DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Hasan Salihamidzic bei der Vorstellung von Benjamin Pavard.
Hasan Salihamidzic bei der Vorstellung von Benjamin Pavard.Bild: EPA
Analyse

Wie Salihamidzic Bayern Münchens Transfers vergeigte – und die Spieler dies ausnutzten

16.08.2019, 10:0916.08.2019, 15:01
Benedikt Niessen / watson.de

Mia san Mia – darunter geht beim FC Bayern München gar nichts. Der Leitspruch des Rekordmeisters ist auch das eigene Selbstverständnis: «Uns kann keiner was.» Dieser eingepflanzte Sieger-Anspruch des Klubs wird derzeit aber auf eine harte Probe gestellt. Der sonst so verwöhnte FC Bayern wirkt auf dem Transfermarkt nämlich weniger wie ein Fuchs, sondern mehr wie eine Ente. Mittendrin: Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Nach monatelanger Suche nach einem Offensiv-Star und einem intensiven Flirt mit dem nun verletzten Leroy Sané stellte der FC Bayern am Mittwoch dann plötzlich Flügelspieler Ivan Perisic vor, der für ein Jahr von Inter Mailand ausgeliehen wurde. Der Jubel nach der wichtigen Verstärkung für den Flügel war bei Fans und Mitspielern aber eher verhalten. Perisic gilt als Notlösung, Bayern will noch mehr. Sogar Trainer Niko Kovac forderte noch während der Pressekonferenz nach weiterer Verstärkung für die dünn besetzte Offensive: «Es ist Fakt, dass wir noch etwas brauchen.»

Mario Mandzukic soll die Bayern noch verstärken.
Mario Mandzukic soll die Bayern noch verstärken.Bild: AP/AP

Neuestes Gerücht: Angreifer Mario Mandzukic könnte vor einer Rückkehr zum FC Bayern stehen. Die Münchner wollen den 33-jährigen Stürmer von Juventus Turin laut «kicker» und «Gazzetta dello Sport» als Backup für Torschützenkönig Robert Lewandowski holen. Der Kroate gewann 2013 mit den Münchnern das historische Triple und soll rund zehn Millionen Euro kosten. Doch auch der in die Jahre gekommene Rückkehrer dürfte den Ansprüchen der Kritiker nicht genügen.

Bayerns Transferperiode im Sommer:
Zugänge: Lucas Hernandez (Atletico Madrid/80 Mio.), Benjamin Pavard (VfB Stuttgart/35 Mio.), Ivan Perisic (Inter Mailand/Leihgebühr 5 Mio.), Jann-Fiete Arp (Hamburger SV/3 Mio.)

Abgänge: Mats Hummels (Borussia Dortmund/30.5 Mio. plus Bonuszahlungen), Marco Friedl (Werder Bremen/3.5 Mio.), Franck Ribery (unbekannt), Rafinha (Flamengo Rio de Janeiro/ablösefrei), Arjen Robben (Karriereende), James (Real Madrid/Leih-Ende)

Bayern-Fans fordern #BrazzoOut in den sozialen Netzwerken

Ein weiterer Kritikpunkt: Seit ziemlich genau zwei Jahren arbeitet Hasan Salihamidzic als Sportdirektor bei den Bayern und seit einem Jahr wusste er, dass die überlebenswichtige Flügelzange aus Franck Ribéry und Arjen Robben wegfällt und er sie adäquat ersetzen muss. Trotz des prall gefüllten Festgeldkontos schaffte er es bisher nicht. Nun bleiben ihm bis zur Schliessung des Transferfensters am 2. September gerade einmal zwei Wochen.

Ärger macht sich besonders bei den Fans breit – und der richtet sich gegen Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Brazzo, wie der Ex-Profi des FC Bayern genannt wird, ist für die Transfers verantwortlich und steht unter Druck. Unter dem Hashtag #BrazzoOut prangern seit Tagen zahlreiche Bayern-Fans die Transfer-Politik des Klubs an: «Nichts gegen die Spieler Mandzukic und Perisic, aber für eine Mannschaft, die den Anspruch hat, zu den Besten der Welt zu gehören, vielleicht nicht gut genug», schrieb ein User.

Wäre die Suche nicht schon schwer genug, muss sich Salihamidzic auch noch Kritik über seine Arbeitsweise anhören. Zuletzt machten Medienberichte die Runde, die ihn nicht so gut aussehen lassen.

Salihamidzics Fehler

Nachdem Salihamidzic und die Bayern im Werben um Leroy Sané durch öffentliche Statements und forsche Ansagen den Transfer noch erschwerten, sollen die Sané-Alternativen eher durch Untätigkeit der Bayern verprellt worden sein.

So soll Salihamidzic zwar Kontakt zu vielen Spielern gehabt, jedoch nicht wirklich um sie gekämpft haben. Beispiel Hakim Ziyech: Der in der vergangenen Saison so stark aufspielende Rechtsaussen von Ajax Amsterdam bestätigte das Interesse des FC Bayern in einem Interview mit dem «Algemeen Dagblad». Der FC Bayern hätte demnach aber zu lange gezögert und Ziyech wollte Klarheit. Der Spieler selbst hatte wohl Lust auf die Bayern. Auf die Frage, ob die Münchner nicht aktiv genug gewesen seien, erklärte der Marokkaner: «In der Tat.» Der 26-Jährige wartete vergebens und verlängerte seinen Vertrag bei Ajax.

Hakim Ziyech bleibt bei Ajax.
Hakim Ziyech bleibt bei Ajax.Bild: AP/AP

Der FC Bayern warb auch um Nationalspieler Timo Werner und PSV-Eindhoven-Senkrechtstarter Steven Bergwijn – doch laut «Bild» warteten die Spieler ebenfalls vergeblich auf einen letzten Anruf von Salihamidzic. Das Wissen, beim FC Bayern nur Plan B für Leroy Sané zu sein, nutzten viele Spieler wie Ziyech aber zu ihren Gunsten aus.

Die Bayern mutierten nämlich ungewollt zu einem wichtigen Player in dieser Transferphase. Zwar konnten die Bayern oft keine eigenen Vertragsabschlüsse vermelden, doch sie verhalfen vielen Spielern zu neuen Verträgen.

So etwa auch bei Bayerns Wunschspieler Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea London. Dort machte der FC Bayern vor Monaten aber nicht den Fehler zu halbherzig zu agieren, sondern eher zu forsch vorgegangen zu sein, berichtet die «Sport Bild». Nachdem die Münchner so intensiv um den 18-Jährigen geworben hatten, schob Chelsea dem Wechsel einen Riegel vor. Dem Klub wurde wohl auch erst durch die Avancen der Bayern klar, welches Juwel sie da ausgebildet hatten: Hudson-Odoi bekam nach mehrmonatigen Verhandlungen einen neuen Vertrag und stieg vom Nachwuchsspieler zu einem der Spitzenverdiener auf.

Der Stichtag von Salihamidzic ist der 2. September

Auch Steven Bergwijn soll derzeit mit der PSV um eine Vertragsverlängerung verhandeln. Dani Olmo soll ebenfalls das Bayern-Interesse nutzen, um mit Dinamo Zagreb über einen Vertrag zu besseren Konditionen zu pokern, vermeldete die «Bild». Bei Leroy Sané ist auch eine Vertragsverlängerung im Gespräch.

Wenn der Rekordmeister heute gegen Hertha BSC in die 57. Bundesliga-Saison startet, hat das Team des FC Bayern 34 Spieltage lang Zeit, um die Meisterschaft und somit das Minimalziel zu erreichen. Hasan Salihamidzic hat wiederum nur Zeit bis zum 2. September, um sich an seinen Leistungen messen zu lassen.

Wieso tut sich der FC Bayern derzeit so schwer auf dem Transfermarkt? Schreibt uns eure Meinung!
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das sind die 26 teuersten Schweizer Fussballer

1 / 32
Das sind die 30 teuersten Schweizer Fussballer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Abonniere unseren Newsletter

21 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Th. Dörnbach
16.08.2019 10:33registriert Mai 2019
Endlich mal ein Artikel zu den Bayern!
14916
Melden
Zum Kommentar
avatar
Heja BVB
16.08.2019 10:38registriert August 2019
so ist das halt, wenn die alte Garde (Steuer-Uli und Schmuggel-Kalle) nicht loslassen kann, gute Kandidaten (Lahm, Eberl...) abgeschreckt haben und sich dann mit Brazzo zufrieden geben mussten. Das war sehr schnell klar, dass er nicht geeignet ist. Ohne einen Machtwechsel und neuen Sportdirektor wird sich kaum etwas ändern. Mich als BVB-Fan freuts, sind wir doch mal wieder auf Augenhöhe. auch wenn mir bewusst ist, dass langfristig die Bauern das Sagen haben...
13726
Melden
Zum Kommentar
avatar
dirtyharry
16.08.2019 11:29registriert März 2018
Philipp Lahm wusste schon warum er abgesagt hat. Egal wer Sportdirektor bei den Bayern wird oder ist, an dem Altherren Duo kommt keiner vorbei. Sie sagen und bestimmen was zu tun ist. Aber als Marionette eignet sich Brazzo hervorragend. Die letztjährige, legendäre PK ist noch in bester Erinnerung. Das Schlimme aber ist, dass es vermutlich für die Meisterschaft immer noch (leider) reichen wird.
816
Melden
Zum Kommentar
21
Plötzlich der grosse US-Open-Favorit – wie sich Nick Kyrgios neu erfunden hat
In den Händen hatte er es schon immer, nun scheint es endlich auch im Kopf zu stimmen: Nick Kyrgios ist derzeit der Mann, den es auf der ATP-Tour zu schlagen gilt. Der australische Tennis-Rüpel eilt von Sieg zu Sieg – weil er professioneller geworden, aber dennoch sich selbst geblieben ist.

Nick Kyrgios hat einen Lauf. Von seinen letzten 21 Matches hat der 27-jährige Australier 19 gewonnen. Nur gegen Novak Djokovic im Wimbledon-Final und gegen Rasenspezialist Hubert Hurkacz im Halle-Halbfinal musste sich der exzentrische «Bad Boy» geschlagen geben. Und auch seine Saisonbilanz von 30:7 kann sich durchaus sehen lassen – die Siegquote von 81,1 Prozent toppen derzeit nur Rafael Nadal (92,1), Carlos Alcaraz (84,0) und Djokovic (82,1).

Zur Story