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Schweiz
Wirtschaft

Was du zur 99-Prozent-Initiative der Juso wissen musst – in Kürze

Abstimmung im September: Alle Informationen zur 99-Prozent-Initiative der Juso

Am 26. September stimmt die Schweiz ab. Dabei stehen zwei Vorlagen auf dem Programm: die «Ehe für alle» und die 99-Prozent-Initiative der Juso. Was letztere will und wie das genau umgesetzt werden soll, erfährst du hier.
23.08.2021, 15:4724.08.2021, 10:02

Im September stehen in der Schweiz wieder Abstimmungen auf dem Programm. Während das Schweizer Stimmvolk im Juni gleich über fünf Vorlagen befinden musste, stehen dieses Mal nur deren zwei in den nationalen Abstimmungsunterlagen. Eine der beiden Vorlagen ist die 99-Prozent-Initiative. Was diese Volksinitiative der Jungsozialisten will und was die Besteuerung von Kapitaleinkommen bedeutet, findest du hier:

Was will die 99-Prozent-Initiative?

«Geld arbeitet nicht – du schon!», schreiben die Initianten auf ihrer Website. Diese finden es ungerecht, dass Löhne stärker besteuert werden als Einkünfte aus Kapitalanlagen, wie zum Beispiel Zinsen, Dividenden oder Gewinne aus Aktien.

Deshalb fordert die Initiative, dass Kapitaleinkommen ähnlich wie herkömmliches Einkommen besteuert wird. Mit den Mehreinkünften sollen wiederum die Steuern für die ärmeren Bevölkerungsschichten gesenkt werden. Für Kapital an sich ist hier jedoch keine höhere Besteuerung vorgesehen.

Und wie will die Juso-Initiative das erreichen?

Ronja Jansen, Präsidentin der Juso, erläutert an einer Pressekonferenz die Vorteile der 99-Prozent-Initiative.
Ronja Jansen, Präsidentin der Juso, erläutert an einer Pressekonferenz die Vorteile der 99-Prozent-Initiative.Bild: keystone

Konkret soll Kapitaleinkommen von über 100'000 Franken eineinhalbfach so hoch besteuert werden wie Löhne. Im Moment sind zum Beispiel Gewinne aus privaten Aktieneinkommen steuerfrei. Auch für Dividenden gelten abweichende Bestimmungen, damit diese nicht in vollem Umfang versteuert werden müssen.

Durch eine solche Besteuerung sollen laut Initianten Mehreinnahmen von etwa 10 Milliarden pro Jahr entstehen, welche wiederum die Steuern von tiefen und mittleren Einkommen per Wohlfahrt entlasten sollen. «Entweder durch Steuersenkungen oder einen Ausbau des Service Public», wie die Befürworter schreiben.

Wer würde bei einer Annahme der Volksinitiative mehr Steuern bezahlen?

Betroffen wären Personen, die in einem Jahr über 100'000 Franken Gewinne rein durch Kapitalinvestitionen erzielen und nicht Personen, die über 100'000 Franken auf dem Sparkonto haben. Die Initiative will also nicht Vermögen, sondern Vermögenseinkünfte höher besteuern. Ein konkretes Beispiel:

Beispiel 1: Hans hat in seinem Leben 120'000 Franken gespart, welche auf seinem Sparkonto zu 1 Prozent verzinst werden. Damit erzielt Hans in einem Jahr einen Kapitalgewinn von 1'200 Franken. Dieser Gewinn liegt deutlich unter der Grenze von 100'000, deshalb muss Hans keine zusätzlichen Steuern bezahlen.

Beispiel 2: Monika hat drei Millionen in einen Aktienfonds investiert, der im letzten Jahr fünf Prozent Rendite abgeworfen hat. Damit hat Monika einen Kapitalgewinn von 150'000 Franken erzielt. Die ersten 100'000 Franken werden nach der Initiative wie Lohneinkünfte versteuert, die weiteren 50'000 eineinhalbfach. Heisst: Monika muss ihr Kapitaleinkommen gleich versteuern, wie wenn sie 175'000 Franken als Lohn ausbezahlt erhalten hätte.

Wer ist für die 99-Prozent-Initiative und warum?

Die Initiative wird bislang von der SP, den Grünen und der EVP offiziell unterstützt. Mit dabei sind auch deren Jungparteien sowie die Bewegung für den Sozialismus und das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH. Sie alle sehen in der Initiative eine Chance auf eine gerechtere Umverteilung der Steuerbelastung in der Schweiz.

Wer ist gegen die Juso-Initiative und warum?

Andri Silberschmidt, FDP-ZH, spricht bei der Bekanntgabe der Kandidatur von Staenderat Thierry Burkart (nicht im Bild) fuer das Praesidium der FDP Schweiz, am Montag, 16. August 2021 in Bern. (KEYSTON ...
Andri Silberschmidt von der FDP ist Co-Präsident der Nein-Kampagne. Bild: keystone

Der Parteienspiegel ist zwar offiziell noch nicht bekannt, die SVP, FDP, GLP und die Mitte dürften sich aber wohl gegen die Initiative aussprechen. Auch die Economiesuisse und weitere Wirtschaftsverbände setzen sich für eine Ablehnung ein. Ihre Argumentation: Die Initiative schadet der Wirtschaft, weil auch Unternehmen betroffen wären.

Auch Parlament und Bundesrat lehnen eine höhere Besteuerung von Einkünften aus Kapital ab. Das Eidgenössische Finanzdepartement begründet die Haltung des Bundesrates damit, dass Kapital von Bund, Kanton und Gemeinde bereits in anderer Form auf Ebene der Unternehmen (zum Beispiel beim Kauf und Verkauf von Aktien) besteuert wird.

Was sagen die ersten Prognosen?

In der ersten Tamedia-Umfrage schafften es die Befürworter der Initiative nicht auf eine Mehrheit. Erfahrungsgemäss sinkt bei Volksinitiativen der Anteil von Befürwortern im Verlaufe des Abstimmungskampfes bis zum Abstimmungssonntag eher noch. Es sieht also schwierig aus für die Einkommenssteuer auf Kapital.

Und wie stimmst du ab?

Wie stimmst du bei der 99-Prozent-Initiative?

Und was sind deine Gründe? Diskutiere mit in der Kommentarspalte!

Quellen:
– Seite der Initianten: 99prozent.ch
– Seite der Gegner: nein-zu-99prozent.ch
– Eidgenössisches Finanzdepartement: efd.admin.ch
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123 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Arutha
23.08.2021 16:44registriert Januar 2016
Wieso werden hier Unwahrheiten verbreitet? Es stimmt nicht, dass die Grenze für die höhere Besteuerung bei CHF 100'000 liegt. Es steht ganz klar ab einem bestimmten Betrag. Dieser Betrag wird durchs Parlament festgesetzt. Im Abstimmungsbüchlein wird einfachheitshalber mit einem Betrag von CHF 100'000 gerechnet. Was aber nur ein Beispiel ist. Es hätte auch CHF 10'000 nehmen können oder CHF 1'000'000.
Auch was als Kapitaleinkommen zu verstehen ist, wird nicht definiert. Grundstückgewinne sind auch Kapitalgewinne. Oder auch nicht, je nachdem was das Parlament entscheidet.
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der Denker
23.08.2021 17:06registriert März 2016
Was hier nicht erwähnt wird. Verluste an der Börse dürfen nicht in den Steuern abgezogen werden. Oder anderst gesagt, das Risiko trägt der einzelne oder die Firma und der Gewinn muss geteilt werden. Ich bin der Meinung, dass dies dann ebenfalls angepasst werden müsste.
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Entenmann
23.08.2021 16:47registriert April 2015
"Im Moment sind zum Beispiel Gewinne aus privaten Aktieneinkommen steuerfrei. Auch für Dividenden gelten abweichende Bestimmungen, damit diese nicht in vollem Umfang versteuert werden müssen."

Dies ist etwas unklar formuliert: Steuerfrei sind private Kapitalgewinne, also beispielsweise Kursgewinne auf Wertschriften. Dividenden müssen grundsätzlich regulär als Einkommen versteuert werden. Nur wenn die Aktien mindestens 10% des gesamten Aktienkapitals ausmachen, werden die Dividenden reduziert besteuert (weil der gleiche Mittelzufluss bereits von der AG als Gewinn versteuert wurde).
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