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Bereits in seiner dritten vollen Weltcupsaison kämpft Marco Odermatt um die grosse Kristallkugel.
Bereits in seiner dritten vollen Weltcupsaison kämpft Marco Odermatt um die grosse Kristallkugel.
bild: imago-images.de
Analyse

Kampf um die grosse Kugel – was für Odermatt und was für Pinturault spricht

12.03.2021, 06:06

Wie bei den Frauen, wo Petra Vlhova zu Saisonbeginn alles in Grund und Boden fuhr, sah das Rennen um den Gesamtweltcup nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Vorjahressieger Alexander Kilde auch bei den Männern lange wie eine klare Sache aus. Alexis Pinturault sammelte in «seinen» Disziplinen (Slalom und Riesenslalom) fleissig Punkte, siegte im einzigen Parallelrennen der Saison und fuhr auch im Super-G den einen oder anderen Zähler ein. Es schien, als könnte niemand den 29-jährigen Franzosen aufhalten.

Doch im Windschatten des «ewigen Zweiten» (2019 und 2020) und «Dritten» (2014, 2015 und 2016) hielt einer fast unbemerkt mit der Pace von Pinturault mit: Marco Odermatt. Der junge Schweizer gewann im Dezember den Riesenslalom von Santa Caterina und fuhr auch danach konstant stark. In seinen 19 Weltcup-Rennen in dieser Saison fuhr «Odi» nur dreimal nicht in die Top 10, in seiner Spezialdisziplin Riesenslalom in allen acht Rennen sogar stets in die Top 5.

Der Stand im Gesamtweltcup (31/37):

bild: screenshot srf

Dank seinem zweiten Saisonsieg, im Super-G von Saalbach-Hinterglemm am letzten Wochenende hat sich Odermatt vor den sechs letzten Rennen des Winters im Gesamtweltcup nun sogar bis auf 81 Punkte an Pinturault herangepirscht. Zwar liegt der Vorteil wegen des Restprogramms beim Franzosen: Je zwei Riesenslaloms und Slaloms sowie eine Abfahrt und ein Super-G stehen noch an. Dennoch liegt die grosse Kugel für Odermatt immer noch in Reichweite.

Die restlichen Rennen der Saison:

  • 13. März: Riesenslalom in Kranjska Gora
  • 14. März: Slalom in Kranjska Gora
  • 17. März: Abfahrt in Lenzerheide
  • 18. März: Super-G in Lenzerheide
  • 20. März: Riesenslalom in Lenzerheide
  • 21. März: Slalom in Lenzerheide

Der Kampf um den Gesamtweltcup:

Allerdings braucht der 23-jährige Nidwaldner den einen oder anderen Exploit, um sich noch an Pinturault vorbeizuschieben. Nimmt man die bisher gewonnenen Punkte pro Disziplin und rechnet sie auf die einzelnen Rennen bis zum Saisonende hoch, dann hätte Pinturault am Ende die Nase vorn und würde sich die grosse Kugel mit einem Vorsprung von exakt 100 Punkten holen.

Durchschnittspunkte pro Disziplin in der Saison 2020/21:

  • Slalom: Odermatt 0 – Pinturault 33,8
  • Riesenslalom: Odermatt 65,6 – Pinturault 68,8
  • Super-G: Odermatt 53 – Pinturault 16
  • Abfahrt: Odermatt 18 – Pinturault 0

Die Hochrechnung im Kugel-Kampf:

Wo Odermatt den prognostizierten Rückstand wettmachen könnte, ist vor den beiden letzten Weltcup-Wochenenden sonnenklar. Da im Riesenslalom beide Kugel-Anwärter in etwa gleich stark einzuschätzen sind, hat Odermatt vor allem im Super-G und in der Abfahrt noch Luft nach oben. Lässt der Schweizer den Franzosen im Riesenslalom zweimal hinter sich, könnten zwei Top-Resultate in der Abfahrt und im Super-G in der Lenzerheide bereits reichen.

Die Form bei Odermatt stimmt: Trotz der langen und kräfteraubenden Saison scheint der Shooting Star noch genügend Energie im Tank zu haben. Er gibt sich jedenfalls angriffslustig: «Das gibt einen grossen Kampf bis ganz am Schluss. Um ein Wörtchen mitzureden, muss man die ganz grossen Punkte holen. Ich bin vielleicht ein bisschen besser im Flow», erklärte der Nidwaldner am letzten Wochenende in Saalbach – auch wenn Pinturault im Slalom sicherlich gute Chance habe.

Odermatts Siegerlächeln in Saalbach-Hinterglemm.
Odermatts Siegerlächeln in Saalbach-Hinterglemm.
Bild: keystone

Das spricht für Odermatt:

  • Unbekümmertheit
  • Unberechenbarkeit
  • Aktuelle Topform
  • Heimvorteil (die Piste in der Lenzerheide sollte ihm liegen)

Das spricht für Pinturault:

  • Vorsprung im Gesamtweltcup
  • Restprogramm mit zwei Slaloms
  • Erfahrung
  • Konstanz

Noch vor zwei Wochen war die Gefühlswelt bei Odermatt eine ganz andere gewesen. Mit dem Aus im ersten Lauf des WM-Riesenslaloms hatte er die bisher grösste Enttäuschung seiner Karriere hinnehmen müssen. Doch Odermatt blies nicht lange Trübsal. Er kehrte so stark und selbstbewusst in den Weltcup zurück, wie er an die Titelkämpfe in Cortina d'Ampezzo gereist war. Die richtige Einstellung, findet der fünffache Gesamtweltcupsieger Marc Girardelli: «Wird es eng, musst du selbstbewusst auftreten», sagt vor dem grossen Finale.

Odermatt will in den letzten Rennen voll angreifen.
Odermatt will in den letzten Rennen voll angreifen.
Bild: keystone

Anders als für Odermatt scheint die Ausgangslage für Pinturault nicht besonders angenehm zu sein. Der Franzose spürt einen selbstbewussten Jäger im Nacken, während ihm selbst langsam der Sprit auszugehen scheint. In den letzten Rennen sah Pinturault gemäss ORF-Experte Hans Knauss ziemlich müde aus. SRF-Co-Kommentar Marc Berthod meint ebenfalls zu spüren, dass Pinturault verwundbar geworden ist. Zudem glaubt der Bündner, dass die tolle Entwicklung von Odermatt in der Abfahrt in der Endabrechnung eher für den Schweizer spricht.

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