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Seit bald sieben Jahren steht das Haus an der Langstrasse 95/97 leer. Der Fassade sieht man nicht an, dass es Millionen wert ist. bild: google streetview

Das gefährliche Geisterhaus von der Zürcher Langstrasse

Seit Jahren steht mitten im Zürcher Kreis vier ein Haus leer, trotz eines Angebotes. Der Besitzer gibt sich bedeckt.

pascal ritter / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Mieter stehen Schlange, um eine Wohnung im Kreis vier zu bekommen. Umso mehr sorgt ein leerstehendes Haus in der Langstrasse für Kopfschütteln. Auf der Höhe des Piazza Cella, zwischen dem Kebabstand Aladin und dem Club Bagatelle steht es, das Geisterhaus der Langstrasse. Graffiti zieren die Fassade, das Ladenlokal im Erdgeschoss ist verrammelt. Über einem verwaisten Balkon erinnern Hammer und Sichel an eine illegale Party, welche vor knapp sieben Jahren dort stattgefunden hat. Danach machten Bauarbeiter das Innere des Hauses unbewohnbar, sodass sich nicht einmal mehr Hausbesetzer finden, die sich der verlassenen Immobilie annehmen.

Baukontrolle intervenierte

Das Haus ist in einem derart schlechten Zustand, dass es droht, eine Gefahr für Passanten zu werden. Die Baukontrolle hat beim Eigentümer interveniert. Dies schreibt Matthias Wyssmann, Sprecher des Hochbaudepartements, auf Anfrage in einer E-Mail. «Wir gehen davon aus, dass die Eigentümerschaft die Fassade in den nächsten zwei Monaten sichert», schreibt er weiter. Gegen den Leerstand kann die Stadt nichts machen. Niemand ist verpflichtet, sein Haus zu vermieten – auch nicht, wenn der Wohnraum knapp ist. Im Kreis vier standen im Jahr 2016 lediglich 0,43 Prozent der Wohnungen leer.

Koni Frei ist Teilhaber der Longstreet-Bar, die sich direkt auf der anderen Strassenseite befindet. Er kann nicht verstehen, warum das Haus leer steht. «Es tut mir weh im Herzen, wenn ich das sehe», sagt er. Frei ist ein Urgestein des Kreises vier, verwaltet die Kanzleiturnhalle und ist an zahlreichen Bars und Kaffees beteiligt. «Ich habe dem Besitzer vorgeschlagen, die Wohnungen zu vermieten, solange nicht klar ist, was mit dem Haus geschieht. Ich wäre auch bereit gewesen, sofort wieder raus zu gehen, wenn der Besitzer das Haus für einen anderen Zweck bräuchte», sagt Frei. Doch auf sein Angebot wurde nicht eingegangen.

Reich dank Sex-Shops

Der Eigentümer ist Fredy Schönholzer. Er kaufte das Haus Ende 2011, wie das Grundbuchamt Aussersihl auf Anfrage offenlegt. Schönholzer ist kein Unbekannter. In den Siebzigerjahren soll er mit Sex-Shops reich geworden sein, wie «Das Magazin» berichtete. Nun handelt er mit Immobilien. Sein letzter grosser Coup war der Verkauf des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten.

Seinen Wohnsitz hat Schönholzer in Hergiswil im Kanton Nidwalden. Gemäss Handelsregister hat er verschiedene Immobilienfirmen inne. Schönholzer könnte das Haus heute mit einem Millionengewinn verkaufen. Der Druck auf ihn ist aber gering. Der Wert des Grundstücks steigt mit jedem Tag.

In letzter Zeit scheint sich aber etwas zu tun im Haus. Im April 2016 wurde eine Baubewilligung erteilt. «Soviel wir wissen, wird am Haus gearbeitet», sagt Hochbauamtssprecher Wyssmann. Schönholzer wollte sich auf wiederholte Anfrage nicht zu seinen Plänen äussern. Somit bleibt unklar, ob er sein Versprechen wahr macht, im Haus zehn Wohnungen zu schaffen. Entsprechende Pläne hatte er Ende April 2015 im «Tagblatt der Stadt Zürich» geäussert. Demnach plante er, Zweizimmerwohnungen zu 1300 Franken und Dreizimmerwohnungen zu 1800 Franken zu vermieten.

Kommt ein Hotel?

Schönholzer ist nun dabei, ins Hotelerie-Geschäft einzusteigen. Im November des letzten Jahres gründete er gemäss Handelsregister die «Smart Motel Group AG». Sie verfolgt den Zweck, Hotels zu handeln und umzubauen. Ob das Haus in der Langstrasse 95/97 zum Hotel umgebaut werden soll, bleibt offen. Von einem entsprechenden Baugesuch ist nichts bekannt.

Das Geisterhaus ist nicht die einzige Immobilie, die Schönholzer in der Langstrasse leer stehen lässt. Seit längerem gelingt es ihm nicht, einen Mieter für das Ladenlokal im Haus Nummer 83 zu finden. Für die rund 109 Quadratmeter will er monatlich über 10'000 Franken. Wer ein Restaurant aufziehen will, muss gar 12'000 Franken hinblättern. Das sind Preise, für die auch in der Langstrasse niemand Schlange steht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • whatthepuck 05.03.2017 11:15
    Highlight Highlight Ob Hotel oder Wohnungen - beides muss in Zürich an dieser Lage für die obere Preisklasse gemacht werden, um rentabel zu sein. Insofern ist's mir nur recht, wenn das Haus leer steht und die Gentrifizierung im Langstrassenquartier etwas abbremst, statt dass es eben diese mit überteuerten Neubauten beschleunigt.

    Wie erfrischend das Langstrassenquartier in der sonst so gepützelten und zu Profitmaximierung gezwungenen Zürcher Innenstadt doch ist. Wenn man sich fragt warum das so ist: Siehe Haus Nr. 83 - es müssen ja solche Luxusnutzungen rein, um überhaupt mithalten zu können! Gier der Vermieter!
    • farrah 05.03.2017 19:32
      Highlight Highlight eine 3 zimmerwohnung an der langstrasse für 1800.- ist jetzt nicht sehr überteuert wenn ich mir da andere wohnungen in diesem kreis anschaue, zahlt man schnell bis 2500.- franken....
  • Hierundjetzt 05.03.2017 10:06
    Highlight Highlight Der Sachverhalt ist ein wenig trumpischer (simpler).

    Wenn mir der gesamt Block gehört (es ist ein Ringbau) kann ich einen höheren Verkaufspreis erzielen. Wenn wir nun die Besitzverhältnisse an diesem Block anschauen werden wir feststellen, dass es nur einen "richtigen" gibt. Schönholzer ist das "Gallische Dorf"

    Das Geisterhaus hat zum Ziel den Verkaufspreis für seine Liegenschaft zu steigern. Nicht mehr und nicht weniger

    Da Zürich ein etwas sonderbares Verhältnis zum Immobilieneigentum pflegt (Besetzung ist voll ok) und er mit Labitzke schlechte Erfahrungen gemacht hat, will er keine Mieter
    • purzelifyable 05.03.2017 13:26
      Highlight Highlight Enteignen!
    • Hierundjetzt 05.03.2017 14:40
      Highlight Highlight Chabis, es ist einfach schade, dass wegen einer lauten gewalttätigen Kleinstminderheit die grosse Mehrheit leiden muss.

      Alleine in meinem Kreis gibt es sicher 5 Mehrfamilienhäuser (!) die zum Wohnen unbrauchbar gemacht wurden. Teils schon seit dem letzten Sommer, also auf Vorrat.

      100ete echte Bedürftige leiden wegen dieser agressiven Minderheit nun darunter.

      Cool oder?
    • Kalan 06.03.2017 09:21
      Highlight Highlight Das ergibt jetzt aber gar keinen Sinn, was du hier schreibst.

      Häuser werden besetzt wenn sie leer stehen. Unbrauchbar gemacht werden sie von Besitzern, damit sie sie lange leer stehen lassen können. Wenn jemand sein Haus vermieten will, tut er das ganz einfach und macht es nicht kaputt.

      Man kann von Besetzungen halten was man will, aber sie sorgen nicht für Leerstände, sondern im Gegenteil dafür, dass Besitzer ihr Haus möglichst bis zum Baubeginn vermieten statt sie leer stehen zu lassen - ausser Besitzer, die kaputt genug sind, ihr Haus lieber kaputt zu machen als es zu vermieten.
  • wipix 05.03.2017 09:07
    Highlight Highlight Da können nur Zürcher darauf kommen, eine schlicht leerstehende Immobilie als "Geisterhaus" zu betiteln! Oder war das gar WATSON, um mehr Beachtung für den unspektakulären Inhalt zu bekommen?

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