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Der höchste Berg des Landes

«Da willst du nicht hin, das ist kein guter Ort» 

Der Pico Basilé ist der höchste Berg Äquatorialguineas. Obwohl eine Strasse hoch führt, komme ich nicht bis auf den Gipfel – denn meine Bewilligung widerspricht sich selbst. Stattdessen gerate ich unter Spionageverdacht.

Reto Fehr, äquatorialguinea

3011 Meter thront der erloschene Vulkan Pico Basilé über Äquatorialguineas Insel Bioko im Golf von Guinea. Bei klarer Sicht sieht man von da oben bis nach Kamerun und Nigeria. Das mit der klaren Sicht ist allerdings so eine Sache. Blauen Himmel habe ich trotz bis zu 30 Grad noch nicht erblickt. Der Wüstenwind Harmattan sorgt hier derzeit für Dauerdunst. 

Obwohl eine Strasse bis ganz nach oben führt, ist der Pico Basilé nur für ganz wenige Auserwählte zugänglich. Denn da oben sind Radio-, TV- und Telefonantennen installiert. Mindestens. Zugang haben nur Militär und Servicemitarbeiter. Als Tourist benötigt man eine Bewilligung, welche aber angeblich schwierig erhältlich ist. 

CAN 2015

Der Gipfel des Pico Basilé. bild: Rahel Stauffer

Einige Taxifahrer in der Stadt erzählen mir zwar, dass sie mich da hoch fahren würden – obwohl der Weg mühsam sei. Für 70'000 Franc (ca. 140 Franken) wäre ich dabei. Aber ob wir oben dann auch wirklich ganz auf die Spitze kommen, das kann keiner so genau sagen denn das letzte Stück befindet sich auf Sperrgebiet. Und ein 4x4 sei Pflicht.

«Das ist nichts für dich»

Per Zufall treffe ich im Kulturzentrum Äquatorialguineas (als ich eigentlich das Amt für die Foto-Bewilligung suche) einen Mitarbeiter einer Telekomfirma. Schnell erzähle ich ihm von meinem Ziel. Doch José Maria, so sein Name, schüttelt nur den Kopf: «Da willst du nicht hin, das ist kein guter Ort.» Warum? «Ein Mitarbeiter ist erst kürzlich das erste Mal da oben gewesen und ist rückwärts umgekippt.» Warum weiss José Maria nicht. Er hat für sich entschieden: Da hoch werde er nie gehen. Aber kann er etwas für mich organisieren? «Nein, das ist kein guter Ort. Das ist ist nichts für dich.» 

So würde es auf dem Pico Basilé aussehen. bild: rahel Stauffer

Wenig später treffe ich einen Manager des Hilton Hotels in Malabo, welchen ich über Couchsurfing kennenlernte. Er kennt die ganze Insel und weiss, was für die wenigen Touristen sinnvoll ist. Luba sei okay, Ureka wunderschön und seit Kurzem nicht mehr nur mit einem siebenstündigen Fussmarsch oder über den Seeweg, sondern auf einer neuen Strasse erreichbar. Und Moka natürlich. Das Dorf auf 1200 Metern am Fuss eines Kratersees. Aber der Pico: «Nein, da kommt niemand einfach so rauf.» Warum? «Der Staat hat da oben diverse Einrichtungen.» Was für welche? «Einrichtungen halt.» Christian lächelt vielsagend.

watson am Afrika-Cup

watson-Sportchef Reto Fehr reist an den Afrika-Cup in Äquatorialguinea und berichtet ab dem 16. Januar regelmässig von seinen Erfahrungen – vorausgesetzt die Internetverbindung funktioniert und er erhält das versprochene Visum tatsächlich. Das kleine Land im Nacken Afrikas gilt als eines der touristisch wenigsten entwickelten und am schwierigsten zu bereisenden der Welt.

Durch Ölreichtum sind die Preise im Land unvorstellbar horrend. 2004 wies die Nation zwar die höchste Wirtschafts-Wachstumsrate (30%) aus und auf dem Papier wäre Äquatorialguinea gemessen am Pro-Kopf-Einkommen eines der reichsten Länder. In der Realität hat die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem, fliessenden Wasser und 20 Prozent der Kinder sterben vor dem 5. Lebensjahr. In der Korruptionsliste belegt die ehemalige, spanische Kolonie regelmässig hinterste Plätze und Präsident Teodoro Obiang – das am längsten im Amt stehende, nicht royale Amtsoberhaupt der Welt – kontrolliert seine «demokratische Nation» mit viel Militärpräsenz praktisch als Diktatur.

Eine Bewilligung, die sich selbst widerspricht

Über Umwege erhalte ich am Morgen meines Rückreise-Tages doch noch einen Wisch, mit welchem ich angeblich überall hin komme. Schnell sind Fahrer und Guide organisiert und wir düsen Richtung Kontrollstelle. Die Barriere ist geschlossen. 

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Meine Bewilligung, die leider nichts bringt. Bild: watson

Bei der nahgelegenen Häusergruppe erklärt sich jemand zuständig für die Einlasskontrolle. Er liest knapp fünf Minuten meine Bewilligung und meint dann: «Das geht nicht. Im ersten Abschnitt erlauben sie dir den Zutritt, im zweiten wird das widerrufen.» Tatsächlich steht als Einleitung, dass ich auf den Pico Basilé darf, weiter unten werden aber militärische Gebiete wieder verboten. «Und jetzt während des Afrika-Cups ist dies so ein Gebiet.» Er könne mich höchstens zwei der 37 Kilometer hochfahren lassen. «Aber nur mit einem Aufpasser von mir – der ist allerdings erst am Nachmittag zurück.»

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Hier geht es nicht weiter: Die Strasse hoch zum Pico Basilé ist geschlossen. Bild: watson

Wir könnten uns mit einem Zustupf den Zutritt erkaufen. «Aber wenn wir danach auf Militär treffen, dürften wir ein Problem haben», meint mein Guide Virginio. Ein Anruf beim Tourismus-Direktor bringt auch nur die Auskunft, dass er am nächsten Tag eine richtige Bewilligung schreiben könne, denn heute arbeite er nicht. 

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Nein, da könne er leider nichts machen, so der Herr an der Barriere. Die Bewilligung gilt nicht. Bild: watson

Spion mit seinen zwei Komplizen

Vielleicht kann uns der lokale Polizeichef weiterhelfen. Vor dem Polizeiposten lungert ein Betrunkener herum und auch der diensthabende Polizist scheint nicht nur Fanta zu trinken. Immerhin rufen sie ihren Chef. Als dieser – lässig mit der Pistole im Hosenbund steckend – aufkreuzt, will er erst alles bewilligen. Es scheint, dass wir nach zwei Stunden Spiessrutenlauf doch noch zum Ziel kämen. Zur Sicherheit macht er aber noch einen Kontrollanruf und berichtet danach: «Leider geht das nicht. Während des Afrika-Cups ist diese Bewilligung nur eine Bewilligung für die Bewilligung, die du beim Verteidigungsministerium abholen musst.» 

Ich gebe auf. Auch meine beiden lokalen Begleiter scheinen froh zu sein, vom Polizeiposten weg zu kommen. Der andere Polizist habe in der Zwischenzeit folgende Geschichte zusammengereimt: Ich sei ein ausländischer Spion und die beiden meine Komplizen. Unser Ziel sei, alle Anlagen auf dem Berg zu fotografieren und Äquatorialguinea zu schaden. Er wolle die Ausweise der beiden und sie bei der Behörde melden. Glücklicherweise weist ihn der Chef in die Schranken.

So bleibt der Berg für mich so mystisch, wie er sich während meinen Tagen in Malabo mit dem Dauerdunst präsentierte.

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Fahrer Julio, Guide Virgino und ich. Sehen wir wirklich aus wie ein Spion und seine zwei Komplizen? Bild: watson

Ein Strandtag in Äquatorialguinea



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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 04.02.2015 10:24
    Highlight Highlight Wir sind uns zwar gewohnt überall hingehen zu können, denke aber, dass es in der CH auch Orte gibt, die militärisches Sperrgebiet sind. Bereits beim WEF wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Aber die Episode von Bewilligungen und Verweigerungen, erstaunt und empört mich nicht. Die Welt ist voller Erfahrungen.

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