Zürcher Stadtrat will seine eigene Lohnobergrenze aufheben
Der Zürcher Stadtrat will seine eigene Lohnobergrenze aufheben. Diese wurde nach einer Volksabstimmung vor 25 Jahren eingeführt. Im Gegenzug soll er alle zusätzlichen Entschädigungen aus Verwaltungsräten oder anderen Drittinstitutionen abgeben.
257'457 Franken beträgt die aktuelle Lohnobergrenze für städtische Angestellte pro Jahr, wie der Zürcher Stadtrat am Mittwoch schrieb. Gemäss Lohnband müsste ein Angestellter der höchsten Funktionsstufe aber 296'000 Franken verdienen, heisst es in der Mitteilung.
Lohnvergleiche würden zeigen, dass die Stadt Zürich bei den unteren und mittleren Lohnstufen konkurrenzfähig sei. «Für die Entlöhnung der obersten Führungsfunktionen und des Stadtrats gilt das aktuell nur bedingt», schreibt der Stadtrat. So seien die Lohnobergrenzen in vergleichbaren öffentlichen Verwaltungen bis zu 30 Prozent höher. Kritisch sei die Situation insbesondere bei Funktionen, die in direkter Konkurrenz zum privaten Arbeitsmarkt stünden.
Die demografische Entwicklung verschärfe die Ausgangslage zusätzlich: Bis 2040 werden rund 40 Prozent der Mitarbeitenden der Stadt Zürich pensioniert. Das führe auch in zentralen Führungsrollen zu einem Generationenwechsel. Eine erfolgreiche Nachfolgeplanung setze voraus, dass die Stadt im Wettbewerb um qualifizierte Führungskräfte auf ein konkurrenzfähiges und in sich stimmiges Lohnsystem zurückgreifen könne.
Der Stadtrat hatte bisher einen festen Lohnansatz von 109 Prozent der Obergrenze, die Stadtpräsidentin 118 Prozent. Künftig soll der Stadtpräsident laut Vorschlag gleich viel verdienen wie die anderen Stadtratsmitglieder. Die Obergrenze würde für Angestellte und den Stadtrat aufgehoben. Alle könnten also künftig bis zu 296'000 Franken verdienen.
Die Vorlage geht nun in die Vernehmlassung.
Schichtarbeitende sollen profitieren
In einer anderen Vorlage zu den Arbeitsbedingungen will der Stadtrat allen Mitarbeitenden Gutes tun. Statt vier sollen alle neu mindestens fünf Wochen Ferien pro Jahr haben. Bisher galt ein etwas kompliziertes System mit sechs «Betriebsferientagen». Diese mussten an fixen Tagen, etwa in den Tagen um Weihnachten und Neujahr bezogen werden. Neu sollen 25 reguläre Ferientage und zwei Betriebsferientage gelten. Lernende sollen sechs Wochen plus zwei Betriebsferientage haben.
Profitieren sollen auch Schichtarbeitende. Ihnen will der Stadtrat die Zuschläge an Feiertagen, in der Nacht und an Sonntagen um zehn Prozent erhöhen. Sie sollen auch ab dem 50. statt dem 55. Lebensjahr drei Entlastungstage erhalten. (nil/sda)
