Schweiz
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Matthias Egger, Praesident des Nationalen Forschungsrats im Schweizerischen Nationalfonds und neu Praesident der National COVID-19 Science Task Force, kommentiert die aktuelle Situation rund um die Pandemie des Coronavirus COVID-19, am Donnerstag, 2. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Matthias Egger, Chef der Corona-Taskforce, hätte die Schulen lieber weniger rasch geöffnet. Bild: KEYSTONE

In diesen Punkten wollte die Taskforce den Lockdown vorsichtiger lockern als der Bundesrat

Bei den Lockdown-Lockerungen wollte die Task-Force vorsichtiger vorgehen als der Bundesrat. So hätten die Wissenschaftler die Schulen nur schrittweise geöffnet.



Diese Woche hat der Bundesrat punkto Lockdown eine überraschende Kehrtwende hingelegt. Und hat damit einige Empfehlungen der Wissenschaft in den Wind geschlagen.

Bei den Lockerungen wollte die Task-Force vorsichtiger vorgehen als der Bundesrat:

«Wir schlugen vor, die Schulen schrittweise zu öffnen; zuerst mit maximal 15 Schülern pro Klasse und gestaffelten Pausen. Das hat der Bundesrat so nicht ins Schutzkonzept aufgenommen.»

Matthias Egger

Dies sagt Matthias Egger, Chef der Taskforce, in einem Interview mit der NZZ am Sonntag. Ein Trost: Immerhin folgten nun einige Kantone den Empfehlungen der Wissenschaftler.

Wurde die Wissenschaft vom Bundesrat punkto Lockdown-Lockerungen gar übersteuert? Egger sagt, dass er dies nicht so sehe. «Aber es ist völlig klar, dass wirtschaftliche Interessen bei diesen Entscheiden mit eine Rolle spielen. Auch soziale Folgen eines Lockdown müssen in die Entscheidung einfliessen, nicht nur der Schutz der Gesundheit

Ob er als Epidemiologe langsamer vorgegangen wäre, will er nicht sagen. Zu den beschleunigten Öffnungen sagt er:

«Es ist keine Hochrisikostrategie, die der Bundesrat jetzt einschlägt. Wenn sich die Schweizer Bevölkerung an die Regeln und Schutzkonzepte hält, ist zu erwarten, dass die Reproduktionszahl unter eins bleibt.»

In der Taskforce wurden auch umstrittene Massnahmen diskutiert. Etwa, dass Seniorinnen und Senioren nur zu gewissen Zeiten nach draussen hätten gehen dürfen. «Es ist ethisch und sozial schwierig, eine Bevölkerungsgruppe derart einzuschränken. Darum wurde die Idee wieder verworfen», sagte Egger weiter zur NZZ am Sonntag.

Der oberste Corona-Wissenschaftler der Schweiz wagt auch eine Zukunftsprognose. Seine Hoffnung sei, dass in einem Jahr in Studien grössflächig geimpft werden könne.

Aber wie lange dauert die Corona-Durststrecke noch?

«Es ist möglich, dass wir noch zwei Jahre oder länger so weiterleben müssen. Wir kennen das Virus schlecht.»

Es könne sein, dass man unangenehme Eigenschaften entdecke, welche die Entwicklung von wirksamen und sicheren Impfstoffen verkomplizierten und verlangsamten.

Weiter äusserte sich Egger zum Ansteckungsrisiko von Kindern, das diese Woche für viele Diskussionen sorgte. Die Gefahr für Kinder sei klein. Auch sei es kaum wahrscheinlich, dass sie Erwachsene ansteckten. «Es gibt weltweit keine gut dokumentierten Ansteckungen von Erwachsenen durch Kinder.»

Eine Studie des deutschen Star-Virologen Christian Drosten zeigt, dass Kinder ebenso viele Viren in sich tragen können wie Erwachsene. Egger sieht dies anders: «Seine Resultate zeigen, dass bei Kindern die Virenlast geringer ist als bei den Ältesten. Die Studie beruht aber auf nur wenigen Kindern, und die Unterschiede sind statistisch nicht signifikant.»

(amü)

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