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Migros will Mini-Läden ohne Personal eröffnen

A customer kneels in front of a refrigerated shelf and there is a supermarket trolley with the Migros logo, pictured on March 5, 2013, at the Migros branch in Baden, Switzerland. Migros is Switzerland ...
Die Migros will Mini-Läden eröffnen. Die Geschäfte sollen gerade mal 50 bis 80 Quadratmetern gross sein. Eine heutige Migrolino-Filiale ist zwischen 100 und 200 Quadratmetern gross.Bild: KEYSTONE

Migros will Mini-Läden ohne Personal eröffnen – nachts funktionieren sie autonom

Die Migros-Tochter plant neue Mini-Filialen, die nachts autonom funktionieren sollen. Pikant ist, dass die Migros das Valora-Konzept kopieren will. Denn die beiden Konzerne machten einst beim Aufbau des Convenience-Geschäfts gemeinsame Sache.
04.06.2019, 04:19
Benjamin Weinmann / ch media

Der Test sorgte für Aufsehen: Der Kioskkonzern Valora installierte im April während einiger Wochen im Zürcher Hauptbahnhof eine temporäre Filiale seines Convenience-Konzepts «Avec Box» ohne Personal. Kunden konnten während 24 Stunden mithilfe einer App den Laden selber öffnen und die ausgewählten Sandwiches, Salate und Getränke einscannen und bezahlen. Valora wandelte damit auf Amazons Spuren. Der US-Handelsgigant betreibt in Nordamerika schon länger «Amazon Go»-Shops, in denen das Einkaufen nur noch über Kameras abgewickelt wird. Nicht mal mehr das Einscannen ist nötig.

Nun will es die Migros Valora gleichtun. Im hauseigenen Magazin verrät Markus Laenzlinger, Chef der Tochter-Kette Migrolino, dass man sogenannte Mikroshops plane: Geschäfte mit gerade mal 50 bis 80 Quadratmetern. Eine heutige Migrolino-Filiale ist zwischen 100 und 200 Quadratmetern gross. Diese Mikroshops – man könnte sie auch Mikrolino nennen – seien die Zukunft, sagt Laenzlinger. Im Visier hat er städtische Standorte und Shell-Tankstellen. Für den bestehenden Benzin-Partner sind die heutigen Migrolinos oftmals zu gross.

Valora erhält von SBB Zuschlag für 262 Kiosk-Standorte. (Archiv)
Der Detailhaendler Valora testet erstmals neue Shops ohne Kasse. In den beiden Läden avec box sowie avec X ist der Einkauf nur mit einer Handy-App möglich. (KEYSTONE/Walter Bieri)Bild: KEYSTONE

Und: Die Minishops sind tagsüber mit Mitarbeitern besetzt, die für Warennachschub sorgen. Nachts werden sie zu Selbstbedienungsstationen. Für den Zutritt und Einkauf benötigen Kunden die Migrolino-App, die mit einer Software ausgerüstet ist, wie sie Banken benutzen. «So können wir die Kunden identifizieren und sicherstellen, dass nur über 18-Jährige Alkohol beziehen können.» Die heikle Frage, ob die Geschäfte 24 Stunden geöffnet sein werden, konnte Migrolino auf Anfrage bis Redaktionsschluss nicht beantworten.

Migros flirtete einst mit Valora

Dass Migros, Valora und Co. neue Formate lancieren, kommt nicht von ungefähr. Denn zuletzt stockte das Wachstum im sogenannten Convenience-Markt. Die Shops für den schnellen Einkauf legen zwar noch immer zu, doch längst nicht mehr so stark wie Anfang dieses Jahrzehnts.

Pikant ist, dass die Migros nun Valoras Konzept kopieren will. Denn die beiden Konzerne machten einst beim Aufbau des Convenience-Geschäfts gemeinsame Sache. Bis 2008 führten sie unter dem Namen Cevanova AG ein Joint Venture, mit dem sie die ersten Avec-Läden betrieben. Danach gingen sie getrennte Wege; Valora behielt Avec, Migros startete mit Migrolino neu.

Letztere expandierte in der Folge rasant – auch dank der 2012 erfolgten Kooperation mit dem aserbaidschanischen Energiekonzerns Socar und dessen 60 Tankstellen. 2015 überholte Migrolino gar den Branchenprimus Coop Pronto, was die Anzahl Filialen anbelangt. Heute bringt es Migrolino auf 318 Geschäfte und einen Umsatz von 528 Millionen Franken.

Und was ist mit den Konkurrenten? Volg, Coop und Spar geben an, mit ihren Convenience-Shop-Konzepten keine Self-Service-Pläne zu hegen, man verfolge die aktuelle Entwicklung aber aufmerksam. (aargauerzeitung.ch)

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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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dorfne
04.06.2019 07:36registriert Februar 2017
Ich hab diesen avec-Shop im HB ausprobiert. Ich sag nur soviel: die App verlangte von mir das Einscannen der Identitätskarte. Leuchtet mir ein, wegen des Alkohols. Aber wenn das die Zukunft ist, können die Unternehmen mit uns machen was sie wollen, indem sie unlimitiert private und heikle Daten von uns verlangen und weiterverwenden. Auf das Eingreifen des Staates können wir dann lange vergeblich warten, der ist wirtschaftshörig.
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Anam.Cara
04.06.2019 06:52registriert November 2015
Ich traue den Konzernen nicht. Das Ziel heisst doch "Mehr Umsatz mit weniger Personalkosten".
Ich weigere mich nach wie vor, die self-checkout-Kassen zu benutzen. Weil ich gerne "guten Tag" wünsche und weil ich will, dass die Person an der Kasse ihren Job behalten kann.
Aber die Zahl der bedienten Kassen wurde bereits reduziert. Migros zwingt mich also, im Schnitt länger anzustehen als früher. Weil sie möchte, dass ich ihnen helfe, Personal einzusparen.
Das finde ich nicht in Ordnung...
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dorfne
04.06.2019 07:43registriert Februar 2017
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass wir für jeden Schritt Richtung Digitalisierung einen analogen Plan B brauchen. Wenn nicht, brauchen wir ab 2030 keine neuen Kampfjets für 6 Milliarden. Die nützen nichts, wenn Hacker am andern Ende der Welt die Stromversorgung eines Landes lahmlegen oder GPS Satelliten im All neutralisieren, oder Terroristen die Server in die Luft jagen.
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