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Alle Infos zum feministischen Streik am 14. Juni 2024

Feministischer Streik

Darum wird die Schweiz am 14. Juni von einer violetten Welle erfasst

Am 14. Juni werden in den Schweizer Städte wieder violette Wellen durch die Strassen ziehen. Anlass dafür ist der landesweite feministische Streik. Hier findest du die wichtigsten Fragen und Antworten.
12.06.2024, 15:25
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Wieso findet der Streik am 14. Juni statt?

Der Tag bezieht sich auf den 14. Juni 1981. Seit diesem Tag gelten Frau und Mann in der Schweiz per Gesetz als gleichberechtigt. Zehn Jahre nach der Volksabstimmung fand am 14. Juni 1991 der erste grosse Frauenstreik statt.

Unter dem Motto «Wenn Frau will, steht alles still» strömten hunderttausend Frauen auf die Strasse, um gegen die zögerliche Umsetzung des Verfassungsartikels und anhaltende Ungleichheiten zu demonstrieren.

Streikende Frauen am nationalen Frauenstreiktag am 14. Juni 1991 in Bern.
Frauenstreiktag in Bern, 14. Juni 1991.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum /ASL

Ins Leben gerufen wurde der Frauenstreik von Uhrbearbeiterinnen aus dem Jura, um auf die Lohnschere zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen. Der Streik war bis 1991 die grösste öffentliche Mobilisierung der Schweiz seit dem landesweiten Generalstreik von 1918.

Mit rund einer halben Million Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging auch der Frauenstreik 2019 als weitere grösste Mobilisierung in die Schweizer Geschichte ein. Wie auch beim ersten Frauenstreik im Jahr 1991 galt die Lohngleichheit als eine der zentralen Forderungen.

Warum heisst der Frauenstreik neu feministischer Streik?

Der Streik wird seit 2023 nicht mehr Frauenstreik, sondern «feministischer Streik» genannt. Da der Tag alle feministischen Menschen ansprechen soll.

Warum ist Violett die Farbe des Feminismus?

Am feministischen Streik ist die Farbe violett omnipräsent. Doch warum ist gerade Violett zur Farbe der Frauenbewegung geworden?

Aus historischer Sicht ist Violett nicht die Farbe der Frauen, sondern die Farbe der Gleichstellung. Denn: Violett ist die Mischung aus den stereotypischen Farben Rosa für Mädchen und Hellblau für Jungs.

Des femmes manifestent lors d'une manifestation de la greve des femmes / greve feministe, 30 ans apres la premiere greve des femmes en Suisse, ce lundi 14 juin 2021 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent  ...
Frauen tragen am feministischen Streik violette Oberteile.Bild: KEYSTONE

Dies geht zurück auf die Frauenbewegung Women's Social and Political Union (WSPU), die sich zwischen 1903 und 1917 für Frauenrechte in Grossbritannien einsetzte. In den 70ern wurde die Farbe mit der berühmt-berüchtigten «lila Latzhose» wiederbelebt. Seither gilt die Farbe als Erkennungszeichen der Frauenbewegung.

Dürfen Männer mitstreiken?

Alle Menschen dürfen am Streik teilnehmen. Doch die Frauen sowie die von Diskriminierung betroffenen Personen stehen gemäss dem Streikkollektiv im Vordergrund.

«Wir haben einen Schichtplan für Soli-Männer eingerichtet und wir freuen uns, wenn dieser gefüllt wird», sagt Franziska Stier vom Frauenstreikkollektiv Basel. Und weiter: «Bevor man sich aber hier einträgt, wär es wichtig, mit den Frauen und genderqueeren Menschen im eigenen Umfeld zu reden und zu fragen, welche Unterstützung sie brauchen, um sich am 14. Juni zu beteiligen.»

«Feminismus ist im Interesse aller Geschlechter.»
Fabian Molina

«Feminismus ist im Interesse aller Geschlechter», findet auch SP-Nationalrat Fabian Molina. «Er befreit uns von einengenden Rollenbildern, verteilt die Aufgaben in der Gesellschaft gerecht und schafft mehr Freiheit für alle.» Deshalb sei es richtig und wichtig, dass sich auch Männer feministisch betätigen. Am Frauenstreik stehen aber die Bedürfnisse und Forderungen von Frauen im Zentrum.

Was sind die Hauptanliegen des diesjährigen Streiks?

Wie in den Vorjahren gibt es viele Forderungen. Franziska Stier vom feministischen Streikkollektiv in Basel nennt uns vier zentrale Forderungen:

  • Wir fordern eine diskriminierungsfreie Gesundheitspolitik, wie zum Beispiel die Gesundheitsversorgung und Pflege für alle Geschlechtsidentitäten.
  • Wir brauchen einen kostenlosen Zugang zu Abtreibung und Verhütungsmittel. Unsere sexuelle Gesundheit soll nicht länger nur auf die Reproduktion begrenzt werden.
  • Zur Sicherung unserer ökonomischen Situation brauchen wir vollumfängliche Lohngleichheit. Dazu gehört die angemessene Bezahlung von Care-Arbeit und die Reduktion der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden.
  • Die Altersarmut kann langfristig nur verbessert werden, wenn die AHV gestärkt wird. Wir fordern die Einführung einer Elternzeit für beide Elternteile von mindestens einem Jahr. Schweizweit müssen die Care-Angebote ausgebaut und deren Finanzierung gesichert werden. Für uns gibt es kein Rentengesetz ohne das Inkludieren der Care-Arbeit.

Mehr Infos hier.

Das diesjährige Motto in Basel lautet daher:

«Unsere Körper, unsere Strassen, unsere Welt!»

In Bern heisst das Motto: «Solidarisch, feministisch, antirassistisch!». Und in Zürich wird unter dem Motto: «Because we care!» zum Streik aufgerufen.

Wie gross wird der Streik?

In Basel rechnet man mit 5000 Teilnehmenden, man hofft aber auf mehr. In Zürich und in Bern dürfte der Streik deutlich grösser ausfallen. Laut den Organisatoren sollen in Zürich im letzten Jahr 120'000 Menschen demonstriert haben. Schweizweit sollen sich 350'000 Menschen beteiligt haben.

Des femmes manifestent sur la place de la Riponne pendant le grand cortege lors de la Greve feministe le mercredi 14 juin 2023 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Feministischer Streik in Lausanne, 14. Juni 2023.Bild: keystone

Abgesehen von den feministischen Streikkollektiven haben auch Gewerkschaften wie die Unia, die SEV (Gewerkschaft des Verkehrspersonals) oder die Syndicom (Gewerkschaft Medien und Kommunikation) zum Streik aufgerufen.

Normalerweise sind die meisten Menschen in Zürich, Basel, Genf und Bern unterwegs. In verschiedenen Schweizer Städten sind ausserdem viele unterschiedliche Aktionen geplant. (cst)

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14 Bilder vom Frauenstreik am 14. Juni 1991
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14 Bilder vom Frauenstreik am 14. Juni 1991
Am Schweizer Frauenstreik vom 14. Juni 1991 beteiligen sich Hunderttausende von Frauen landesweit an Streik- und Protestaktionen. Im Bild: Eine Gruppe von Frauen auf dem Helvetiaplatz in Zürich.
quelle: keystone / walter bieri
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