Schweiz
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Unispital Zürich greift gegen drei Spitzenmediziner durch



The entrance of the University Hospital Zurich, on Sunday, July 22, 2018, in Zurich, Switzerland. Chairman Sergio Marchionne, the CEO of carmaker Fiat Chrysler, was hospitalised at the University Hospital Zurich. Marchionne's health conditions after shoulder surgery prevented him from fulfilling his role as chairman. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Seit Wochen steht das Universitätsspital Zürich (USZ) wegen Ungereimtheiten von drei ihrer Spitzenmediziner in der Kritik. Nun ergreift es Sofortmassnahmen: eine Beurlaubung, eine kürzere Leine und einen Ruhestand.

Der jüngste Fall, der über Medienberichte ans Licht kam, betrifft Francesco Maisano, den Direktor der Herzchirurgie am USZ. Ihm wird vorgeworfen, Implantate von Firmen verwendet zu haben, an denen er selber beteiligt ist und diese Interessenskonflikte nicht transparent gemacht zu haben.

Zudem soll er Publikationen über den Einsatz neuartiger Implantate geschönt und der Zulassungsbehörde Swissmedic irreführende Angaben gemacht haben. In Fachartikeln habe er ausserdem verschwiegen, dass eine Patientin während der Operation wiederbelebt werden musste.

Bereits am Dienstag kündigte die Universität an, diese Vorwürfe zu untersuchen. Nun wird Maisano für drei Wochen beurlaubt, wie das USZ am Mittwoch mitteilte. Ihm werde Zeit eingeräumt, um detailliert Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen.

Patienten an private Praxis überwiesen

Kritik gab es in den vergangenen Wochen auch am Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Martin Rücker. Er soll systematisch Patientinnen und Patienten zur Behandlung an seine private Praxis überwiesen haben. Die USZ hat mit ihm nun vereinbart, dass er ab sofort nur noch am USZ Patienten behandeln darf.

Der dritte Mediziner, der unrühmliche Bekanntheit erlangte, ist der Klinikdirektor Gynäkologie, Daniel Fink. Laut Operationsplänen schaffte er es offenbar, bis zu drei Patientinnen gleichzeitig zu operieren. Das USZ kündigte auch hier eine Untersuchung an.

Fink wird das USZ nun aber nach über 30 Jahren verlassen, aus gesundheitlichen Gründen, wie das USZ weiter schreibt.

Parteien orten «Systemversagen»

Die Arbeitsmethoden der drei Mediziner riefen auch die Zürcher Politik auf den Plan. SP, Grüne und EVP kritisierten mit deutlichen Worten die Missstände am USZ.

«Diese Professoren verletzten Standesregeln, wissenschaftliche Prinzipien und sogar Gesetze. Sie tun es, um finanziell zu profitieren. Sie tun dies zulasten der Öffentlichkeit, der Krankenkasse, der Steuer- und der Prämienzahlenden», schrieben sie Anfang Woche in einer gemeinsamen Mitteilung.

Die Parteien orten ein «Systemversagen». Keine der vielen Aufsichtsebenen habe den «egoistischen Spitzenmedizinern» ernsthaften Widerstand entgegengesetzt. Alle hätten versagt, von der Spitalleitung über den Spitalrat und den Unirat, die Gesundheits- und die Bildungsdirektion bis hin zum Kantonsrat selber. (aeg/sda)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Cpt. Jeppesen 27.05.2020 19:54
    Highlight Highlight Ich hoffe doch sehr, dass hier die Staatsanwaltschaft ein gewisses Interesse verspürt zu ermitteln. Oder sind Leute mit einem gewissen Reichtum keine mögliche Ermittlung mehr wert? Ich meine es ist von öffentlichem Interesse hier eine Anklage zu erheben. Die Beträge, welche sich diese 3 Herren ergaunert haben sind keine Peanuts, da kommen Millionen zusammen über die Jahre. Und ich bin der Meinung dieses unrechtmässig erhaltene Vermögen dürfen sie nicht behalten. Macht man übrigens auch bei verurteilten Drogendealern so.
  • Vecchia 27.05.2020 17:37
    Highlight Highlight Wenn man dazu noch den Artikel zu den KK-Gehältern berücksichtigt und evtl. noch ein paar Dinge im Gesundheitssystem genauer ansieht, würde man garantiert Möglichkeiten finden soviel zu sparen, dass dem Pflegepersonal wieder faire und gute Arbeitsbedingungen geboten werden können, ohne den Prämienzahler belasten zu müssen...
  • Demetria 27.05.2020 17:01
    Highlight Highlight Schön dass wenigstens bei den Medizinern mal jemand durchgreift. Bei den Geisteswissenschaften in Bern interessiert es keine Sau wer wem was zuschanzt oder Plagiate begeht. Die glauben sogar es wäre erlaubt, schliesslich gelten Gesetzte und Regeln höchstens für die Plebs in Bern West, nicht für die feinen Ordinarien aus dem Kirchenfeld. Immerhin, das ist nicht nur ein Problem der Wissenschaft. Ob Justiz, Wirtschaft oder Politik seit der Wirschaftskrise von 2008 hat sich eine hübsche kleine Kleptokratie etabliert.
  • Fumia Canero 27.05.2020 15:40
    Highlight Highlight "Laut Operationsplänen schaffte er es offenbar, bis zu drei Patientinnen gleichzeitig zu operieren."
    Ein Genie! Und sowas wollen die in den Ruhestand gehen lassen?

    «Diese Professoren verletzten Standesregeln, wissenschaftliche Prinzipien und sogar Gesetze. Sie tun es, um finanziell zu profitieren.»
    Das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass sowas passiert. Zum Glück haben sie es bemerkt.
  • Statler 27.05.2020 14:49
    Highlight Highlight Tja, wenn man durch bescheissen Geld verdienen kann, werden sich auch immer welche finden, die das tun. Und je mehr Geld dabei rausschaut, desto skrupelloser sind die Leute.

    Darum haben kapitalistische Strukturen, Gewinnorientierung, etc. im Gesundheitswesen nichts verloren.

    Wenn ein Bauunternehmer mogelt, ist das unschön, kann aber durch entsprechende Urteile ausgeglichen werden.

    Wenn ein Arzt schummelt, hat das Auswirkungen auf die Patienten (u.U. bis zum Tod). Da hilft dann auch keine Strafe, weil Vieles, das angerichtet wurde, nicht mehr umkehrbar ist.
  • insert_brain_here 27.05.2020 13:55
    Highlight Highlight Da verstossen Angestellte mit der Absicht sich zu bereichern gegen Vorschriften und Gesetze, zur Strafe wird der eine einvernehmlich entlassen, mit dem anderen wird abgemacht, dass er ab sofort brav ist und der dritte bekommt drei Wochen Urlaub. Da es nicht erwähnt wurde gehe ich mal davon aus, dass alle das auf Kosten der Allgemeinheit ergaunerte Geld behalten dürfen. Angesichts dieser abschreckenden Massnahmen werden eventuelle Nachahmer es sich bestimmt zweimal überlegen, momoll...
    • Ivan se Terrible 27.05.2020 14:25
      Highlight Highlight In der Wirtschaft nennt man das einen "Goldenen Fallschirm" … es sind nur immer die Kleinen, die bei Verfehlungen büssen, die Grossen kommen immer schön davon. War so, ist so und wird wohl immer so sein >:-(
    • Selbstverantwortin 27.05.2020 16:51
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass die kantonalen Anstellungsbedingungen es kaum zulassen, mehr zu tun.

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