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Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, am Ende einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Donnerstag, 12. November 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Martin Ackermann, Präsident der Task Force, letzte Woche nach der Pressekonferenz. Nachdem er die neuen Empfehlungen bekannt gegeben hat, wurde er mit Widersprüchen konfrontiert. Bild: keystone

Braucht es weitere Massnahmen? Die Taskforce ist sich uneinig

Innerhalb der Taskforce ist man sich über die nächsten Schritte zur Bekämpfung von Corona uneinig. «Das untergräbt das Vertrauen in das Gremium», sagt ein Kommunikationsexperte. Jedoch seien Diskussionen wesentlich für die Wissenschaft, heisst es aus der Taskforce.



Am Samstag publizierte die National COVID-19 Science Task Force, kurz Taskforce, neue Empfehlungen auf Twitter. Dem aktuellsten Lagebericht zufolge rät die Taskforce zu diesen Massnahmen:

Am Tag darauf schrieb die «Sonntagszeitung», dass man sich innerhalb der Taskforce uneinig war. Mehrere Gremiums-Mitglieder hätten anonym ausgesagt, dass der Lagebericht anders formuliert wurde als besprochen. Vereinbart gewesen sei, dass die Taskforce die neuen Massnahmen nur empfehle, wenn das Zwischenziel – eine Halbierung der Fallzahlen in ein bis zwei Wochen – nicht erreicht werde.

Vertrauen in das Gremium schwindet

Dieses Hin und Her irritiert. «Es ist unglücklich, wenn die Science Taskforce einen Lagebericht publiziert, der dann von einzelnen Mitgliedern über die Medien korrigiert oder ergänzt wird. Das untergräbt das Vertrauen in das Gremium», sagt Kommunikationsexperte Markus Niederhäuser von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

In einem Punkt scheint sich die Taskforce einig: Die Corona-Fallzahlen sollen alle zwei Wochen halbiert werden. Allerdings driften offenbar die Meinungen auseinander, wie dieses Ziel am besten erreicht werden kann.

Wissenschaft braucht Gegensätze

Das bestätigt Samia Hurst-Majno von der Taskforce: «Einige Mitglieder würden den Behörden empfehlen, die Reproduktionsrate unverzüglich durch individuelle, vorübergehende und strengere Massnahmen zu senken», sagt sie. Andere seien der Meinung, dass die Behörden mit neuen Massnahmen noch warten könnten, da dies ein klareres Bild von der Entwicklung der Fallzahlen gebe.

«Diese Art der Diskussion ist ein wesentlicher Bestandteil der Wissenschaft», sagt Hurst. «Das Ergebnis davon hat zur publizierten Form des Lageberichts geführt.» Hurst ist in der Expertengruppe für ethische, rechtliche und soziale Fragen rund um Covid-19 und ist Professorin an der Universität Genf.

Die Science Task Force besteht aus zehn Expertengruppen, in denen rund 70 Expertinnen und Experten arbeiten. Auf der Homepage steht, dass sich die Mitglieder in ihrem Fachgebiet jederzeit frei äussern können. Gleichzeitig unterstehen sie dem Leiter Martin Ackermann, der die Taskforce nach aussen vertritt.

Differenzen transparent machen

Die unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Gremien sollen möglichst offengelegt werden, rät Markus Niederhäuser von der ZHAW. «Es ist dann an den politischen Behörden, die verschiedenen Sichtweisen zu gewichten, Entscheidungen zu treffen und politisches Handeln einzuleiten.»

Zuletzt entscheiden Bundesrat und Kantone über die Massnahmen. Ob und welche Experten-Ratschläge umgesetzt werden, wird sich zeigen. Momentan sieht der Bundesrat nicht vor, die bestehenden Massnahmen zu verschärfen oder Restaurants, Bars und Museen zu schliessen, wie er letzte Woche an der Pressekonferenz mitteilte.

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