Schweiz
Zentralschweiz

Aus Spargründen die Beatmungsmaschine abgestellt: Dem Baldeggersee ging vorübergehend die Luft aus

Der Baldeggersee erhielt als weltweit erster See vor über 30 Jahren eine Beatmungsmaschine und entging so dem Kollaps.
Der Baldeggersee erhielt als weltweit erster See vor über 30 Jahren eine Beatmungsmaschine und entging so dem Kollaps.
Bild: KEYSTONE

Aus Spargründen die Beatmungsmaschine abgestellt: Dem Baldeggersee ging vorübergehend die Luft aus

12.11.2015, 11:5312.11.2015, 11:57

Auf dem Seegrund des Baldeggersees im Kanton Luzern ist von August bis Oktober der gesamte Sauerstoff aufgebraucht gewesen. Der Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee pumpte deshalb als Sofortmassnahme zusätzliche 180 Tonnen Sauerstoff hinein.

Gründe für den schlechten Zustand des Baldeggersees seien der nach wie vor zu hohe Nährstoffeintrag, die warme Witterung im Frühling und im Sommer dieses Jahres und ein aus Kostengründen reduzierter Sauerstoffeintrag, wie der Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee in einem Communiqué schreibt. Mehrere Medien berichteten am Donnerstag darüber.

Folge der kantonalen Sparprogramme

Für den Gemeindeverband ist der schlechte Zustand des Sees auch eine Folge der kantonalen Sparprogramme. Wegen Budgetkürzung werde der Baldeggersee seit 2013 mit weniger Sauerstoff belüftet, heisst es. Im Mittel wurden jährlich 350 Tonnen Reinsauerstoff zugeführt, für das Jahr 2015 sah man jedoch nur 283 Tonnen vor.

«Solche sauerstofflose Verhältnisse am Seegrund tragen letztmals vor 30 Jahren auf.»

Um einer weiteren Verschlechterung des Seezustandes entgegenzuwirken, reicherte der Gemeindeverband den Seegrund im September und Oktober mit zusätzlichen 180 Tonnen Sauerstoff an. Diese Sofortmassnahme kostete 70'000 Franken.

Weltweit erster See mit Beatmungsmaschine

Für Schweizer Seen liegt der gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Sauerstoffgehalt bei vier Milligramm pro Liter. Im Baldeggersee lag die Sauerstoffkonzentration im August jedoch bei 0,00 Milligramm pro Liter. «Solche sauerstofflose Verhältnisse am Seegrund tragen letztmals vor 30 Jahren auf», heisst es in der Mitteilung.

Bei einem sauerstofffreien Seegrund sterben die Lebewesen in dieser Zone ab, aus dem Sediment wird zusätzliches Phosphor gelöst und der See düngt sich selber. Der Baldeggersee erhielt als weltweit erster See vor über 30 Jahren eine Beatmungsmaschine und entging so dem Kollaps. (whr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Was ein EU-Parlamentarier von der Personenfreizügigkeit hält
Christophe Grudler kommt aus dem französischen Belfort und sitzt für die liberale Modem-Partei im EU-Parlament. Was hält er von der Personenfreizügigkeit?
In ihrer Region leben Grenzgänger im Camper, weil es zu wenige Wohnungen gibt. Sorgt die Personenfreizügigkeit auch auf französischer Seite für Probleme?
Christophe Grudler: Ein intensiver Austausch bringt immer positive und negative Effekte mit sich, das ist normal. Neben den Vorteilen für Wirtschaft und Beschäftigung gibt es immer auch negative Auswirkungen, darunter den Druck auf den Wohnungsmarkt, den wir auch auf französischer Seite kennen. Aber die Bilanz bleibt positiv. Die Schweiz profitiert von den qualifizierten Arbeitskräften. Und die Grenzgänger bringen gute Löhne nach Hause.
Zur Story