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US-Zölle sind illegal: Was das für Trump und die Schweiz heisst

epa12763355 US President Donald J. Trump, alongside Solicitor General John Sauer (L), addresses a press conference about the Supreme Court's striking down of most of his tariffs in the briefing r ...
Trumps Zölle wurden vom Supreme Court teilweise für illegal erklärt.Bild: keystone
Analyse

Zölle für illegal erklärt: Das bedeutet der Entscheid für Trumps Präsidentschaft

Der Supreme Court hat US-Präsident Donald Trump einen herben Rückschlag versetzt. Viele seiner Strafzölle seien zu Unrecht verhängt worden. Trumps Luft wird damit dünner.
21.02.2026, 10:0721.02.2026, 10:07

Mit Spannung wurde am Freitag der Entscheid des Supreme Court erwartet, ob nun die Strafzölle, die US-Präsident Trump im vergangenen Jahr gegen alle möglichen Länder auf der ganzen Welt verhängt hat, rechtmässig sind oder nicht.

Die Mehrheit der Richter kam zum Schluss: Die meisten sind illegal. Entsprechend wetterte Trump im Anschluss gegen die Richter. «Sie sollten sich schämen», kommentierte er auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Sie seien eine Schande für ihre Familie, sagte er zudem an einer Pressekonferenz.

Auch seine Entourage zeigt sich wenig erfreut: Handelsminister Howard Lutnick, der Trumps Zölle stets gelobt hatte, äusserte sich an der Pressekonferenz überhaupt nicht, obwohl er mit dem Präsidenten auf der Bühne stand. Vize-Präsident JD Vance spricht in einem X-Post von der puren «Gesetzlosigkeit des Gerichts».

Dass Präsident und Vizepräsident so reagieren, ist nachvollziehbar. Schliesslich steht viel auf dem Spiel, weit mehr als die Zolleinnahmen. Das ändern wohl auch die neu angekündigten weltweiten 10-Prozent-Zölle wenig. Bereits im vergangenen Jahr kam auch aus den republikanischen Reihen Kritik an seiner Zollstrategie auf. Viele Amerikaner halten laut einer Umfrage die Zölle für schädlich für die Wirtschaft, berichtet CNN. Denn am Ende sind vor allem sie es, die sie bezahlen müssen.

Im Hinblick auf die Midterms bewegt sich Trump nun also auf dünnem Eis. Er muss seine Strategie wohl anpassen. Denn um neue Zölle zu verhängen, braucht er die Zustimmung des Kongresses. Und dieser Prozess dürfte laut dem Wall Street Journal Monate dauern, da auch umfangreiche Untersuchungen nötig sind. Die Mitglieder, auch die Republikanerinnen und Republikaner, werden kurz vor den Wahlen besonders achtsam entscheiden, gerade im Hinblick auf Inflation und Kaufkraft.

Jetzt droht eine Klagewelle

Es sind auch vor allem US-Firmen, die unter den Zöllen gelitten haben. Schon vor dem Entscheid hatten viele von ihnen Klage gegen die Zolltarife eingereicht, um die Chancen auf eine Rückerstattung zu erhöhen. Wie eine solche nun aussehen könnte, ist noch unklar. Doch auch dieser Prozess dürfte eine geraume Zeit in Anspruch nehmen. Selbst Trump ist das bewusst: «Wir werden die nächsten fünf Jahre vor Gericht verbringen», sagte er an einer Pressekonferenz.

Expertinnen und Experten erwarten chaotische Zustände in diesem Prozess. Schliesslich geht es auch um einen dreistelligen Milliardenbetrag. Und die meisten Zölle wurden schon an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben, die nun ebenfalls klagen könnten, wie der Spiegel berichtet. Viel Hoffnung dürften sie aber nicht haben, erklärte Elizabeth Warren, Mitglied des Bankenausschusses, am Freitag. Profitieren dürften wohl eher grosse Unternehmen wie Amazon, General Motors, Walmart oder auch Hedgefonds, die die Ansprüche kleinerer Unternehmen kaufen können.

Hilft der Entscheid der Schweiz?

Auch international hat der Entscheid Auswirkungen. Trump hatte stets behauptet, dass er mit seinen Zöllen auch Frieden und Sicherheit schaffe, da er sie als Druckmittel gegen ihm unliebsame Staatschefs verwendete. Seine Verhandlungsposition ist nun deutlich geschwächt, sagt etwa Wilbur Ross, Handelsminister in Trumps erster Amtszeit, zum «Wall Street Journal». Der US-Präsident verliert eines seiner wichtigsten Werkzeuge für seine Aussenpolitik, schreibt auch die Washington Post.

Wie Trump damit Druck auf Regierungen ausgeübt hat, musste auch die Schweiz hautnah erfahren. Bisher gibt es noch kein abschliessendes Zollabkommen, immer wieder macht sich Trump über Bundesrätin Karin Keller-Sutter lustig, die mit ihm verhandeln wollte. Der Bundesrat wollte den Entscheid des Supreme Court bisher nicht kommentieren.

Es ist auch noch fraglich, welche Folgen der Entscheid für die Schweiz und andere Länder hat. Denn Trump hat noch andere Instrumente, die er nutzen kann. «Wir wissen inzwischen alle, dass dieser Mann unglaublich kreativ ist», sagt ein Diplomat gegenüber der «Washington Post».

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Donald Trump in der Schweiz
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Donald Trump in der Schweiz

Am Mittwochmittag ist der US-Präsident Donald Trump in Zürich gelandet.

quelle: keystone / evan vucci
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WEF: Trump kritisiert Karin Keller-Sutter
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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bonbonsai
21.02.2026 10:18registriert November 2023
Vance ist gut „Gesetzlosigkeit des Gerichts“!

So ein Clown!
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banda69
21.02.2026 10:36registriert Januar 2020
"Wir wissen inzwischen alle, dass dieser Mann unglaublich kreativ ist."

Nein. Er ist unglaublich kriminell und skrupellos. Er ist Rechtspopulist.
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Chibs
21.02.2026 10:33registriert April 2021
Vor gar nicht allzu langer Zeit war „kreativ“ ein Kompliment und fast eine „must-have“ Eigenschaft. Heute wird „kreativ“ immer wieder für Schwerstkriminelle missbraucht, um deren Skrupellosigkeit und völlige Absenz jeglicher Empathie und Intelligenz zu beschreiben.

Es ist eine Schande, dass sich Politiker und eine überwältigende Mehrheit der anderen im öffentlichen Leben stehenden Menschen rund um den Globus standhaft weigern, für Donald Trump die Adjektive zu verwenden, die er verdient und ihm wirklich gerecht werden.
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