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Umfrage zeigt: Das denkt die Schweizer Bevölkerung über die Corona-Massnahmen



Die Massnahmen in der Corona-Pandemie sind für knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung gut austariert. Der Bundesrat und das Bundesamt für Gesundheit geniessen Vertrauen. Dies zeigt eine am Samstag veröffentlichte Umfrage von gfs.bern.

Am kritischsten äussern sich die über 25'000 befragten Schweizer Einwohnerinnen und Einwohner, was den wirtschaftlichen Schaden im Vergleich zum gesundheitlichen Schaden betrifft. 43 Prozent denken, dass der Wirtschaft zu stark oder eher zu stark geschadet wurde. Deutlich weniger, nämlich 15 Prozent, halten umgekehrt den gesundheitlichen Schaden für (eher) zu gross.

42 Prozent denken, dass die Balance zwischen öffentlicher Gesundheit und wirtschaftlichen Einschränkungen des Lockdowns soweit gehalten wurde. 48 Prozent sehen die Balance gehalten zwischen wirtschaftlicher Unterstützung und dem Einsatz von Steuergeldern. Die kritischen Voten halten sich hier ebenfalls besser im Lot: 30 Prozent finden, dass (eher) zu wenig kompensiert wird, während 22 Prozent eine Steuerverschwendung bilanzieren.

49 Prozent beurteilen die Situation bezüglich Freiräumen und Einschränkungen als ausgewogen. Hier sind auch die kritischen Voten praktisch gleich verteilt: 26 Prozent finden, dass es eher zu viele Vorschriften gibt, 25 Prozent sehen zu viele Freiräume.

Etwa 80 Prozent drücken dem Bundesrat das Vertrauen aus, er ist aber nicht unumstritten. Etwa eine von fünf befragten Personen äussert sich grundsätzlich kritisch, und es sind noch etwas mehr, wenn man konkret das Krisenmanagement des Bundesrats erfragt. Die Urteile über das Krisenmanagement des Bundesamts für Gesundheit (BAG) fallen sehr ähnlich aus wie diejenigen über das Krisenmanagement des Bundesrats.

Daniel Koch, Delegierter des BAG fuer COVID-19, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus, am Freitag, 1. Mai 2020, in Bern.(KEYSTONE/Peter Schneider)

Er ist so etwas wie das Gesicht des Corona-Managements: Daniel Koch, Delegierter des BAG fuer COVID-19. Bild: KEYSTONE

Die Kantone können auf Vertrauen von etwa drei Viertel der Befragten zählen, während sich etwas mehr als ein Viertel kritisch äussert. Mehrheitlich spricht die Bevölkerung auch den Medien das Vertrauen aus.

Internationale Akteure in der Kritik

Deutlich umstrittener als die nationalen Akteure sind die internationalen Akteure. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO noch genau von 50 Prozent das Vertrauen erhält, sind es nur noch 40 Prozent, welche dem Krisenmanagement von Italien ganz oder eher vertrauen. Noch kritischer wird die EU bewertet. Äusserst schlecht schneiden das Krisenmanagement von China (86 Prozent Misstrauische) und von den USA (92 Prozent Misstrauische) ab.

Die BAG-Vorgaben werden von grossen Teilen eingehalten und die meisten Befragten kommen recht gut durch die Krise. Obwohl 79 Prozent der Kontakt mit Freunden und Kollegen fehlt, bleibt die Stimmung im Land entspannt. 87 Prozent geben an, sich mehr oder weniger an die BAG-Vorgaben zu halten.

Breite Kreise fühlen sich gut informiert. Allerdings denkt nur ein Drittel, dass sich das Verhältnis zu den Nachbarn verbessert hat. Etwas mehr, nämlich 36 Prozent, vermissen Sportanlässe. Mit 29 Prozent denken grössere Anteil der Bevölkerung, dass die Pandemie mit einer starken Grippewelle vergleichbar ist, wie sie in den letzten Jahren mehrfach vorgekommen ist. Dieses Argument ist damit auch relevant, wenn es um die Argumentation gegen die behördlichen Massnahmen geht.

Mehr Lohn für Pflegeberufe

Verschiedene Massnahmen gaben in den letzten Wochen Anlass zu Diskussionen. Dabei scheint sich eine Meinung sehr klar durchzusetzen: Pflegeberufe sollen mehr Lohn erhalten.

ARCHIVBILD ZUR INFORMATION DER SKS UEBER DIE KOSTENBREMSE BEI KRANKENKASSEN, AM MITTWOCH, 26. APRIL 2017 - Eine Pflegefachfrau macht ein Krankenbett im Regionalspital Surselva, aufgenommen am 2. Dezember 2011 in Ilanz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Zwar rechnen viele nicht mit einer schnellen wirtschaftlichen Erholung und mit anhaltenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Nach den ersten Lockerungsmassnahmen vertraut eine deutliche Mehrheit dem Krisenmanagement, befolgt die BAG-Richtlinien und kommt gut durch die Krise. Zwar gibt es auch eine potenziell wachsende Gruppe, die sich nach schnelleren Lockerungen sehnt, sie hält sich aber nach wie vor an die Vorgaben. Die Zuversicht überwiegt generell.

15 Prozent stellen sich recht fundamental gegen die Notmassnahmen. Sie sind systematisch kritisch und misstrauen Medien, Wissenschaft und Behörden. In der ersten Lockerung sehen sie vor allem Willkür. Sie sind stärker als die restliche Bevölkerung von wirtschaftlichen Einbussen betroffen und orten eine Überreaktion bei einer Pandemie, die aus ihrer Sicht mehr oder weniger einer Grippewelle gleicht.

Und schliesslich: Für Mehrheiten ist die Pandemie ein Weckruf für Bescheidenheit, einen besseren Umgang mit der Natur und ein Zeichen gegen den alltäglichen Stress.

Die Online-Befragung in Zusammenarbeit mit den Zeitungen «Blick», «Le Temps» und «Corriere del Ticino» nahm die Ausgangslage vom 16. April und lief vom 22. bis 28. April. An der Umfrage nahmen 25’323 Personen vollständig und mit verwertbaren Antworten teil. (sda)

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