Ein Hoch auf das Unspektakuläre!
Edle Oldtimer werden immer hohes Renommee geniessen. Und Auto-Festivals, an denen millionenschwere Ferraris oder Bugattis prämiert werden, gibt es zur Genüge.
Klar, so ein Mercedes-Benz 540K war schon immer ein schönes Ding. Auch klar: Ein Auto, das schon zur Luxusklasse gehörte, als es neu war, wird auch als Oldtimer als exklusives Luxusding gehandelt werden. Und hey – selbst wenn man mal die üblichen Verdächtigen sein lässt und stattdessen kurlige Raritäten sucht, findet man gehörig spannendes Zeugs. Wir hatten ja kürzlich darüber berichtet:
Wunderschöne Klassiker, exklusive Raritäten, geschichtsträchtige Rennwagen – solche gibt's an schicken Events wie Pebble Beach oder das Goodwood Festival of Speed zu sehen.
Daneben gibt es noch ein Auto-Festival, das … anders ist. Dort werden die Ottonormalvergaser, die Mittelklassekombis und die PS-Sparer von einst gefeiert. Willkommen am Festival of the Unexceptional, das jährlich im Juli an wechselnden Orten in Südengland stattfindet.
Diese ganz spezielle Spezies von Auto-Nerd, die sich hier versammelt hat, ist nicht gekommen, um ihre meist reichlich unbeeindruckenden Leistungsdaten zu vergleichen. Nein, hier werden Kurbelfenster, Stoffsitze und die Felgenauswahl des Kumpels abgefeiert.
Billig begeistert. Plastic is fantastic. Basis ist Bombe. Depression auf vier Rädern, gewissermassen – das ist hier die höchste Form kreativen Selbstausdrucks.
Hier dürfen Autos glänzen, die du 1998 auf dem Aldi-Parkplatz gesehen hättest (und die du heute meist nur noch auf dem Schrottplatz antriffst), …
… laut Festival-Konzept, «Ganz normale Kisten, zu denen die allermeisten Menschen einen echten Bezug haben: Das erste Auto, das du selbst gefahren bist, das Auto deiner Eltern oder einfach die Karre, die du in der Einfahrt vom Nachbarn bewundert hast.»
Es sind genau die Autos, die neu derart allgegenwärtig waren, dass unsere kollektive Gleichgültigkeit dazu führte, dass sie heutzutage überraschend selten geworden sind.
Und keine mehr als die «Spezialeditionen», jene Marketing-Schnellschüsse, die mit ein paar trendigen Klebern und schrägen Innenraumfarben in limitierter Zahl angeboten wurden.
Ein Ford Mondeo ist dir zu sehr ein Monument der Mittelmässigkeit? Nicht aber der Mondeo «Ghia». Ein Citroën Saxo ist dir etwas gar bieder? Versuch's mit dem Saxo «Scandal»! Egal, wo du hinschaust: Du findest garantiert eine abstruse Farbkombi, gepaart mit einem skurrilen Logo.
Demnach wäre «Unexceptional» vielleicht die falsche Wortwahl. Oder zumindest eine ironische Anspielung, denn viele dieser Kisten sind mittlerweile verdammt selten.
Was sie aber definitiv nicht sind: teuer. Das Festival of the Unexceptional ist wahrscheinlich das demokratischste Autotreffen der Welt.
Kaum etwas lässt dich deinen Individualismus so sehr ausleben wie ein altes Auto. Und du solltest kein teures, exklusives Geschoss brauchen, um dabei zu sein.
Alles, was du brauchst, ist ein bisschen Fantasie und Sinn für Spass.
Und ein Ticket zum Festival of the Unexceptional.

