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Neue Schätzungen

In der Schweiz sterben jedes Jahr bis zu 300 Menschen an der Grippe, mit der sie sich im Spital angesteckt haben



Nach einer Schätzung des Basler Spitalarztes und Infektiologen Andreas Widmer sterben in der Schweiz jährlich 100 bis 300 Menschen, nachdem sie sich in einem Schweizer Spital angesteckt haben. Ein Grund dafür ist die verbreitete Impfverweigerung beim Spitalpersonal.

Mit freiwilligen Massnahmen seien in der Deutschschweiz Impfquoten von 35 Prozent möglich, sagte Widmer im Interview mit der SonntagsZeitung. «Wir wissen aber, dass es für einen effektiven Schutz eine Impfquote von 50 Prozent bräuchte.» Darunter könne sich das Grippevirus immer noch in genügend grosser Zahl reproduzieren.

Andreas Widmer, Director of the department Advisors for infection prevention, speaks during a presentation in the university hospital in Basel Switzerland on Wednesday 15 October 2014. After forecasts about Ebola deaths in West Africa to reach tens of thousands and fragile health systems would be overwhelmed by the world's worst outbreak of the virus preventive measures are taken. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Andreas Widmer während einer Präsentation. Bild: KEYSTONE

Er zeigte sich überzeugt, dass Todesfälle vermieden werden könnten, wenn sich das Spitalpersonal vermehrt impfen liesse. «Leider werden in der Diskussion simpelste wissenschaftliche Erkenntnisse missachtet. Wir haben es mit viel Fundamentalismus und Irrationalität zu tun.»

Forderung an den Bund

Angesprochen auf ein Modell aus dem Universitätsspital Genf, in dem ungeimpftes Personal in der Grippesaison eine Maske und ein Abzeichen tragen muss, sagte Widmer: «Ein solches Modell schützt die Patienten, daher wäre es gut, wenn es schweizweit gälte.» Der Bund müsste dafür eine entsprechende Weisung herausgeben.

«Für Hochrisikoabteilungen befürworte ich ein Impfobligatorium», sagte Widmer weiter. Wer besonders schwache Patienten betreue, müsse sich impfen lassen. Für den Widerstand von Pflegeverbänden zeigt er kein Verständnis. Bei anderen Berufen gebe es auch Schutzmassnahmen und im Spital gehe es «um Patienten, um Leben und Tod».

Die Schätzungen stützen sich auf Genf

Zur genauen Zahl der Grippeinfektionen und -toten, die auf eine Infektion im Spital zurückzuführen ist, gibt es laut Widmer keine systematischen Erhebungen. Nur das Universitätsspital Genf erfasse solche Zahlen. Aufgrund dessen erschienen ihm 100 bis 300 Tote pro Jahr als «eine realistische Schätzung».

Widmer ist stellvertretender Chefarzt und Leiter der Abteilung für Spitalhygiene am Universitätsspital Basel. Zudem präsidiert er den Verein Swissnoso, in dem Ärzte in Kaderpositionen organisiert sind, die Informationen und Empfehlungen zu Themen wie Infektprävention oder Antibiotikaresistenz erarbeiten. (feb/sda)

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