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Süssgetränke in einem Tankstellenshop.
Süssgetränke in einem Tankstellenshop.Bild: Alex Spichale

Weniger Zucker in Süssgetränken: Bund strebt Deal mit Coca-Cola und Co. an

An einem runden Tisch hat der Bund Gespräche mit Vertretern der Getränkebranche geführt. Bis im Frühjahr sollen Ziele vereinbart werden, um den Zuckergehalt in den Süssgetränken zu drosseln.
20.11.2021, 08:22
Kari Kälin / ch media

Die Menschen in der Schweiz konsumieren zu viel Zucker. Mehr als doppelt so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. 110 anstatt 50 Gramm. Zu viel Zucker erhöht das Risiko für nicht übertragbare Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Der Bund versucht deshalb, die helvetische Süssigkeitspandemie in den Griff zu bekommen. Ein Mittel dazu ist die Erklärung von Mailand. Darin haben diverse Vertreter der Lebensmittelindustrie wie Nestlé, Migros, Coop, Emmi oder Kellogg's vereinbart, den Zuckergehalt in Joghurts und Frühstückscerealien freiwillig zu reduzieren. Erste Erfolge wurden erzielt, bis 2024 soll der Zuckeranteil weiter gedrosselt werden.

Bloss: Weniger süsse Joghurts und kalorienärmere Frühstücksflocken machen den Braten für den Bund noch nicht genug feiss. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) will deshalb die Erklärung von Mailand ausdehnen auf weitere Treiber des Zuckerkonsums, namentlich auf Milchdrinks, Quarkprodukte und Süssgetränke. Dies geht aus einer Antwort des Bundesrats auf eine Interpellation von Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle (SP, GE) hervor. Ein runder Tisch zwischen Vertretern des Bundes und der Lebensmittelindustrie hat Anfang November stattgefunden. Im Frühjahr 2022 ist ein weiteres Treffen geplant. Bis dann soll die Ausdehnung der Erklärung von Mailand soll unterschrieben werden.

Untersuchung zum Zuckergehalt in Süssgetränken

Wie viel weniger gezuckert sollen Quark, Michdrinks und Süssgetränken werden? «Aktuell befinden wir uns in den Gesprächen mit den entsprechenden Produzenten und dem Detailhandel und können noch keine Angaben zu den möglichen Reduktionszielen und zum Zeitraum machen», sagt eine BLV-Sprecherin. Das BLV hat im Sommer den Zuckergehalt der Süssgetränken auf dem Schweizer Markt untersucht. Im ersten Quartal des nächsten Jahres sollen die Resultate publiziert werden.

Bekannt ist: Wer zum Beispiel an einem Tag einen Liter «klassisches» Coca-Cola trinkt, schluckt mehr als 100 Gramm Zucker – was etwa 37 Stück Würfelzucker entspricht. Bekannt ist auch, dass in der Schweiz verkauftes Fanta mehr als doppelt so viel Zucker enthält wie jenes in Grossbritannien, das eine Zuckersteuer kennt.

Getränkehändler Alois Gmür ist skeptisch

Der Schwyzer Mitte-Nationalrat Alois Gmür ist Bierbrauer und Getränkehändler.
Der Schwyzer Mitte-Nationalrat Alois Gmür ist Bierbrauer und Getränkehändler.Bild: keystone

Muss die Politik die Schraube anziehen, um die Kalorieneinfuhr via Süssgetränke zu verringern? Nationalrat Alois Gmür (SZ, Mitte) ist Bierbrauer und Mitglied der Interessengemeinschaft für Erfrischungsgetränke, eines Zusammenschlusses von Vertretern der Erfrischungsgetränkeproduzenten und der nationalen Politik. Gmür stellt in seinem Betrieb fest, dass Süssgetränke wie das klassische Coca-Cola an Terrain einbüssen zu Gunsten von weniger zuckerhaltigen und zuckerfreien Getränken wie etwa Coca-Cola Zero. «Dieser Trend wird auch ohne politische Vorgaben anhalten», sagt er. Er steht der Ausdehnung der Erklärung von Mailand auf Süssgetränke skeptisch gegenüber.

Die IG Erfrischungsgetränke betont, die Hersteller würden den Zuckergehalt seit Jahren freiwillig reduzieren. Präsident Lorenz Hess, Berner Mitte-Nationalrat, schreibt, zuckerhaltige Lebensmittel stünden auch deshalb in der Kritik, weil es darum gehe, Ursachen und Schuldige für die Zunahme an übergewichtigen und fettleibigen Menschen zu suchen. Dabei würden Erfrischungsgetränke pauschal zu Verursachern gemacht. Dabei könnten sie «in einem ausgewogenen Mass jeden Tag einen Beitrag an die ausreichende Flüssigkeitszufuhr leisten».

Am runden Tisch teilgenommen hat Coca-Cola Schweiz. «Wir anerkennen, dass zu viel Zucker für niemanden gut ist», sagt Sprecherin Natasja Sommer. Coca-Cola habe sich deshalb verpflichtet, den Konsumentinnen und Konsumenten zu helfen, ihren Zuckerkonsum über die Getränke von Coca-Cola zu kontrollieren. Das Unternehmen habe den Zuckergehalt in seinem Portfolio seit 2005 um mehr als 10 Prozent reduziert. 60 Prozent des Portfolios seien zuckerreduziert oder zuckerfrei.

Seit mehr als 60 Jahren Rivella Blau

Rivella sei offen für Gespräche und sei gespannt, was der weitere Verlauf des Dialogs mit dem BLV bringen werde. Sprecherin Monika Christener betont, die jüngsten Innovationen lägen alle im Bereich der leichten, natürlich gesüssten Getränke. Zuckerreduktion sei für Rivella seit jeher ein wichtiges Thema. In der Schweiz sei bereits 1959 das zuckerlose Rivella Blau lanciert worden.

Hat schon viele Vorstösse gegen den Zuckerkonsum eingereicht: die Genfer Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle.
Hat schon viele Vorstösse gegen den Zuckerkonsum eingereicht: die Genfer Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle.Bild: KEYSTONE

Laurence Fehlmann Rielle, parlamentarische Kämpferin gegen den hohen Zuckerkonsum, bleibt derweil skeptisch. «Die Lobby der Erfrischungsgetränke wird jegliche Regulierung bremsen», sagt sie. Dabei habe man feststellen können, dass die Einführung einer Zuckersteuer wie etwa in Grossbritannien die effizienteste Massnahme sei, um Ziele im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erreichen. Die Genfer SP-Nationalrätin begrüsst, dass Süssgetränke Teil der Erklärung von Mailand werden sollen. Sie fragt sich aber: «Was wird das bewirken?» (aargauerzeitung.ch)

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Zucker, der braun ist.

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Zucker, der braun ist.
quelle: watson / emily engkent
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