Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUM HALBJAHRESERGEBNIS 2015 DER SCHWEIZERISCHEN POST STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - An employee of the Swiss Post empties a bag full of letters and cards into a bin on his mail collection tour in Zurich, Switzerland, pictured on April 13, 2011. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Ein Mitarbeiter der Post leert einen Sack voller Briefe. Bild: KEYSTONE

Pöstler stiehlt tausende Briefe – noch nie so viele verschwundene Sendungen

Die Post registriert einen Höchststand an Reklamationen wegen verloren gegangener Sendungen.

Andreas Maurer / Schweiz am Wochenende



Die Manager der Post haben Grund zur Beunruhigung. Im vergangenen Jahr erhielten sie 240'000 Kundenreklamationen, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist die höchste Zahl, seit die Aufsichtsbehörde Postcom im Jahr 2012 ihre Arbeit aufgenommen hat. Die vom Bundesrat gewählte Kommission nennt in ihrem aktuellen Jahresbericht den häufigsten Grund für die Beschwerden: verloren gegangene Briefe.

Verantwortlich dafür ist gemäss der Bundesanwaltschaft unter anderem ein 56-jähriger Mitarbeiter des Briefzentrums Zürich Mülligen. Am kommenden Donnerstag steht er vor dem Bundesstrafgericht, weil er mindestens 4000 Briefe im Wert von 120'000 Franken gestohlen haben soll. Es ist ein Indizienprozess, weil das Sicherheitssystem der Post keine handfesten Beweise für den Diebstahl lieferte.

Die Überwachungskameras dokumentierten lediglich, wie der Mann entgegen den Regeln Briefbehälter zu seinem Arbeitsplatz trug, wenn er Frühdienst hatte. Die Bundesanwaltschaft vermutet, dass er das Bargeld später in seinen Kleidern und Schuhen nach Hause schmuggelte.

Der Fall flog auf, als jemand am Arbeitsplatz des Mannes einen Stapel Briefe fand, der dort nicht hingehörte. Es handelte sich um Geschäftsantwortsendungen mit dem Aufdruck «Reply Paid» und einer Adresse in Australien. Wer sich im Briefzentrum auskennt, weiss, was diese Briefe enthalten: kleine Summen Bargeld, mit denen Schweizer ihr Glück im australischen Montagslotto versuchen. Der Vorteil gegenüber dem Schweizer Lotto: Der Gewinn muss nicht versteuert werden. Dafür hat die Übermittlung ihre Tücken, da man Bargeld in Briefen verschickt.

Sicherheitslücken bei der Post?

Die am Arbeitsplatz beschlagnahmten Briefe enthielten 1700 Franken. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass dies der durchschnittlichen Beute eines Tages entspricht und der Mann an allen Tagen zuschlug, an denen er Frühdienst hatte. Dann konnte er unbeobachtet ans Werk gehen. Die Schadenssumme von 120'000 Franken ermittelte die Bundesanwaltschaft mit einer Hochrechnung. Sie nimmt an, dass der Pöstler mit dem Geld seinen Lebensunterhalt bestritt. Darauf deuten die Bewegungen auf den mittlerweile gesperrten Konten des Mitarbeiters hin: In der Zeit der mutmasslichen Diebstähle hob er von seinem Lohnkonto kein Geld ab, sondern zahlte stattdessen 180'000 Franken ein.

«Den einzigen Schaden, der entstanden ist, hat die Bundesanwaltschaft verursacht.» 

Caroline Ehlert, Anwältin des Post-Mitarbeiters

Der Diebstahl fiel gemäss der Bundesanwaltschaft nicht auf, weil die rund 500 internationalen Geschäftsantwortsendungen, die täglich im Briefzentrum eintreffen, weder gezählt noch gebündelt noch gewogen werden. Auch die Absender merken nichts, da sie nur bei einem Lottogewinn eine Antwort aus Australien erhalten.

Der beschuldigte Mitarbeiter bestreitet die Tat. Seine Anwältin Caroline Ehlert kündigt an, dass er vor Gericht alles werde erklären können. Sie sagt: «Den einzigen Schaden, der entstanden ist, hat die Bundesanwaltschaft verursacht.» Diese habe durch die Beschlagnahmung der Briefe dafür gesorgt, dass diese nicht ausgeliefert werden konnten. Sechs Personen treten als Privatkläger auf. Sie verlangen vom entlassenen Mitarbeiter Schadenersatz und Genugtuung für die möglicherweise verpassten Lottogewinne.

«Die Post empfiehlt den Absendern, kein Bargeld zu schicken.»

Nathalie Dérobert, Sprecherin der Post

Die Post will sich zum Fall nicht äussern. Sprecherin Nathalie Dérobert sagt: «Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass es vereinzelt zu Unzulänglichkeiten kommen kann.» Die Post unternehme grosse Anstrengungen, um Diebstähle und Verluste zu meiden. So würden die Mitarbeiter regelmässig geschult und sensibilisiert. Mehr will sie dazu nicht sagen. Dafür gibt sie den Kunden einen Rat: «Die Post empfiehlt den Absendern, kein Bargeld zu schicken.»

Wenige Fälle, hoher Schaden

Bei den aufgedeckten Diebstählen von Postmitarbeitern handelt es sich um wenige Fälle, aber grosse Schadenssummen. Im Dezember 2016 verurteilte das Bundesstrafgericht einen Chauffeur, der 1500 Pakete und Briefe im Wert von 70'000 Franken entwendete. Kurz zuvor stand ein Postbote vor Gericht, der Briefe mit Rubbellosen im Wert von 90'000 Franken mitgehen liess. Und bei der Hausdurchsuchung beim Leiter einer Postfiliale entdeckte die Polizei gestohlene Ware im Wert von 60'000 Franken. Alle drei Fälle ereigneten sich 2016 und trugen zur Beschwerdeflut in diesem Jahr bei. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Midnight 22.10.2017 09:06
    Highlight Highlight Zahlt die Post ihren Mitarbeitern einfach zu wenig? 🤔
  • fcsg 22.10.2017 06:30
    Highlight Highlight „Der Vorteil gegenüber dem Schweizer Lotto: Der Gewinn muss nicht versteuert werden“ Das Steueramt ist da wahrscheinlich anderer Ansicht;-) Einzig die Verrechnungssteuer muss nicht bezahlt werden, die wird aber sowieso rückerstattet nach der Deklaration. Der Gewinn selber ist Einkommen und muss versteuert werden.
  • elivi 22.10.2017 03:39
    Highlight Highlight Ja da bin ich mal gespannt wie der mitarbeiter die 180k einzahlung auf das konto erklärt... Lohn? Ja dann will ich auch bei der post arbeiten XD
    Lotto gewinne, erbung, etc sollte man einfach nachwiesen können.
  • Spooky 22.10.2017 00:21
    Highlight Highlight Schade, dass er sich hat erwischen lassen.
  • andrew1 21.10.2017 23:23
    Highlight Highlight Ich habe mich schon oft gefragt was passiert wenn der marschbefehl durch die post "verlauert" wird. Ist zwar kein eingeschriebener brief aber ich könnt mir dennoch vorstellen, das man gerade 5 tage arrest kassiert. Das militär interessiert es wohl mässig das der brief nicht eingeschrieben ist und so nicht bewiesen werden kann das der marschbefehl nicht angekommen ist.
    • ands 22.10.2017 01:30
      Highlight Highlight Hat man 14 Tage vor dem Dienst keinen Marschbefehl erhalten, ist man dazu verpflichtet, nachzufragen. Der Dienst wird ja nicht durch den Marschbefehl angekündigt.
    • Alnothur 22.10.2017 02:48
      Highlight Highlight 1. ist es die Plicht des Dienstpflichtigen, sich über die Daten des nächsten WK zu informieren;
      2. erhältst du schon vor dem Marschbefehl eine Dienstanzeige zugeschickt;
      3. Korrekt, das interessiert das Militär aus obengenannten Gründen nur mässig.
  • Mooogadelic 21.10.2017 22:25
    Highlight Highlight Newman aus Seinfeld ist schuld!
  • Deathinteresse 21.10.2017 21:10
    Highlight Highlight "Genugtuung für die möglicherweise verpassten Lottogewinne."

    ... ernsthaft?
    • raphe qwe 22.10.2017 02:58
      Highlight Highlight Schadenersatz wäre die viel Grössere Summe😂 Haben wohl keine Chance, aber für mich als Jus-Student mega interessant.
    • LeTrullideSepp 22.10.2017 06:28
      Highlight Highlight Soweit sind wir hier schon...amerikanische Verhältnisse.... :-(
    • fcsg 22.10.2017 08:27
      Highlight Highlight @LeTrullideSepp
      Keine Angst, fordern darf man alles, ausser dem Geld in den Couverts wird es kaum einen Schadenersatz geben. Der Gewinn im Lotto ist viel zu unwahrscheinlich als das ein Schweizer Gericht eine nennenswerte Summe zusprechen wird.
  • zappeli 21.10.2017 20:34
    Highlight Highlight Bei mir ist vor rund zwei Jahren eine Bestellung von Reka-Checks nicht angekommen. Da es eingeschrieben versendet wurde, war nachvollziehbar, dass die Checks irgendwo im Post-System verschwunden sind. Reka hat sie noch einmal versendet, diesmal erfolgreich. Und irgendwer bei der Post hat sich wahrscheinlich über einen erklauten Weihnachtsbonus von 700 Stutz gefreut.

«Logisch verdiene ich doppelt so viel wie er – das ist die Schafseckel-Zulage»

Unser Chefredaktor Maurice Thiriet sieht seine Position in Gefahr. Er befürchtet, dass sein bestes Pferd im Stall, Corsin Manser, ihm den Rang ablaufen könnte. Höchste Zeit für ein Mitarbeitergespräch!

Artikel lesen
Link zum Artikel