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Wie zwei Zürcher SVP-Jungunternehmer mit Masken Millionen machten



Schutzmasken-Händler sollte man sein, dachten wohl nicht wenige Menschen während der Pandemie. Zwei Jungunternehmer aus Zürich hatten da den Gedanken schon in die Tat umgesetzt.

Und das kam so: Im Jahr 2016 gründeten der Wirtschaftsgymnasiast und der KV-Lehrling eine Firma namens Emix und importieren Softdrinks und Kosmetika. Der Sinn dahinter: etablierte Lieferketten umgehen.

Zu Beginn der Coronakrise anfangs Jahr wittern sie ihre Chance und satteln auf den Handel mit Schutzmasken um – als eine der ersten Firmen in Europa. Das sichert ihnen auch Deals mit Behörden in der Schweiz, Deutschland und weiteren europäischen Ländern.

Der Strategiewechsel hat sich ausgezahlt. Und wie.

Sie verdienen daran Millionen. 30 bis 100 Millionen schätzt Inside Paradeplatz. Pro Person.

Woher kommt das Geld?

Aber damit überhaupt so viele Masken importiert werden konnten, brauchte es Kapital in der Höhe von mehreren Millionen Franken. Woher kam es? Am Wochenende griff die «Sonntagszeitung» die Geschichte auf. Sie sprach mit dem Wirtschaftsanwalt Peter Ackermann, dem Mentor der beiden Jungunternehmer und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Emix Trading.

Ackermann bekräftigt gegenüber der «Sonntagszeitung», dass das Kapital hauptsächlich aus der Liquidität, welche Emix seit 2016 erwirtschaftet hat, stammt. Zusätzlich kam ein kleinerer Teil von drei Aktionären.

Zu Beginn der Krise kaufte gemäss «Inside Paradeplatz» auch die Armeeapotheke bei der Emix Trading Masken. Eine Armeesprecherin bilanziert: «Ganz zu Beginn der Beschaffungen durch die Armeeapotheke zur Bewältigung der Corona-Pandemie hat diese von der Emix Trading GmbH 10 Millionen Hygienemasken und 500’000 FFP2-Masken gekauft.»

Wieso wird eine Untersuchung gefordert?

Die beiden Jungunternehmen liessen durchaus durchblicken, wie hoch ihre Gewinne waren. So kauften sie sich gemäss «Inside Paradeplatz» unlängst zwei neue Bentleys für rund 250’000 Franken pro Stück sowie einen Ferrari für 2,5 Millionen Franken. Schnell kamen Fragen auf, wie hoch die Margen im Maskengeschäft seien.

Die Armee wiegelt ab: «Die Armeeapotheke hat bei Emix zu Marktpreisen eingekauft», sagt VBS-Sprecherin Carolina Bohren gegenüber der «Sonntagszeitung».

Franz Grueter, SVP-LU, geht durch den Saal, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 4. Juni 2020 im Nationalrat in einer Ausstellungshalle von Bernexpo in Bern. Damit das Parlament die vom Bundesrat verordneten Verhaltens- und Hygieneregeln zur Bekaempfung der Covid-19 Coronavirus Pandemie einhalten kann, findet auch die Sommersession in Bernexpo und nicht im Bundeshaus statt. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Der Bund habe zu viel für die Masken bezahlt, meint SVP-Nationalrat Franz Grüter. Bild: keystone

Misstrauisch wurde auch SVP-Nationalrat Franz Grüter (LU). «Ich fordere, dass die Eidgenössische Finanzkontrolle die Maskenbeschaffung durch die Armeeapotheke untersucht», zitiert die «Sonntagszeitung» den Nationalrat. Es dürfe nicht sein, dass sich junge Menschen an einer Notlage bereicherten.

Wer sind die Millionäre?

Die beiden Jungunternehmer wollten am Wochenende gegenüber der Presse keine Auskunft geben. Die Präsidentin der jungen SVP des Kantons Zürich, Camille Lothe, sagt aber gegenüber «20 Minuten», dass die beiden bis im März im Vorstand der Zürcher Jungpartei waren. Danach mussten sie wegen ihres Import- und Exportgeschäfts kürzer treten – Parteimitglieder sind sie weiterhin.

Die beiden Jungunternehmer mit JSVP-Zürich-Präsidentin Camille Lothe und Christoph Blocher, 2017.

Die beiden Jungunternehmer mit JSVP-Zürich-Präsidentin Camille Lothe und Christoph Blocher, aufgenommen 2017. Bild: facebook/Junge SVP zürich

Und Nationalrat Grüter? Der relativiert gegenüber «20 Minuten» seine Aussage. Er meint: «Ich fordere keine Untersuchung gegen die Jungunternehmer. Vielmehr gratuliere ich ihnen, sie sind schlaue Geschäftsleute.»

Aus der Krise Profit zu schlagen sei nicht verwerflich: «Sie haben ein lukratives Geschäft gemacht, und das ist ihr gutes Recht.»

Grüter bleibt aber bei der Forderung nach einer Untersuchung, denn er ist überzeugt, dass der Bund zu viel für die Masken bezahlt habe: «Das muss untersucht werden. Es kann nicht sein, dass der Bund mit 1.20 Franken pro Maske rechnet, wenn der Marktpreis bei 30 bis 40 Rappen liegt.»
(jaw)

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