oder zu wenige, als das sie zum Zeitpunkt des Testens nachweisbar wären.

      Dafür spricht auch, dass er nur leichte Symptome hatte. Ist selten, aber durchaus möglich (https://doi.org/10.1101/2020.04.30.20085613).

      Natürlich müssen die Tests stetig verbessert werden, aber überhaupt nicht bringen ist ne sehr steile Ansage.
    • Snowy 15.06.2020 14:44
      Highlight Highlight Es lag übrigens auch der hier gelobte „bessere“ und neue Test von Roche daneben:

      https://www.nzz.ch/schweiz/coronavirus-und-immunitaet-was-verraten-antikoerpertests-ld.1555289
    • Ribosom 15.06.2020 15:54
      Highlight Highlight Antikörpertests sind nicht generell zu fehleranfällig. Dieses Corona ist schwierig, da es viele verschiedene Corona-Viren gibt, welche vielleicht nicht unbedingt alle andere Antikörper vorweisen.

      Ich verzichte aber auf so einen Test. Unser Arbeitgeber offeriert uns einen Test. Da es aber in unseren eigenen Laboren getestet wird, lehne ich dankend ab. Sowie alle anderen bisherigen geschenkten Behandlungen, bei dem mein Arzt die Ergebnisse dem Betriebsarzt übermitteln muss.
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