Wirtschaft
Schweiz

Credit Suisse in Bedrängnis: Darum geht es bei den Swiss Secrets

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DIE CREDIT SUISSE IN DER MOSAMBIK-AFFAERE FAST 475 MILLIONEN DOLLAR ZAHLEN MUSS --- Ein Logo der CS anlaesslich einer Medienkonferenz der Credit Suisse zur lancierung ihre ...
Auf die Schweizer Grossbank CS kommen dunkle Zeiten zu. Bild: keystone

Medienberichte: CS soll Konten von Kriminellen und korrupten Politikern verwaltet haben

Die Schweizer Bank Credit Suisse soll nach einem Medienbericht über Jahre Autokraten, Drogendealer sowie mutmassliche Kriegsverbrecher und Menschenhändler als Kunden akzeptiert haben.
20.02.2022, 22:3920.02.2022, 22:39

Das belegen nach Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» Daten aus dem Geldinstitut, die dem Blatt nach eigenen Angaben von einer anonymen Quelle zugespielt wurden. Die Unterlagen wertete die «SZ» zusammen mit dem NDR und WDR aus sowie mit mehreren weiteren internationalen Medienpartnern, darunter «Guardian», «Le Monde» und «New York Times».

Bank weist Vorwürfe zurück

In einer Stellungnahme, die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt, weist die Credit Suisse die Vorwürfe und Unterstellungen über «angebliche Geschäftspraktiken der Bank entschieden zurück».

Die dargestellten Sachverhalte seien überwiegend historisch bedingt und reichten teilweise bis in die 1940er Jahre zurück. Sie würden auf unvollständigen oder selektiven Informationen beruhen, die aus dem Zusammenhang gerissen worden seien.

Die Credit Suisse könne sich aus rechtlichen Gründen nicht zu potenziellen Kundenbeziehungen äussern. Die Bank nehme die Anschuldigung sehr ernst und werde die Untersuchungen mit einer internen Task Force unter Einbeziehung spezialisierter externer Experten fortsetzen.

30'000 Kunden

Die Unterlagen geben dem Bericht zufolge Aufschluss über die Konten von mehr als 30'000 Kunden aus aller Welt. «Suisse Secrets» stützt sich laut eigenen Angaben auf Akten von 18'000 Konten im Umfang von 100 Milliarden Dollar.

Den Daten zufolge hätten Kriminelle Konten eröffnen beziehungsweise Konten auch dann behalten können, «wenn die Bank längst hätte wissen können, dass sie es mit Straftätern zu tun hat». Laut den internen Bankdaten waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs, Minister und Geheimdienstchefs ebenso wie Oligarchen und Kardinäle Kunden der Credit Suisse.

Schweizer Medien nicht dabei

Die «Süddeutsche Zeitung» hat die Credit-Suisse-Daten nach eigenen Angaben zusammen mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) sowie 46 Medienpartnern aus aller Welt ausgewertet.

Schweizer Medien wie Tamedia hätten bei der Recherche auf die Teilnahme verzichtet, denn seit 2015 drohe Journalistinnen und Journalisten ein Strafverfahren, wenn sie über geleakte Bankdaten schreiben, twitterte der «Tagesanzeiger» am Sonntagabend.

Tamedia-Zeitungen schrieben, die UNO-Berichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, habe sich auf Anfrage besorgt gezeigt: «Journalisten strafrechtlich zu verfolgen, weil sie Bankdaten veröffentlichen, die von öffentlichem Interesse sind, würde gegen internationale Menschenrechtsvorschriften verstossen.» Sie wolle in der Sache demnächst mit dem Bundesrat Kontakt aufnehmen.

«Unmoralisches Bankgeheimnis»

«Ich glaube, dass das Schweizer Bankgeheimnis unmoralisch ist», erklärte dem Bericht zufolge die Quelle der Suisse-Secrets-Daten, die der «SZ» und ihren Recherchepartnern nicht bekannt ist. «Der Vorwand, die finanzielle Privatsphäre zu schützen, ist lediglich ein Feigenblatt, um die schändliche Rolle der Schweizer Banken als Kollaborateure von Steuerhinterziehern zu verschleiern.» (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Regenbogen-Parade: Die Strassen-Weltmeister seit 1998
1 / 25
Regenbogen-Parade: Die Strassen-Weltmeister seit 1998
1998: Oscar Camenzind (Schweiz).
quelle: keystone / michele limna
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Striplokale, Villen und fragwürdige Geschäfte – darum geht es beim Raiffeisen-Prozess
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Bitter im Abgang: Weinbauer Parmelin verärgert Weinbauern
Kurz vor seiner Rücktrittsankündigung bringt Wirtschaftsminister Guy Parmelin seine Berufskollegen gegen sich auf.
Mit Guy Parmelin hatten die Schweizer Weinbauern während Jahren einen Fürsprecher auf höchster Ebene. Kaum eine Gelegenheit liess der Wirtschaftsminister aus, um für Chasselas oder Pinot Noir zu werben. Schliesslich hat er selbst Winzer gelernt. «Ich wünschte mir, die Leute würden mehr trinken», sagte er vergangenes Jahr in einer Parlamentsdebatte. Schweizer Wein natürlich.
Zur Story