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Interdiscount

Verkaufspsychologisch starke Wirkung: Rechts; normales Preisschild, links; neues Preisschild.  Bild: zvg

Interdiscount narrt Kunden mit Preisschild-Roulette: Gestern 69.90 statt 89.90, heute plötzlich 69.90 statt 129 Franken

Wenn Produkte über Nacht zum Schnäppchen werden: Einem Interdiscount-Mitarbeiter wird dieses Spiel zu bunt. Er fängt an, Fotos von den fragwürdigen Aktionen zu schiessen. Der Elektronikfachhändler entschuldigt sich und spricht von Einzelfällen.



Roger Studer (Name von der Redaktion geändert) hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Dieser leidet als Interdiscount-Verkäufer, wenn er Produkte mit Preisschildern versehen soll, die den Anschein erwecken, die Ware sei im Preis heruntergesetzt, obwohl sie das nicht ist.

«Ich finde, da werden Kunden veräppelt», sagt Studer gegenüber watson. Er arbeitet seit mehreren Jahren bei der Coop-Tochter Interdiscount, einem der grössten Schweizer Anbieter von Heimelektronik. Ein bis zwei Mal pro Woche würden ihm Unregelmässigkeiten auffallen, sagt er. 

Meistens betreffen sie Vergleichspreise. Preise also, die Produkte mit «X.- statt Y.-» bewerben. «Solche ‹Statt-Preise› wirken verkaufspsychologisch sehr stark», sagt Studer. Denn die Kunden würden denken, sie machten ein Schnäppchen. 

Interdiscount gibt Fehler zu

Gemäss der Verordnung über die Bekanntgabe von Preisen dürfen Detailhändler Rabatte, Einführungspreise und Konkurrenzvergleiche auf Preisschildern angeben. Aber was genau verglichen wird, muss für den Kunden ersichtlich sein. 

In folgenden vier Fällen war dies bei Interdiscount-Produkten nachweislich nicht der Fall. Interdiscount spricht in drei Fällen von Fehlern, «die wir sofort korrigiert haben, nachdem wir diese entdeckten», sagt die Sprecherin Andrea Bergmann. Bei einem Fall bleiben Fragezeichen. 

Die Preise der Produkte in über 200 Interdiscount-Filialen werden in der Zentralstelle gemacht und sind in allen Läden gleich. Dies bestätigt Interdiscount gegenüber watson. So werden aus vier Fehlern rund 800 falsche Preisschilder, die zum Teil mehrere Tage hängen geblieben sind.

Hier die vier Fälle und die jeweilige Reaktion von Interdiscount: 

Fall 1: Die Computer-Tastatur

Interdiscount

Bild: zvg

Studer muss eine PC-Tastatur, die 24.95 kostet (Preisschild rechts) plötzlich mit «24.95 statt 29.95» anschreiben (links). Der Preis von 24.95 sieht aus wie ein Normalpreis. 

Reaktion von Interdiscount:

«Der Preis von ‹29.95 statt 24.95› war leider ein Fehler, der bereits nach kurzer Zeit (5 Tage, Anm. d. Red.) bemerkt und umgehend korrigiert wurde.»

Andrea Bergmann, Sprecherin Interdiscount

Fall 2: Die iPhone-Hüllen

Interdiscount

Bild: zvg

Studer fragt sich: Woher kommt der plötzliche Rabatt von fast 40 Franken? Wie kann dieselbe iPhone-Hülle einmal als Normalpreis mit 29.95 angeschrieben sein und zwei mal mit «29.95 statt 69.90»? 

Reaktion von Interdiscount: 

«Am 23.4.2015 gab es eine falsche Preisanpassung auf ‹29.95 statt 69.90›. Auch diesen Fehler haben wir umgehend korrigiert, als wir ihn am 27.4.2015 bemerkt haben.»

Andrea Bergmann, Sprecherin Interdiscount

Fall 3: Die Küchenmaschine

Interdiscount

Bild: zvg

Studer muss eine Küchenmaschine, die zuvor «69.90 statt 89.90» Franken kostete, mit «Crazy Offer: 69.90 statt 129.-» beschriften. Aus einem Rabatt von 20 Franken wird plötzlich einer von fast 60 Franken? Und Studer fragt sich: «Was ist denn hier nun der Normalpreis?» 

Reaktion 1 von Interdiscount: 

«Das Angebot ‹69.90 statt 89.90› wurde laut System nie geführt.»

Andrea Bergmann, Sprecherin Interdiscount

Reaktion 2 von Interdiscount nach Erhalt des Fotobelegs: 

«Dank der zusätzlichen Informationen konnten wir nun mehr herausfinden: Am 13.7.2015 fand eine falsche Preisanpassung statt, von ‹69.90 statt 89.90›. Dieser Fehler wurde bereits am Folgetag korrigiert.»

Andrea Bergmann, Sprecherin Interdiscount

Interdiscount belegt die Preisanpassung im System:

Bild

Aus dem System von Interdiscount. bild: interdisccount

Fall 4: Das Radio

Interdiscount

Bild: zvg

Studer muss ein DAB+ Radio, das bis anhin mit 169.- beschriftet war, mit «169.- statt 199.-» beschriften. Der Preis von 169.- sieht aus wie ein Normalpreis und ist nicht mit «Aktion» beschriftet. 

Reaktion von Interdiscount:

«Im Fall des DAB+ Radio ist die Preisstellung korrekt und regulär. Dieses Produkt hat seit März einen Verkaufspreis von 199 Franken. Während dieser Zeit war es insgesamt zweimal in Aktion für 169 statt 199 Franken.»

Andrea Bergmann, Sprecherin Interdiscount

Wieso das Radio mit «169.-» als Normalpreis beschriftet war, bleibt offen. 

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz kennt solches Preisschild-Roulette von Billig-Schuh- und Kleider-Ketten. Die Behörden seien im Kampf gegen die Scheinrabatte aber quasi machtlos. «Für die Durchsetzung der Verordnung über die Bekanntgabe von Preisen sind die Kantone verantwortlich, die meist eine personell unterbesetzte Stelle dafür führen», sagt Stalder. 

Interdiscount entschuldigt sich derweil für die Fehler. «Bei mehreren hundert Preisschildern pro Woche bitten wir, dies zu entschuldigen», sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Ein Schelm, wer denkt, dass sich solche Fehler – versehentliche Aktionen während mehreren Tagen in 200 Fillialen – sogar ein bisschen lohnen könnten. 

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • amazonas queen 21.09.2015 16:48
    Highlight Highlight Zu regulären Preisen kaufe ich bei Interdiscount nicht mehr ein. Dauernd gibt es irgendwelche 10% Aktionen. Da ist man doch fast schon selbst schuld, den regulärenen Preis zu zahlen.
  • atomschlaf 21.09.2015 12:52
    Highlight Highlight Ich mache es jeweils so, dass ich vor einen Kaufentscheid gleich im Laden die Preise auf toppreise.ch und geizhals.de abchecke. Dadurch kann ich den Aktionspreis einordnen und sehe ob dieser wirklich günstig ist.
    Bei Interdiscount (und Fust) war es bisher meist so, dass der Aktionspreis mit den günstigeren Versandanbietern mithalten kann.
  • mrgoku 21.09.2015 12:01
    Highlight Highlight krass dass so viele noch skandalisiert sind deswegen...als wäre das etwas neues? who cares? jeder sollte genug hirn haben und wissen wo er was zu kaufen hat und es am günstigsten bekommt... ist schon sehr lange bekannt dass man sich von einer SALE Tafel nicht blenden lassen soll...
  • Gringoooo 21.09.2015 11:59
    Highlight Highlight @Statler

    Danke für die Aufklärung. Aber zum einen wollte ich nur den Verfasser des Kommentars darüber auf das System aufmerksam machen, ich bin mir sehr wohl über die Vorgänge bewusst (was auch mit meinem vorgängigen Wirtschaftsstudium zusammen hängen könnte, man weiss es nicht).
    Zum andern hat es nicht direkt mit dem System des Kapitalismus zu tun. Eine Gleichsetzung erscheint nicht sinnvoll.

    Zudem ist es zwar nichts neues, aber heutzutage in einer extremeren Form denn jeh. Und dies hauptsächlich durch die Mitwikung der Kunden.
    • Statler 21.09.2015 14:02
      Highlight Highlight Ein System, das auf beständigem Wachstum bei gleichzeitiger Optimierung des Gewinns beruht, ist sehr wohl für diese Auswüchse verantwortlich. Die Kunden wurden über Jahre getrimmt, dass billiger = besser und Schnäppchen = gut ist.
      Dass das - wie Du richtig beobachtest - immer extremer wird, liegt ebenfalls in der Natur des Systems begründet. Nicht zuletzt durch die neoliberale Wirtschaftspolitik, die sog. «Handelshemmnisse» und Regulierungen so weit wie möglich reduzieren, oder ganz abschaffen will. Das System mag in der Theorie funktionieren - aber nur, wenn man den Faktor Mensch ausblendet
    • Gringoooo 21.09.2015 14:21
      Highlight Highlight @AL:BM ... Brauchen sie Aufmerksamkeit? Es ging mir lediglich um die Klarstellung von "romantischen Vorstellungen von derMarktwirtschaft", welche ich nicht habe. Gehen sie doch bitte aud Knuddels oder sonstwo hin, da findet man sie sicherlich auch witzig :) -danke
  • 83grad 21.09.2015 11:30
    Highlight Highlight Fust spielt das gleiche Spiel...
    TV für nur 1999.- statt 2399.-
    online bei digitec oder microspot usw ab 1299.- regulärer Preis.
  • DerWeise 21.09.2015 10:36
    Highlight Highlight Diese Vorgehensweise hat bei ID sowie bei Melectronics System.
    Absolute Einsteiger-Laptops z.B., die nicht mal vom Hersteller aus mehr als 399.- kosten, werden einfach mal mit z.B. 399.- statt 699.- angepriesen.

    Bei Digitec mit ihren Daily-Deals läuft bei 50% der Angebote das selbe Spiel.

    Der Kunde wird hier offen und direkt verarscht.
    • Aaron 21.09.2015 11:12
      Highlight Highlight Digitec schreibt jeweils, worauf sich der Stattpreis bezieht.
    • DerWeise 21.09.2015 11:52
      Highlight Highlight Jap, und der stimmt zu 50% schlicht nicht
  • NikName 21.09.2015 10:22
    Highlight Highlight Alle 2-3 wochen gibs neue preisschilder (könnt ihr also alle 3 tage mal vergleichen gehen). Fast jeden zweiten monat ist "sale" also ausverkauf, die preise bleiben aber so gut wie gleich. Aktionen die sowieso aktionen sind werden als mega rabatt gekennzeichnet. Sie werben beim "sale" mit "alles muss raus" dabei sind das alles normale produkte, die nach den sale weeks drn selben preis haben. Und natürlich viele andere dinge die falsch laufen

    Grüsse eines alten ID mitarbeiter
  • Maya Eldorado 21.09.2015 09:55
    Highlight Highlight Ich habe den Eindruck, dass die Preise nicht mehr nach dem, was die Ware bei der Herstellung kosten, gemacht werden.
    Vielmehr habe ich den Eindruck, dass die Preise strategisch gemacht werden, um die Konsumentenströme zu lenken.
    • Gringoooo 21.09.2015 10:21
      Highlight Highlight Durch diverse Informationsquellen (wie Karten für "Rabatte" und weiteres) sammeln die Anbieter sehr präzise Informationen über unser Konsumverhalten.
      Dabei richtet sich die Preisgestaltung überhaupt nicht mehr an Herstellungskosten, sondern danach wieviel der Kunde bereit ist zu zahlen (Preisdiskriminierung).
      Ist heute an der Tagesordnung. Sowohl beim online Ferien buchen, sowie in der Coop oder Migros.
      Wieviel der einzelne bezahlt rückt dabei in den Hintergrund, es geht darum den Profit als ganzes zu maximieren.
    • Statler 21.09.2015 11:53
      Highlight Highlight Als ob das was Neues wäre, Gringoooo ;)
      Das System heisst Kapitalismus und Profitmaximierung ist dessen Mantra. Man verkauft ja auch keine Produkte, sondern ein Lebensgefühl. Preise wurden noch nie daran ausgerichtet, was die Herstellung eines Produktes kostet, sondern immer nur daran, was der Konsument bereit ist zu bezahlen (und da logischerweise das Maximum desselben).
      Ich weiss nicht, welche romantischen Vorstellungen von Marktwirtschaft Ihr beide habt, aber Ihr solltet Euch schleunigst davon verabschieden ;)
    • atomschlaf 21.09.2015 12:57
      Highlight Highlight @Maya: Natürlich haben die Preise vielfach nichts mit der Herstellung zu tun. Sie richten sich grösstenteils nach der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Das ist auch der eigentliche Grund, weshalb wir in der Schweiz so hohe Preise für viele Importprodukte zahlen: Ein grosser Teil der Schweizer(innen) glaubt immer noch das Märchen von den lohnbedingten Hochpreisen und zahlt sich dumm und dämlich. Würden die hohen Preise nicht bezahlt, würden sie sinken.
  • Stephan Brand (1) 21.09.2015 09:45
    Highlight Highlight In jedem Fall ist der aktuelle Verkaufspreis gleich egal welches Preisschild betrachtet wird. Wieviel Rabatt der Artikel hat ist mir sowiso egal. Ich kaufe nicht den Artikel mit dem meisten Rabatt sondern der, der mir gefällt. Ausserdem informiere ich mich vor dem Kauf ob ich den Artikel igendwo günstiger bekomme.
  • Gast 21.09.2015 09:39
    Highlight Highlight In der betroffenen Interdiscount Filiale nennt man den Informanten bestimmt nur noch Snowden aus Gang 3.
  • Goon 21.09.2015 09:35
    Highlight Highlight Arbeite in derselben Branche und auch bei meinem Arbeitgeber ist es gleich. Teilweise sogar noch schlimmer. Aber leider gibt es keine Reklamationen von Kundenseite her.
    • Oban 21.09.2015 10:11
      Highlight Highlight Ein Aktionspreis darf nur eine gewisse Zeit so angegeben werden. Den Artikel muss man nur kurz zu dem Preis verkaufen den man dort als Stattpreis angegeben hat. Im Zyklus eines Artikels kann ich den Artikel zuerst einmal 30 Tage als Einführungspreis markieren, als Stattpreis nimmt man der Richtpreis des Herstellers. Danach setzt man den Preis wieder für kurze Zeit herauf, danach wieder auf einen Aktionspreis. Darum sieht man auch das Personal so selten, die müssen 2-3 pro Woche einen Berg Preise neu verteilen und haben dadurch keine Zeit mehr um die Kunden zu bedienen.
  • alessandro 21.09.2015 09:31
    Highlight Highlight nichts neues im westen...
  • knight 21.09.2015 09:20
    Highlight Highlight Das war die Idee von dem Lernenden Janic. Er nimmt gerne Leute aus!
  • Gringoooo 21.09.2015 09:16
    Highlight Highlight Leider nichts neues. Ich habe eine halbwegs gute Übersicht über Preise von Technikprodukten (als Konsument) und mir fallen solche Sachen immer wieder auf. Teil werden illusorische Preise als Originalpreise angegeben.
    Ich dachte das sei Paxis bei vielen Anbietern normal. Verwundert mich leider nicht.

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