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Une eleve arrive avec sa maman a l'ecole primaire de Secheron lors de la rentree scolaire, ce lundi 25 aout 2014 a Geneve. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

In der Schule auch im Französischunterricht aufzupassen, kann sich für die spätere Arbeitsstelle lohnen. Bild: KEYSTONE

Sprachenstreit

Schweizer Unternehmen halten Französisch für wichtig

Wirtschaftsverbände und mehrere Grosskonzerne betonen die Wichtigkeit von Französisch in Deutschschweizer Betrieben – wer eine zweite Landessprache beherrsche, habe bessere Berufschancen

Thomas Schlittler / Aargauer Zeitung



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Natürlich wäre es schön, perfekt Französisch sprechen zu können. Nur schon, weil es so schön klingt und damit die Chancen steigen, sich eine hübsche Französin anzulächeln. Aber ist es auch wichtig? Nicht wirklich, denken sich wohl viele Deutschschweizer Schüler – und deren Eltern. Schliesslich zählt in der globalisierten Wirtschaftswelt ja ohnehin nur noch Englisch.

Wer so denkt und den Französischunterricht schleifen lässt, könnte das später im Berufsleben bitter bereuen. Denn Französisch ist auch in Deutschschweizer Betrieben nach wie vor gefragt, wie eine Umfrage der «Nordwestschweiz» zeigt: «Französisch hat bei der Schweizer KMU-Wirtschaft eine hohe Bedeutung», sagt Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV). Für fast alle Schweizer KMU sei die Schweiz als Binnenmarkt, als Land, wo Partner situiert sind, von Bedeutung. «Deshalb ist es sinnvoll, dass die Mitarbeitenden primär eine Landessprache als erste Fremdsprache beherrschen», so Bigler.

Post fördert Austausch

Nicht nur der SGV als Stimme der KMU betont die Wichtigkeit von Französisch, sondern auch die grössten Schweizer Arbeitgeber stellen Französisch keinesfalls aufs Abstellgleis: «Französisch ist wichtig innerhalb der Schweiz», heisst es bei der Migros. Und die Coop-Medienstelle antwortet gleich so: «De bonnes connaissances du français sont souvent importantes et font partie du profil requis pour des postes au niveau national.» Zu deutsch: Gute Französischkenntnisse sind oft wichtig und Teil des Anforderungsprofils für Stellen auf nationaler Ebene.  

Bei den bundesnahen Betrieben fällt das Bekenntnis zur Frankofonie genauso unmissverständlich aus: «Bei den SBB ist die Mehrsprachigkeit ein Selbstverständnis – die Mitarbeitenden kommunizieren in ihrer Landessprache, wobei Französisch gleichbedeutend wie Deutsch und Italienisch ist», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. Für viele Berufe wie beispielsweise Lokführer oder Zugbegleiter sei Französisch eine Grundanforderung. Die Post fördert den kulturellen und sprachlichen Austausch zwischen der Deutschschweiz und der Romandie gar durch spezielle Austauschprogramme in einigen Bereichen. Und Swisscom unterstützt die Sprachenvielfalt mit der Initiative «Swisscom Lingua».

ZUR AKTUELLEN MILLIARDENTRANSAKTION VON NESTLE UND DESSEN UEBERNAHME DES HAUTPRODUKTEHERSTELLERS GALDERMA STELLEN WIR IHENEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Der Nahrungsmittelkonzern Nestle reduziert seine Beteiligung am Kosmetikkonzern L'Oreal und uebernimmt im Gegenzug für 3,1 Mrd. Euro den Hautprodukthersteller Galderma. Ausserdem erhaelt Nestle einen Barbetrag von 3,4 Mrd. Euro. --- The Nestle headquarter of the food and drinks giant Nestle in Vevey, Switzerland, Thursday, February 14, 2013. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Nestlés Hauptsitz in Vevey am Genfersee: Hier sprechen die angestellten Schweizer meist Deutsch und Französisch. Bild: KEYSTONE

Bei den international tätigen Grosskonzernen fallen die Antworten etwas weniger euphorisch aus. ABB-Sprecherin Melanie Nyfeler: «ABB ist in über 100 Ländern tätig, daher ist die Konzernsprache auf globaler Ebene Englisch.» In der Schweiz sei Französisch aber ebenfalls eine wichtige Unternehmenssprache. Und wenn ein regelmässiger Austausch mit der Westschweiz oder mit dem französischsprachigen Ausland gefordert ist, dann sei Französisch ein Must.

Von Stelle zu Stelle anders

Auch bei Nestlé Schweiz ist Englisch die Verkehrssprache, da die Mitarbeitenden aus mehr als 40 verschiedenen Ländern stammen. «Aber die Schweizer, die am Hauptsitz in Vevey bei Nestlé Schweiz arbeiten, sprechen meist Französisch und Deutsch», sagt Philippe Oertlé. Bei Axpo hängt die Bedeutung von Französisch von der Abteilung ab: In der Produktion sei Französisch in der Kommunikation mit den Werken in der Westschweiz wichtig. In den Bereichen Trading und Services spiele Französisch dagegen nahezu keine Rolle.

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband (SGV) berichtet ueber das nationale Treffen zur Berufsbildung am Montag, 31. Maerz 2014, in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Wie viel Französisch in einem Job nötig ist, variiert von Stelle zu Stelle stark: Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV).  Bild: KEYSTONE

Die Antwort von Axpo entspricht dem Grundtenor aller Rückmeldungen: Ob Französisch für einen Arbeitgeber von Bedeutung ist, ist von Stelle zu Stelle sehr unterschiedlich. Das sagt auch SGV-Direktor Bigler: «Wie wichtig Französisch im Arbeitsalltag ist, variiert von Branche zu Branche und von Region zu Region stark.» In einem KMU aus der Hotellerie- oder der Gastronomiebranche sei Französisch aufgrund der Gäste aus der Romandie sehr wichtig. Bei einem Hightech-KMU aus der Biotechbranche, das stark mit amerikanischen Firmen zusammenarbeitet, sei Englisch dagegen wichtiger.

Doch auch wenn Französisch nicht für jede Stelle gleich wichtig ist, sind sich die Wirtschaftsvertreter grundsätzlich einig: Mehrsprachigkeit erhöht die Karrierechancen in jedem Fall. (trs)

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