klar
DE | FR
120
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schweiz
Wirtschaft

SP-Nationalrätin Kiener Nellen: Bald kommt der Direktabzug der Steuern vom Lohn

Margret Kiener Nellen, SP-BE, begruendet ein Postulat an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 14. Maerz 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Für SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen ist die Einführung des Direktabzugs der Steuern vom Lohn nur noch eine Frage der Zeit.Bild: KEYSTONE

Fertig Papierkrieg? «Bis in 5 Jahren werden die Steuern direkt vom Lohn abgezogen»

In Basel-Stadt wollen Parlamentarier, dass monatlich ein Teil des Lohns direkt abgezogen und ans Steueramt überwiesen wird. Damit sollen Steuerschulden und Steuerausfälle vermieden werden. Für SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen ist der Systemwechsel in der ganzen Schweiz nur noch eine Frage der Zeit.
13.05.2017, 10:0313.05.2017, 18:37

Im Kanton Basel-Stadt könnte es steuertechnisch bald zu einer Schweizer Premiere kommen: Die Wirtschaftskommission des Grossen Rats behandelt eine Motion von Ex-SP-Nationalrat Ruedi Rechsteiner. Er will, dass die Arbeitgeber künftig monatlich zehn Prozent des Bruttolohns ihrer Beschäftigten abziehen und an die Steuerverwaltung überweisen, berichtet die NZZ.

Die Motionäre, darunter auch bürgerliche Parlamentarier, erhoffen, dank dem Systemwechsel «Schulden, Notlagen und administrative Leerläufe» zu verhindern, heisst es im Vorstoss. Die Basler Regierung hatte sich trotz rot-grüner Mehrheit gegen den Vorstoss ausgesprochen, das Parlament hielt aber daran fest und könnte bald Nägel mit Köpfen machen. 

1,3 Milliarden Abschreibungen pro Jahr

Die jährlich anfallenden Steuerschulden sind beträchtlich. Laut dem Beobachter müssen nach konservativen Schätzungen schweizweit jährlich gut ein Prozent der Steuern als «uneinbringlich» abgeschrieben werden. Das sind rund 1,3 Milliarden Franken.

Die Forderung nach einem Systemwechsel wurde auch auf Bundesebene schon erhoben. SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen forderte bereits vor drei Jahren mit einer Motion einen direkten Lohnabzug – sie zog den Vorstoss später aus taktischen Gründen zurück, um die Entwicklungen in Basel nicht zu gefährden. Sie will den Systemwechsel in der ganzen Schweiz.

Dafür hofft sie auf Rückenwind vom Rheinknie: «Wenn es in Basel eine Mehrheit dafür gibt, ist das ein starkes Signal für die ganze Schweiz». Der Blick in Nachbarländer wie Deutschland zeige die Vorteile, eines Direktabzugs.

Für die Beschäftigten sei jederzeit klar, wieviel Geld ihnen Netto zur Verfügung stehe. Gerade die Jüngeren schätzten diese Sicherheit. Der Direktabzug ist für Kiener Nellen «eine Wohltat und eine Vereinfachung».

Weniger Schulden bei Quellenbesteuerten

Ähnlich tönt es bei den Schuldenberatungen. «Wir befürworten eine flächendeckende Einführung des Direktabzugs», sagt Sébastien Mercier, Geschäftsführer des Dachverbands Schuldenberatung Schweiz (SBS). In der Praxis sei man täglich mit den Problemen konfrontiert, zu denen das heutige System führe.

Dass die Steuerrechnung in einige Kantonen erst zwei Jahre nach dem Erhalt des zu besteuernden Lohns im Briefkasten liege, stelle viele vor Probleme: «Hat sich die wirtschaftliche Situation in der Zwischenzeit verändert, etwa wegen Arbeitslosigkeit oder wegen eines Unfalls, können viele die Rechnung nicht mehr bezahlen.»

Mit dem Basler Modell würde sich die Höhe des Betrags stark reduzieren, den Steuerpflichtige bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten dem Staat schulden, ist Mercier überzeugt.

«Moderner, sehr, sehr dummer Robin Hood» – der Kaiserschnitt zur USR III

Video: watson

Auch Barbara Mantz, Schuldenberaterin bei der Caritas Zürich, sieht Vorteile beim Basler Vorstoss: «Einem Grossteil jener, die heute mit Steuerschulden zu uns kommen, wäre das bei einem Direktabzug nicht passiert.» Das zeige sich daran, dass quellenbesteuerte Personen, etwa ausländische Arbeitnehmer ohne C-Ausweis, die zur Caritas kommen, jeweils keine Steuerschulden haben.

Gegen «urschweizerisches Prinzip»

In seiner Antwort auf Kiener Nellens Motion wollte der Bundesrat nichts von einem monatlichen Direktabzug wissen. Er würde zu einer Verkomplizierung bei den Einkommenssteuern führen und den Arbeitgebern eine« zusätzliche hoheitliche Aufgabe» aufbürden. Für liberale Gegner des Basler Vorstosses widerspricht dieser mit seinem «Griff in die Lohntüte» einem «urschweizerischen Prinzip», schreibt die NZZ: Der Staat vertraut seinen Bürgern und deren selbst erstellten Steuererklärungen.

Davon hält die Sozialdemokratin Kiener Nellen nichts. Es sei wissenschaftlich belegt, dass die heutige Lösung für die Behörden einen Mehraufwand bedeutet und Menschen in die Verschuldung und in Notlagen treibe: «Die heutige Lösung schafft Leiden.»

Für die Zukunft ist sie optimistisch: «Ich bin überzeugt, dass der Direktabzug der Steuern vom Lohn in der ganzen Schweiz in fünf bis zehn Jahren Standard ist.» In diesen Fragen gehe es irgendwann plötzlich sehr schnell – Basel-Stadt macht vielleicht bald den ersten Schritt.

Doch auch bei einem Erfolg der Basler Motion bliebe ein Türchen zum alten System offen: Der Lohnabzug soll zwar automatisch für alle Beschäftigten eingeführt werden, aber nicht obligatorisch sein. Wer die Steuererklärung selber ausfüllen und seine Steuern erst nach Erhalt der Steuerrechnung zahlen will, dem steht diese Möglichkeit auf Antrag hin weiterhin offen.

Sie haben keine Schulden: Die 10 bestverdienenden Fussballer 2015/16

1 / 13
Die 10 bestverdienenden Fussballer 2015/16
quelle: x01095 / albert gea
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

120 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
atomschlaf
13.05.2017 11:42registriert Juli 2015
Warum "Fertig Papierkrieg?". Es geht ja nur um eine Vorauszahlung, die direkt vom Lohn abgezogen wird. Die Steuererklärung würde ja dadurch nicht wegfallen, denn die ganze Abzüge wie Arbeitsweg, 3. Säule, etc. wären ja nach wie vor individuell.
633
Melden
Zum Kommentar
avatar
Leider Geil
13.05.2017 12:47registriert Mai 2017
Wieso nicht? Dann gleich noch die Krankenkasse und die Billag?
406
Melden
Zum Kommentar
avatar
dmark
13.05.2017 11:51registriert Juli 2016
Der Papierkrieg für die Ämter und Verdiener wird dabei nicht weniger, weil dann jeder wie auch z.B. in Deutschland einen sog. Lohnsteuerausgleich ausfüllen darf/kann, um ev. steuerlich absetzbare Aufwendungen anzugeben.
Man geht quasi lediglich bei diesem System beim Staat in "Vorkasse" und bekommt dann eben wieder u.U. etwas zurück.
375
Melden
Zum Kommentar
120
Profi-Boxerin soll Ehemann in Interlaken umgebracht haben – heute vor Gericht
Eine brasilianischstämmige Profi-Boxerin steht ab heute im Berner Oberland vor Gericht. Sie soll ihren Ehemann, einen Interlakner Wirt, mit einem Baseballschläger erschlagen haben.

Die nach einem Tötungsdelikt an einem bekannten Interlakner Wirt angeklagte Ehefrau hat am Montag vor dem Gericht in Thun ihre Unschuld beteuert. Sie sei an jenem Abend im Oktober 2020 nicht in Interlaken gewesen, sagte sie vor Gericht.

Zur Story