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Hielt eine Brandrede gegen noch mehr Eigenkapital: UBS-CEO Sergio P. Ermotti.
Hielt eine Brandrede gegen noch mehr Eigenkapital: UBS-CEO Sergio P. Ermotti.
Bild: EPA/KEYSTONE FILE

UBS-Chef Ermotti greift die Behörden an und warnt: Die Schweiz tappt in die Musterschülerfalle 

Noch mehr Eigenkapital bringe nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Kosten, erklärt der UBS-Chef. Das nütze vor allem den US-Banken.
25.08.2015, 18:3826.08.2015, 17:03

«Regulatorisch verteuerte Finanzdienstleistungen sind das Letzte, das wir jetzt brauchen können», erklärte Sergio P. Ermotti am Forum der «Finanz und Wirtschaft» heute Nachmittag. Der UBS-Chef nutzte den Anlass, um eine Breitseite die Behörden abzufeuern. Vor allem die geplante Erhöhung des Eigenkapitals ist ihm ein Dorn im Auge. «Wir gehören heute schon zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt», sagte Ermotti. 

Seit der Finanzkrise ist die Höhe des Eigenkapitals eine heiss diskutierte Angelegenheit. Die UBS musste 2009 von Bund und Nationalbank gerettet werden, weil sie wegen einer zu dünnen Eigenkapitaldecke nicht mehr in der Lage war, die gewaltigen Verluste aus der amerikanischen Subprimkrise zu verkraften. Schlagartig wurden den Politikern und Steuerzahlern bewusst, dass die Grossbanken sehr riskant sein können – und dass sie im Krisenfall für die Fehler der Banken gerade stehen mussten. 

«Too big to fail» und die Folgen

Die logische Folge davon war die «Too big to fail»-Diskussion, eine hitzige Debatte darüber, dass Grossbanken erstens zu billig Kapital erhalten und zweitens zu grosse Risiken eingehen, weil sie eine «impliziete Staatsgarantie» besitzen, will heissen: Im schlimmsten Fall von der öffentlichen Hand gerettet werden müssen, weil ihr Kollaps die gesamte Volkswirtschaft ins Verderben reissen würde.

«Bei der Leverage Ratio besteht Anpassungsbedarf.» 
Aymo Brunetti, Leiter der bundesrätliche Kommission

Eine logische Folge war auch, dass die Politik aktiv wurde. Der Bundesrat setzte eine Kommission unter der Leitung des Berner Professors Aymo Brunetti ein, die neue Richtlinien für die Banken ausgearbeitet hat. Auch die Grossbanken waren in dieser Kommission vertreten. 

Welcher Massstab gilt?

Die Kommission kam unter anderem zum Schluss, dass die Schweizer Banken ihre so genannte Leverage Ratio erhöhen müssen. Darunter versteht man das Verhältnis der Bilanzsumme zum Eigenkapital. Dieses Verhältnis kann auch in einem gewichteten Verfahren ermittelt werden, will heissen: Die Engagements der Banken werden nach der Höhe ihres Risikos bewertet.

Für die Schweizer Grossbanken gilt: Sie haben, was das gewichtete Eigenkapital betrifft, weltweit Spitzenwerte. Bei der Leverage Ration hingegen hinken sie vor allem den US-Banken hinten nach. «Bei der Leverage Ratio besteht Anpassungsbedarf», erklärte denn auch der ebenfalls an der Veranstaltung anwesende Brunetti. 

«Das Szenario, dass die UBS erneut von der öffentlichen Hand gerettet werden muss, ist in weite Ferne gerückt.»
Sergio Ermotti, CEO der UBS

Das bestreitet Ermotti vehement. «Wenn wir die US-Vorschriften übernehmen, dann tappen wir in die Musterschülerfalle», erklärte er. Er verweist dabei auf die Unterschiede in der amerikanischen und der schweizerischen Gesetzgebung und auch auf den Umstand, dass die Finanzkrise vielleicht nicht ganz zufällig von US-Banken ausgelöst worden war. 

Die UBS hat ihre Hausaufgaben gemacht

Dass die UBS damals ebenfalls schwere Fehler gemacht hat, ist unbestritten. Ermotti betont jedoch, dass die Bank seither sehr viel unternommen hat, um in einem Krisenfall besser gewappnet zu sein. Die Bilanzsumme wurde von 2,4 Billionen Franken auf unter eine Billion Franken gedrückt. Das Investmentbanking wurde massiv zurückgefahren und die rechtliche Struktur so verändert, dass das Inland- vom Auslandgeschäft weitgehend getrennt sind. «Das Szenario, dass die UBS erneut von der öffentlichen Hand gerettet werden muss, ist in weite Ferne gerückt», erklärte Ermotti. 

Der UBS-Chef sieht in der Diskussion eine verdeckte Umsetzung von amerikanischen Interessen. «Die Leverage Ratio täuscht» erklärte er. «Tatsächlich tragen die US-Banken ein grösseres Risiko als die europäischen.» Die Schweiz müsse sich deshalb nicht an den USA, sondern an Grossbritannien orientieren. 

Regulierung ist teuer

Ermotti wehrt sich nicht grundsätzlich gegen eine Regulierung. Er betont jedoch das Prinzip der Verhältnismässigkeit. «Die Regulierung kostet uns heute schon mehrere Milliarden Franken pro Jahr», führte der UBS-Chef aus. «Und diese bezahlen letztlich die Bankkunden.» 

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