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Ukraine-Krise und die Schweiz: Das schreiben die Sonntagszeitungen

Ukraine-Krise und die Schweiz: Das schreiben die Sonntagszeitungen

13.03.2022, 13:0913.03.2022, 14:06
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Die Forderungen der Gewerkschaften nach Massnahmen zur Stützung der Konjunktur und nach höheren Löhnen, der Ruf der Grünen nach autofreien Sonntagen und die steigenden Lebensmittelpreise: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:

«SonntagsZeitung»:

Eine Eni Tankstelle an der A-2 Autobahnraststaette Erstfeld praesentiert seine Benzinpreise am Donnerstag, 10. Maerz 2022, in Erstfeld im Kanton Uri. Wegen dem Krieg in der Ukraine sind die Rohoelprei ...
Bild: keystone

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert vom Bundesrat angesichts des Ukraine-Krieges Sofortmassnahmen für die Wirtschaft. Ansonsten drohe die Arbeitslosigkeit zu steigen. Die Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten sei zu stärken. Der SGB will laut «SonntagsZeitung» allen Bundesräten einen Brief schreiben, um auf die besorgniserregende Lage aufmerksam zu machen. Die Landesregierung solle die vereinfachte Kurzarbeit, die bis Ende März befristet ist, bis Juni verlängern. So liessen sich Entlassungen im Tourismus, in der Flugbranche und in der Exportindustrie verhindern. Ferner fordert der Gewerkschaftsbund, dass der Bundesrat die CO2-Abgabe, die auf den 1. Januar von 96 auf 120 Franken pro Tonne CO2 erhöht worden ist, rasch zurückerstattet.

«SonntagsBlick»:

Der Gewerkschaftsbund verlangt darüber hinaus für die kommende Lohnrunde generelle Lohnerhöhungen. Wegen des jüngsten Preisanstiegs auf breiter Front drohten sonst vielen Leuten Einbussen bei der Kaufkraft, sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart gegenüber dem «SonntagsBlick». Der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Roland Müller, weckt seinerseits Hoffnungen auf höhere Löhne. Sollte die aktuell gute Wirtschaftslage anhalten, könnten sich bei vielen Unternehmen Spielräume öffnen. In erster Linie richteten sich die Arbeitgeber bei den Nominallöhnen am finanziellen Spielraum in den Unternehmen aus. Müller ist sich bewusst, dass sich eine steigende Kaufkraft positiv auf die Konsumentenstimmung auswirkt.

«NZZ am Sonntag»:

Der Rueckreiseverkehr von Wintersportlern staut sich auf der Autobahn A13 nach einem schoenen Wochenende, aufgenommen am Sonntag, 13. Februar 2022, in Maienfeld. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Bild: keystone

Die Grünen fordern ihrerseits Massnahmen gegen die steigenden Energiekosten. Die Schweiz sollte autofreie Sonntage einführen, wie dies bei der Ölkrise in den 1970er Jahren gemacht worden sei, sagte Parteipräsident Balthasar Glättli gegenüber der «NZZ am Sonntag». Ferner verlangt Glättli Tempo 80 oder 100 auf der Autobahn. Die Nationalstrassenbeleuchtung sollte in der Nacht reduziert werden. Mit ihren weitreichenden Forderungen sind die Grünen nicht allein. Die Parteien überbieten sich derzeit mit Vorschlägen, wie die Politik auf die drohende Energiekrise reagieren sollte. Die SP will die Krankenkassenprämien verbilligen, sollten die Heizkosten explodieren. Die SVP fordert, dass der Bund auf einen Teil der Abgaben auf Treibstoff, Heizöl und Strom verzichtet.

«SonntagsZeitung»:

Der Verzicht auf russisches Gas und Öl würde die Schweizer Wirtschaft hart treffen. Sollten die Importe dieser Rohstoffe rasch versiegen, etwa wegen der verschärften Sanktionen gegen Russland, dürfte das Bruttoinlandprodukt um 3 bis 4 Prozent während zweier Jahre zurückgehen. Das zeigen Berechnungen der Konjunkturforschungsstelle (KOF) an der ETH-Zürich, die die «SonntagsZeitung» veröffentlicht hat. Dank Nachhol-Effekten wegen der Corona-Pandemie könnte die Konjunktur so knapp an einer Rezession vorbeischrammen. Laut der KOF liesse sich ein Teil der Lieferungen aus Russland durch andere Quellen ersetzen. Auch die Reduktion der strategischen Reserven könnte in der Übergangszeit helfen.

«SonntagsZeitung» / «Le Matin Dimanche»:

ARCHIV - A Zehnder radiator with a Danfoss valve and thermostat in an apartment, pictured in Rigi Kloesterli, Switzerland on January 18, 2015. - Dem Heizungs- und Lueftungshersteller Zehnder macht der ...
Bild: KEYSTONE

Um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, macht eine überparteiliche Allianz von Parlamentariern jetzt einen radikalen Vorschlag. Sie fordert, dass ein Drittel der 300'000 Gasheizungen in der Schweiz durch Wärmepumpen ersetzt wird. Der Bund sollte jedem Hauseigentümer für den Heizungswechsel mindestens 12'000 Franken zahlen, wie es in einem Strategiepaper heisst, aus dem die «SonntagsZeitung» zitiert. Der Vorschlag stammt von der SP, wird aber von Politikern der Mitte-Parteien und den Grünen unterstützt. Der Vorstoss hat einen Nachteil. Wärmepumpen erhöhen den Stromverbrauch. Der Strom wird jedoch künftig ohnehin schon knapp. Der Bund befürchtet in den kommenden Jahren einen Strommangel im Winter. Eine Studie der ETH Lausanne malt ein noch düstereres Bild.

«SonntagsBlick»:

Wegen des Ukraine-Krieges schiessen die Preise für Lebensmittel und Kunstdünger in die Höhe. Die SVP nimmt das zum Anlass, eine Anbauschlacht 2.0 und eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades für die Schweiz zu fordern. Jeder Bauer solle dank einer intensiveren Produktion einige zusätzliche Tonnen Getreide ernten, sagte SVP-Nationalrat Martin Haab gegenüber dem «SonntagsBlick». Unsinnige Ökoprojekte sollten dagegen sistiert werden. Heftige Opposition kommt dagegen von den Grünen. Es sei absurd, den Grad der Selbstversorgung erhöhen zu wollen, indem die Schweiz mehr Dünger und Pestizide aus dem Ausland importiere, sagte der Grüne Nationalrat Kilian Baumann. Sinnvoller sei, in der konventionellen Landwirtschaft vermehrte biologische Methoden anzuwenden.

«Le Matin Dimanche»:

Der Ukraine-Krieg dürfte sich sehr schnell auf die Budgets der Schweizer Haushalte auswirken, warnt die Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». Nach den steigenden Gas- und Benzinpreisen dürften sehr bald die Lebensmittelpreise anziehen. Laut John Plassard, Anlagespezialist bei der Genfer Bank Mirabaud, ist in diesem Jahr mit Preissteigerungen von 10 bis 15 Prozent zu rechnen. Die meisten Grundnahrungsmittel seien betroffen: Butter, Eier, Milch, Brot, Kekse und Speiseöle. Die grossen Schweizer Detailhandelsfirmen hätten ihre Preise bisher noch nicht erhöht, aber die aktuelle Krise werde sich in den nächsten Monaten sicherlich bemerkbar machen, sagte ein Sprecher der Migros.

«NZZ am Sonntag»:

Ein Beagle wird am 22. Mai 1997 nach einer Versuchsreihe eines Basler Pharmakonzerns an den Tierschutzverein uebergeben. Die Tierversuche in der Schweiz sind 2002 erneut angestiegen. Abgenommen habe d ...
Bild: KEYSTONE

Der Schweizer Tierschutz (STS) will mit einer Volksinitiative die Supermärkte zwingen, Fleisch aus tierfreundlicher Produktion günstiger anzubieten. Darunter fallen Bioprodukte, aber auch andere Labels, die sich an Tierwohl-Normen ausrichten und die über das Minimum hinausgehen. Wie Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen, hat der STS Rechtsexperten kontaktiert, um abzuklären, wie eine solche Initiative aussehen könnte. Unterstützung erhält der STS von Volkswirtschaftsprofessor Mathias Binswanger. Wichtig sei vor allem, die Bauern mit ins Boot zu holen. Am Ende sollten die Landwirte mehr Geld erhalten und die Label-Fleisch-Preise für die Kunden sinken. Das würde stark ins Geschäft der Grossverteiler Coop und Migros eingreifen, die grössten Abnehmer von Schweizer Fleisch.

«SonntagsBlick» / «SonntagsZeitung»:

FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann will eine Gruppe von 160 westukrainischen Waisenkindern aus der Umgebung Lviv in die Schweiz holen. Ein ihm bekannter ukrainischer Unternehmer habe ihn kontaktiert. Dieser Mann mit Wohnsitz in Westeuropa habe das Waisenhaus bis zum Kriegsbeginn finanziert. Nun seien die Kinder und Jugendlichen zusammen mit ihren 15 Betreuern nach Polen geflüchtet. Nun suche der vermögende Geschäftsmann einen Ort, an dem die Kinder längerfristig bleiben und aufwachsen könnten. Was es brauche, sei eine geeignete Unterkunft, sagte Portmann gegenüber dem «SonntagsBlick» und der «SonntagsZeitung». Er habe von Bundesrätin Karin Keller-Sutter die Zusicherung erhalten, dass die Schweiz alles unternehme, um die Kinder hierher zu bringen. In die Aktion involviert sind mehrere Russinnen und Ukrainerinnen in der Schweiz.

«SonntagsBlick»:

Der Geschaeftsmann Guido Fluri spielt mit einem Kind aus der Ukraine, am Freitag, 11. Maerz 2022, in der nationalen Gedenkstaette fuer Heim- und Verdingkinder in Muemliswil. In der Gemeinde Muemliswil ...
Bild: keystone

Christine Schraner Burgener, die seit Anfang Jahr als Staatssekretärin im Bundesamt für Migration tätig ist, zeigt sich trotz der stark wachsenden Flüchtlingszahlen aus der Ukraine zuversichtlich, die Krise meistern zu können. Bisher seien rund 2800 Personen registriert worden. Davon seien 832 bei Verwandten und Freunden untergekommen, sagte Schraner in einem Gespräch mit dem «SonntagsBlick». Wie viele Menschen schliesslich kommen würden, sei schwer zu sagen. Der Bund rechnet mit bis zu 60'000 Flüchtlingen. Die Eidgenossenschaft stelle rund 9000 Plätze für die kurzfristige Unterbringung zur Verfügung. Danach gingen sie in Unterkünfte, die die Kantone zur Verfügung stellten, oder kämen bei Privatpersonen unter. Schraner Burgener hofft, dass die Flüchtlinge nicht in Turnhallen untergebracht werden müssen.

«SonntagsZeitung»:

Der Epidemiologe Marcel Salathé hält die Corona-Lage angesichts stark steigender Fallzahlen für besorgniserregend. In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» rät er daher zur Vorsicht. Er fordert den Bundesrat auf, mit dem letzten Öffnungsschritt noch zuzuwarten. Bei den aktuell hohen Zahlen würde er mit der totalen Aufhebung der Maskenpflicht in Zügen und Bussen noch zuwarten. Auch die Isolationspflicht würde er noch beibehalten, bis die Zahlen wieder tief seien. Zudem müsse sich das Land auf eine weitere Corona-Welle im Herbst vorbereiten. Dann sollte eine vierte Impfung für grosse Teile der Bevölkerung ins Auge gefasst werden. Er unterstütze eine solche vierte Impfung.

«NZZ am Sonntag»:

Nachdem unser Gehirn während des Grossteils der Menschheitsgeschichte immer grösser geworden ist, schrumpft es seit ein paar tausend Jahren wieder. «Der Rückgang entspricht dem Volumen einer Zitrone», sagte der US-Anthropologe Jeremy DeSilva gegenüber der «NZZ am Sonntag». Lange tappten Wissenschafter über die Gründe dafür im Dunkeln. Inzwischen gibt es neue Forschungsansätze. DeSilva vermutet, dass die Auslagerung von Wissen durch die Erfindung der Schrift dazu führte, dass der Mensch weniger Energie ins Gehirn investiert. Die Biologin Sandra Heldstab vom Anthropologischen Institut der ETH Zürich vermutet dagegen, dass neue Infektionskrankheiten ein stärkeres Immunsystem erfordern, das dem Gehirn einen Teil der Energie entziehe. (sda)

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