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100-Jährigkeit liegt im Blut: Warum manche Körper langsamer altern

100-Jährigkeit liegt im Blut: Warum manche Körper langsamer altern

Das Blut von hundertjährigen Schweizerinnen und Schweizern weist Proteine auf, die stark denen von jungen Menschen ähneln. Deshalb scheinen sie vor Entzündungen und körperlichem Verschleiss gewappnet zu sein.
02.03.2026, 06:0002.03.2026, 06:00
Stephanie Schnydrig
Stephanie Schnydrig

In unserem Blut treiben Hunderte verschiedene Proteine. Sie transportieren Sauerstoff, Hormone und Vitamine, koordinieren die Immunabwehr und regulieren den Stoffwechsel. Ihre Zusammensetzung verändert sich im Lauf des Lebens, weshalb die Proteinsignatur als biologische Altersuhr dient und verrät, wie schnell oder langsam Entzündungs- oder Verfallsprozesse im Körper ablaufen.

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Wer die richtigen Proteine im Blut hat, erreicht eher ein hohes Alter. (Symbolbild)Bild: keystone

Ein Forschungsteam der Universitäten Lausanne und Genf ist nun der Frage nachgegangen, ob sich im Blut von Hundertjährigen eine besonderes Proteinmuster findet. Dafür verglichen die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler im Rahmen der SWISS100-Studie, der ersten landesweiten Studie über Hundertjährige in der Schweiz, drei Gruppen: vierzig 100-Jährige, sechzig 80-Jährige sowie vierzig Gesunde im Alter von 30 bis 60 Jahren. Die Achtzigjährigen dienten als Referenz des «gewöhnlichen» Alterns. So konnte unterschieden werden zwischen biologischen Veränderungen, die fast alle betreffen, und jenen Besonderheiten, die Menschen auszeichnen, die mehr als ein Jahrhundert leben.

Gemessen wurden 724 Proteine im Blut, vor allem solche, die mit Entzündungen sowie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen in Verbindung stehen. Bei 37 dieser Proteine zeigte sich ein auffälliges Muster, wie das Team um den Genfer Biologen Karl-Heinz Krause im Fachjournal «Aging Cell» berichtet. Die Konzentrationen dieser Proteine ähnelten bei den Hundertjährigen eher denen der 30- bis 60-Jährigen als jenen der Achtzigjährigen.

Entzündungen unter Kontrolle

Diese «jugendlichen» Proteine betreffen zunächst die Kontrolle von Entzündungen. Mit zunehmendem Alter gerät das Immunsystem häufig in einen Zustand dauerhafter Alarmbereitschaft – ein Phänomen, das Forschende «Inflammaging» nennen. Diese chronische Reizung gilt als Treiber von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Demenz. Im Blut der Hundertjährigen jedoch deutet vieles auf ein fein reguliertes Immunsystem hin, nicht auf einen Körper im permanenten Abwehrmodus.

Zudem fanden die Forschenden, dass ihr Abwehrsystem oxidativen Stress, eine Art unsichtbarer Rostprozess des Körpers, in Schach hält. Auch der Energiestoffwechsel scheint bei Hundertjährigen dank jugendlicher Proteine nicht zu entgleisen. Und schliesslich betrifft die Proteinsignatur auch das programmierte Absterben von alten und beschädigten Zellen, die sogenannte Apoptose: zu wenig davon begünstigt Krebs, zu viel davon beschleunigt körperlichen Abbau.

Zusammengenommen scheint hohes Alter also die Fähigkeit des Körpers zu sein, über ein Jahrhundert hinweg Mass zu halten und in Balance zu bleiben. (aargauerzeitung.ch)

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